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Weniger Kindern wird heute die Kindheit "geraubt"
International 2 Min. 28.05.2019 Aus unserem online-Archiv

Weniger Kindern wird heute die Kindheit "geraubt"

Insgesamt ist die Lage für Kinder weltweit besser geworden. In Syrien verschlechtert sie sich allerdings weiter.

Weniger Kindern wird heute die Kindheit "geraubt"

Insgesamt ist die Lage für Kinder weltweit besser geworden. In Syrien verschlechtert sie sich allerdings weiter.
Foto: AFP
International 2 Min. 28.05.2019 Aus unserem online-Archiv

Weniger Kindern wird heute die Kindheit "geraubt"

Die Hilfsorganisation Save the Children vermeldet Positives. In vielen Staaten geht es Kindern heute besser als noch vor 20 Jahren - in drei Ländern allerdings hat sich die Situation verschlechtert.

(KNA) - Diese Nachricht gehört in die Kategorie der "guten": Die Lage für Kinder hat sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten nach Einschätzung von Save the Children weltweit verbessert - und zwar deutlich. Um 280 Millionen ist seit dem Jahr 2000 die Zahl der Jungen und Mädchen zurückgegangen, die von Gewalt, Mangelernährung, Zwangsehen, frühen Schwangerschaften oder fehlendem Zugang zu Bildung betroffen sind. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten aktuellen "Childhood-Index" der Hilfsorganisation hervor. 

Danach sind in vielen Bereichen positive Entwicklungen zu verzeichnen. Das Risiko, vor dem Erreichen des fünften Lebensjahres zu sterben? Gesunken. Die Wahrscheinlichkeit, als Kind arbeiten zu müssen? Gesunken. Das Risiko, eines gewaltsamen Todes zu sterben? Ebenfalls gesunken. Die gute Entwicklung sei einem veränderten politischen Willen zu verdanken, aber auch sozialen Investitionen und der Umsetzung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung, meint Save the Children. 

176 Länder hat die Organisation für ihren Bericht in diesem Jahr untersucht und daraus eine Rangliste erstellt. Ganz vorn: Singapur. Danach folgen Schweden, Finnland, Norwegen und Slowenien, Deutschland liegt auf Platz sechs, Luxemburg auf Platz 17. Westeuropäische und südostasiatische Länder machen insgesamt die Top Ten unter sich aus. 

Drei Länder verschlechtern sich

Am anderen Ende der Liste stehen hingegen vor allem Staaten aus West- und Zentralafrika, unter ihnen etwa Niger, Tschad und die Zentralafrikanische Republik. Große Länder wie China, Russland und die USA landen in den 30ern. Für ihren diesjährigen Bericht hat die Organisation die aktuellen Daten mit denen aus dem Jahr 2000 verglichen. Nur in drei Ländern hat sich demnach die Situation für Kinder seither verschlechtert: Syrien, Venezuela sowie Trinidad & Tobago. In allen drei Staaten sind Kinder in den vergangenen Jahren häufiger Opfer von Gewalt geworden. 


Women and children who fled the Islamic State (IS) group's embattled holdout of Baghouz on February 14, 2019, sit waiting in the back of a truck in the eastern Syrian province of Deir Ezzor. - IS jihadists using tunnels and suicide bombers were mounting a desperate defence today of their last square kilometre in eastern Syria.
Kurdish-led forces closed in on the small town of Baghouz where IS fighters and their relatives were hunkered down and met famished and dishevelled people turning themselves in. (Photo by Fadel SENNA / AFP)
Fast jedes fünfte Kind wächst in Kriegen oder Konflikten auf
Mehr als 100 000 Babys sterben jedes Jahr durch Kriege und Konflikte in den zehn am schlimmsten betroffenen Ländern.

Hinzu kommen zum Beispiel mangelnde Ernährung oder Vertreibungen. Vertreibungen in Konflikten sind laut Save the Children der einzige negative Faktor, der in den beiden untersuchten Jahrzehnten zugenommen hat. Gegenüber 2000 stieg die Zahl der Kinder auf der Flucht um 80 Prozent auf rund 31 Millionen. Von Konflikten waren zuletzt 420 Millionen Kinder betroffen, doppelt so viele wie 1995. 

"Das Phänomen der 'geraubten Kindheit' konzentriert sich zunehmend in den Konfliktgebieten der Welt", heißt es in dem Bericht. Daher warnt die Vorsitzende von Save the Children Deutschland, Susanna Krüger, denn auch, dass sich die Menschheit auf den in anderen Feldern erreichten Fortschritten nicht ausruhen dürfe. "Noch immer haben 690 Millionen Kinder keine Kindheit", beklagt sie. Dies entspreche jedem vierten Kind auf der Welt. Doch jeder Junge und jedes Mädchen habe das Recht auf eine Kindheit. "Regierungen dürfen nicht tatenlos zusehen, wenn Kinder arbeiten müssen, durch behandelbare Krankheiten wie Lungenentzündung sterben oder Mädchen schwanger werden." 

Die größten Fortschritte sind laut Save the Children indes in einigen der ärmsten Ländern zu beobachten: So sei zum Beispiel in Ruanda die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren um fast 80 Prozent gesunken, die Quoten bei Kinderarbeit, Teenagerschwangerschaften und Kindsmorden hätten sich halbiert. In Sierra Leone werde aktuell statt einem von fünf Kindern nur noch eines von 700 gewaltsam vertrieben. Auch Äthiopien und Niger machten große Fortschritte - wenngleich sie trotzdem auf hinteren Plätzen verharren.