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Weißes Haus veröffentlicht Liste mit 78 Anschlägen
International 3 Min. 06.02.2017 Aus unserem online-Archiv
Nach Trump-Vorwürfen an die Medien

Weißes Haus veröffentlicht Liste mit 78 Anschlägen

US-Präsident Trump: Der IS begeht Völkermord.
Nach Trump-Vorwürfen an die Medien

Weißes Haus veröffentlicht Liste mit 78 Anschlägen

US-Präsident Trump: Der IS begeht Völkermord.
Foto: AFP
International 3 Min. 06.02.2017 Aus unserem online-Archiv
Nach Trump-Vorwürfen an die Medien

Weißes Haus veröffentlicht Liste mit 78 Anschlägen

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
US-Präsident Trump hat den Medien unterstellt, in der Berichterstattung über Terrorismus bewusst Vorfälle zu verschweigen. Kurz darauf veröffentlichte das Weiße Haus eine Liste mit Anschlägen, die medial unterrepräsentiert seien.

(dpa/tom) - US-Präsident Donald Trump hat den Medien unterstellt, in der Berichterstattung über Terrorismus bewusst Vorfälle zu verschweigen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) begehe weltweit „Völkermord“, sagte Trump am Montag in einer Rede vor Vertretern des US-Militärs in Tampa (Florida).

„Ihr habt gesehen, was in Paris und Nizza passiert ist. Überall in Europa passiert es. Es ist ein Punkt erreicht, an dem gar nicht mehr darüber berichtet wird. Und in vielen Fällen will die sehr, sehr verlogene Presse gar nicht mehr darüber berichten. Sie haben ihre Gründe, und ihr versteht das.“

Trump hielt die Rede während eines Besuchs des Zentralkommandos. Das Kommandozentrum überwacht die Militäreinsätze im Nahen Osten und in Zentralasien, wozu auch der Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak zählt.

78 Anschläge, über die "zu wenig berichtet wurde"

Nach der Rede veröffentlichte das Weiße Haus eine Liste mit 78 Terroranschlägen,  über die Journalisten nicht genug berichtet hätten - darunter Attentate mit vielen Toten wie die von Paris, Nizza oder Berlin. Die Auflistung sollte die Vorwürfe untermauern. Sie umfasst Anschläge in verschiedenen Ländern zwischen September 2014 und Dezember 2016.

Trump-Sprecher Sean Spicer bemühte sich wieder einmal um Schadensbegrenzung - es sei nicht "gar nicht" berichtet worden, aber zu wenig - Terroranschläge erführen weniger mediale Aufmerksamkeit als zum Beispiel Protestveranstaltungen, so Spicer später an Bord der Präsidentenmaschine "Air Force One".

Die „Washington Post“ veröffentlichte das Papier, auf dem weltweit beachtete Anschläge in Sousse, Orlando, Brüssel und Istanbul stehen, sowie auch der Messerangriff der 16-jährigen Safia S. auf einen Polizisten in Hannover und die Attentate von Würzburg und Ansbach im vergangenen Jahr.

Auf der Liste fehlen allerdings große Anschläge ohne westliche Opfer, wie etwa ein Selbstmordattentat mit einem Laster in Bagdad, bei dem im vergangenen November mehr als 70 Menschen ums Leben kamen. Auch Gewalt durch Rechtsradikale, etwa der Anschlag eines Weißen mit neun Toten in einer von Afroamerikanern besuchten Kirche im US-Staat South Carolina im Juni 2015, kommt darin nicht vor.

Unklares Motiv hinter der Veröffentlichung

Wie die "Washington Post" anmerkt, scheint die Liste mit heißer Nadel gestrickt; sie enthält Rechtschreibfehler, einige Zahlen stimmen nicht. Schon eine schnelle Überprüfung liefert zudem zu zahlreichen Punkten der Liste Gegenbeispiele, die belegen, dass sehr wohl, zum Teil auch umfassend, berichtet wurde.

Die "Washington Post" vermutet demnach andere Motive dahinter: Die Liste diene nicht dazu, Trumps Vorwurf zu untermauern, dazu enthalte sie die falschen Beispiele. Es gehe offensichtlich darum, die Anschläge selbst erneut in den Medien zu platzieren, um Trump Argumente für seinen Kampf gegen den Terrorismus inklusive Einreiseverbot zu liefern.

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