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Weltklimakonferenz in Bonn: Die Uhr tickt
Großherzog Henri ist als überzeugter Umweltschützer in seinem Tesla nach Bonn gefahren.

Weltklimakonferenz in Bonn: Die Uhr tickt

AFP
Großherzog Henri ist als überzeugter Umweltschützer in seinem Tesla nach Bonn gefahren.
International 3 Min. 15.11.2017

Weltklimakonferenz in Bonn: Die Uhr tickt

Eric HAMUS
Eric HAMUS
Mit der Ankunft der Staats- und Regierungschefs wurde in Bonn am Mittwoch die Schlussphase eingeläutet. Deren Botschaft war eindeutig: Die Zeit läuft davon! Großherzog Henri will deshalb, dass Luxemburg künftig eine Vorreiterrolle einnimmt.

(ham) - War die erste Woche bei der COP23 in Bonn noch dem Dialog und den Verhandlungen vorbehalten, so wird es dieser Tage ernst in der weißen Zeltstadt am Rande der Rheinmetropole. Am Mittwoch nämlich sind die politischen Verantwortlichen eingekehrt, darunter UN-Generalsekretär Antonio Guterres, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Und das bedeutet in der Regel, dass die erste Entscheidungen bevorstehen. Indessen läuft die Zeit davon. Ein Spruch, den man dieser Tage trotz eines vorsichtigen Optimismus immer wieder in den Hallen der COP23 zu hören bekommt. Sei es nun von Vertretern der Umweltschutzorganisationen, von Mitgliedern der nationalen Delegationen oder von den Staats- und Regierungschefs selbst.

Es ist, als ob sie sich das Mantra immer wieder selbst eintrichtern müssen. Schließlich liegt die richtungsweisende Klimakonferenz von Paris bereits zwei Jahre zurück und die Weltgemeinschaft streitet noch immer über die recht obsolet gewordene Frage, ob der Klimawandel nicht doch eine Erfindung des jeweiligen Erzfeindes sei.

Daumen hoch auf dem "Familienfoto".
Daumen hoch auf dem "Familienfoto".
AFP

Stell dir vor ...

Und somit wiederholen die Spitzenpolitiker ihr Mantra. Ob nun Merkel, Steinmeier, Guterres oder Macron. Frei nach dem Motto „Stell dir vor es ist Klimawandel, alle wissen es, doch niemand unternimmt etwas“! Und genau das will Großherzog Henri nicht mehr hinnehmen.

„Der Kampf gegen den Klimawandel steckt noch in den Kinderschuhen. Die Öffentlichkeit weiß Bescheid, die Menschen sind sensibilisiert. Wir müssen nun konkret werden und etwas bewegen“, so der Luxemburger Staatschef am Mittwoch in einer leidenschaftlichen Ansprache vor den Vertretern aus 197 Nationen.

Die Hoffnungen ruhten nun auf diesen Bemühungen, denn: „Nur Eifer und konkrete Projekte führen zu neuen Möglichkeiten, die wiederum den Fortschritt fördern.“ Die Verantwortung ruhe deshalb nicht nur auf den Schultern der Staaten und Organisationen: „Jeder von uns muss seinen persönlichen Beitrag leisten, in diesem Rennen gegen die Zeit“, fuhr Großherzog Henri fort.

Vorreiter Luxemburg

Mit kleinsten Gesten könnten Milliarden Bewohner bereits Großes für das gemeinschaftliche Engagement zum Wohle unseres Planeten erreichen. Luxemburg soll dabei mit dem guten Beispiel vorangehen. Natürlich werde das Großherzogtum die Pariser Vorgaben umsetzen. Allerdings wolle man auch neue Kontakte knüpfen und konkrete Initiativen vorantreiben.

Frank Bainimarama, Premier der Fiji-Inseln, wartet auf Frankreichs Emmanuel Macron. Dieser begrüßt noch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel.
Frank Bainimarama, Premier der Fiji-Inseln, wartet auf Frankreichs Emmanuel Macron. Dieser begrüßt noch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel.
AFP

Die COP23 sei der ideale Ort dafür: Die Konferenz bringe Akteure aus Politik und Wirtschaft mit Vertretern der Zivilgesellschaft und Umweltorganisationen zusammen, um gemeinsam nach vorne zu schauen.

So hat die Regierung z.B. mit der Europäischen Investitionsbank eine Plattform für Klimafinanzierung geschaffen, die mögliche Risiken finanziell abfedern soll. Daneben hat die Luxemburger Börse den „Luxembourg Green Exchange“ ins Leben gerufen, die erste Plattform für nachhaltige Wertpapiere. Initiativen, die Luxemburg am eigenen Stand der Öffentlichkeit präsentiert.

Wichtig für die Kredibilität

„Mit solchen konkreten Initiativen zeigen wir, dass wir in Luxemburg nicht nur unsere Klimaziele erreichen, sondern auch die Klimafinanzierung mit ambitionierten Projekten unterstützen“, so Umweltministerin Carole Dieschbourg im LW-Interview. Dies sei nicht nur wichtig für die eigene Kredibilität sondern gebe auch das nötige Selbstvertrauen, um in den kommenden Tagen zu einem Ergebnis zu gelangen, so Dieschbourg.

Es sei eben wichtig, Ambitionen zu zeigen und mit dem guten Beispiel voranzugehen. Vor allem da viele andere Länder von der EU erwarten, in diesem Bereich mit einer Stimme aufzutreten. So bleibt Carole Dieschbourg auch vorsichtig optimistisch, dass bis Freitag das bestmögliche Regelwerk bei den Verhandlungen herausspringt. Nun seien zwar noch einige Herausforderungen zu lösen, so die Ministerin, doch sei sie zuversichtlich. Seit Paris habe sich nämlich nicht viel geändert. Und vor zwei Jahren habe man es auch geschafft ...


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