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Wenig Erfahrung, viel Geld: Trump-Spenderin wird UN-Botschafterin
International 3 Min. 11.09.2019

Wenig Erfahrung, viel Geld: Trump-Spenderin wird UN-Botschafterin

Craft gilt als politisches Leichtgewicht ohne Erfahrung.

Wenig Erfahrung, viel Geld: Trump-Spenderin wird UN-Botschafterin

Craft gilt als politisches Leichtgewicht ohne Erfahrung.
Foto: AFP
International 3 Min. 11.09.2019

Wenig Erfahrung, viel Geld: Trump-Spenderin wird UN-Botschafterin

Die Wertschätzung des US-Präsidenten für die UN spiegelt sich auch darin, dass er sich mit der Neubesetzung des Botschafter-Postens acht Monate Zeit ließ. Nun kommt mit Kelly Craft eine Frau, die wenig Erfahrung hat, aber Millionen für Trump gespendet haben soll.

(dpa) - Die diplomatische Karriere Kelly Crafts passt in wenige Zeilen. 2007 machte George Bush sie kurzzeitig zu einer stellvertretenden Delegierten bei der UN-Generalversammlung. Danach passierte lange nichts, bis Donald Trump Präsident wurde. Für den spendeten die Unternehmensberaterin und ihr Mann - Kohle-Milliardär Joe Craft - nach Angaben der „New York Times“ mehr als zwei Millionen Dollar. Der „Washington Post“ zufolge hatte das Paar zumindest zwischenzeitlich auch eine Gold-Mitgliedschaft in Hotels der Trump-Gruppe.

Von 2017 an dann ging es ziemlich schnell: Craft wurde Botschafterin in Kanada und startet nun als UN-Botschafterin ihn New York, wo sie im Sicherheitsrat auf Russland und China trifft. Erwartet wird aber, dass sie die große Außenpolitik den mächtigen Männern in Washington überlässt. Craft selbst sagte bei einer Senatsanhörung, sie werde ihre neue Position mit „Demut“ einnehmen, sie habe „viel über die Vereinten Nationen zu lernen“.


John Bolton, the U.S. ambassador to the United Nations, talks to the press as he arrives for consultations at U.N. headquarters in New York Wednesday July 5, 2006. Even with Japan and the United States pressing for a U.N. Security Council meeting early Wednesday in New York on the issue of North Korea's test-firing of a stream of missiles Wednesday, few people expected members to take immediate harsh action. (AP Photo/Seth Wenig)
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Dass Trump die Stelle nach dem Ausscheiden von Crafts Vorgängerin Nikki Haley acht Monate lang unbesetzt ließ, wird in New York als deutliches Zeichen für die mangelnde Wertschätzung Trumps für die Vereinten Nationen gewertet. Das zeigt sich auch darin, dass der 57-jährigen Craft aus Kentucky, anders als Haley, kein Posten in Trumps Kabinett zukommt, was sie deutlich abhängiger von der Linie von Außenminister Mike Pompeo macht. Experten sehen das auch als Schwächung der USA im oft blockierten UN-Sicherheitsrat.

Politisch wird Craft von Kritikern ohnehin als Leichtgewicht ohne Profil gesehen. „Sie verfügt nicht über die erforderlichen Empfehlungen, Kenntnisse oder Erfahrungen, um die Interessen und Werte der USA bei den UN wirksam zu vertreten und verteidigen“, heißt es in einem Bericht der Demokraten im Auswärtigen Ausschuss des Senats. Ihre einzige Qualifikation für den Job scheine das Geld zu sein, das sie und ihr Mann für Trump gespendet hätten. Der Senat hatte Crafts Nominierung mit den Stimmen der Republikaner bestätigt.

Sie verfügt nicht über die erforderlichen Empfehlungen, Kenntnisse oder Erfahrungen, um die Interessen und Werte der USA bei den UN wirksam zu vertreten und verteidigen. 

Im Fokus stand zuletzt auch ihre Position beim Thema Klima, denn zu Beginn ihrer Amtszeit in Kanada sorgte Craft mit der Aussage für Aufsehen, „beide Positionen“ der Wissenschaft zum Klimawandel zu verstehen. Dazu muss man wissen, dass ihr Mann als Kohle-Magnat übereinstimmenden Medienberichten zufolge deutlichen Einfluss auf die umstrittene Klimapolitik der Trump-Regierung hat. Kelly Craft erkannte inzwischen an, dass sich das Klima wandelt.

Auch einige Diplomaten schätzen Craft nicht als sonderlich starke Neubesetzung ein - vor allem im Vergleich mit Haley, die gerade anfangs große Freiheiten genoss und Teile der außenpolitischen Positionen Washingtons im Alleingang besetzte. Und trotzdem brauchen sie Craft: „Sie mag nicht perfekt sein, aber die Botschafter aus Europa und von anderen Schlüsselverbündeten können ihren Start bei den Vereinten Nationen kaum erwarten“, erklärt Richard Gowan, UN-Experte des Think-Tanks Crisis Group.

Denn die US-Mission gilt Gowan zufolge seit dem Abgang Haleys als kopflos und befremdete manchmal auch die eigenen Verbündeten. Craft, so die Hoffnung, soll die USA zumindest organisatorisch auf Linie bringen. Mehr noch: Ihr Ruf als „anständige Person“ lässt Diplomaten hoffen, dass man mit ihr pragmatisch arbeiten kann.


(FILES) This file photo taken on August 13, 2008 shows a man walking over the seal of the Central Intelligence Agency (CIA) in the lobby of CIA Headquarters in Langley, Virginia.
The CIA can turn your TV into a listening device, bypass popular encryption apps, and possibly control your car, according to a trove of alleged documents from the US spy agency released on March 7, 2017 by WikiLeaks. The group posted nearly 9,000 documents it said were leaked from the Central Intelligence Agency, in what it described as the largest-ever publication of secret intelligence materials.
 / AFP PHOTO / AFP FILES / SAUL LOEB
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Menschen, die die mehrfache Mutter kennen, beschreiben sie als warmherzige Frau mit exzellenten sozialen Fähigkeiten. Diese habe sie als Botschafterin in Kanada auch bei der schwierigen Neuverhandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta ausgespielt. Wenn es ganz zäh wurde zwischen US-amerikanischen und kanadischen Verhandlern, habe sie für Entkrampfung und Ausgleich gesorgt. Und so am Ende zu einem Erfolg der Gespräche beigetragen.

Dabei bleibt die Frage, welche Themen Craft überhaupt für sich besetzen kann, wenn Washington die großen Weichenstellungen vornimmt. „Es ist unwahrscheinlich, dass Craft eine große Rolle bezüglich des Irans, Jared Kushners Nahostplan oder Nordkoreas haben wird“, sagt Experte Gowan. Übrig blieben dann die aus Sicht Washingtons zweitrangigen Konflikte, zum Beispiel im Jemen, im Sudan oder im Kongo. Auch wird spekuliert, dass Craft sich auf humanitäre Hilfe in Krisen fokussieren könnte. Ein Feld, in dem es wenig Konfliktpotenzial mit der Trump-Administration geben dürfte.

Crafts erste Bewährungsprobe wartet schon in zwei Wochen, wenn sich die politische Elite zur UN-Generalversammlung in New York trifft. Denn die Aufmerksamkeit dort mag Donald Trump viel lieber als die Organisation selbst, sagt Experte Gowan. Und Craft soll ihm die Bühne bereiten. „Und wenn es nicht gut ausgeht, dann wird er sie dafür verantwortlich machen, auch wenn sie nichts dafür kann.“


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