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Wegen seiner Flüchtlingspolitik: Messerangriff auf deutschen Bürgermeister
International 28.11.2017

Wegen seiner Flüchtlingspolitik: Messerangriff auf deutschen Bürgermeister

Andreas Hollstein (l.) wurde für die Flüchtlingsarbeit in seiner Gemeinde Altena von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Nationalen Integrationspreis ausgezeichnet.

Wegen seiner Flüchtlingspolitik: Messerangriff auf deutschen Bürgermeister

Andreas Hollstein (l.) wurde für die Flüchtlingsarbeit in seiner Gemeinde Altena von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Nationalen Integrationspreis ausgezeichnet.
Foto: AFP
International 28.11.2017

Wegen seiner Flüchtlingspolitik: Messerangriff auf deutschen Bürgermeister

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Der Bürgermeister der nordrhein-westfälischen Stadt Altena, Andreas Hollstein, ist am Montagabend mit einem Messer angegriffen worden. Die Sicherheitsbehörden gehen von einem politischen Hintergrund aus.

(dpa/KNA) - Der Bürgermeister der sauerländischen Stadt Altena, Andreas Hollstein, ist bei einem Messerangriff schwer verletzt worden. Die Behörden halten ein politisches Motiv für wahrscheinlich.

Hollstein war am Montagabend in einem Dönerladen mit einem Messer angegriffen worden. Bundesjustizminister Heiko Maas verurteilte die Attacke. Altena wurde bundesweit bekannt, weil es mehr Flüchtlinge aufnimmt, als es nach dem Verteilschlüssel aufnehmen müsste.

Altena versucht, die Flüchtlinge dezentral unterzubringen, bietet unmittelbar nach der Ankunft Sprachkurse an und bündelt ehrenamtliche und hauptamtliche Kräfte sowie die Arbeit von "Kümmerern", die Flüchtlingsfamilien persönlich im Alltag betreuen.    

Dafür erhielt die Stadt im Mai aus der Hand von Bundeskanzlerin Angela Merkel den mit 10.000 Euro dotierten Nationalen Integrationspreis. Der Bürgermeister engagiert sich zudem für die Aktion "Gesicht zeigen" und war an der Entstehung des Buchs "Mein Kampf gegen rechts" beteiligt.

Mit seiner auf eine schnelle Integration der Flüchtlinge ausgerichteten Politik hat sich Hollstein aber auch Feinde gemacht. Er habe Hassmails bekommen, berichtete er bei der Preisverleihung in Berlin.

Bundesjustizminister Heiko Maas wünschte Hollstein gute Besserung. "Dürfen niemals akzeptieren, dass Menschen attackiert werden, nur weil sie anderen helfen. In unserem Land darf kein Platz sein für Hass und Gewalt", erklärte der Minister. NRW-Flüchtlingsminister Joachim Stamp schrieb bei Twitter: "Alle guten Wünsche an Andreas Hollstein, dem großartigen Bürgermeister Altenas." 

Der Fall erinnert an den Angriff auf Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos). Sie war im Oktober 2015 einen Tag vor ihrer Wahl von einem Rechtsextremisten mit einem Messer angegriffen und lebensgefährlich verletzt worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich bestürzt: „Ich bin entsetzt über den Messerangriff auf Bürgermeister Andreas Hollstein - und sehr erleichtert, dass er schon wieder bei seiner Familie sein kann“, twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstag im Namen der Kanzlerin.


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