Wählen Sie Ihre Nachrichten​

"We will miss them": Letzte Sitzungswoche für Briten in Straßburg
International 3 Min. 14.01.2020

"We will miss them": Letzte Sitzungswoche für Briten in Straßburg

Am 31.01.2020 soll Großbritannien die EU verlassen.

"We will miss them": Letzte Sitzungswoche für Briten in Straßburg

Am 31.01.2020 soll Großbritannien die EU verlassen.
Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
International 3 Min. 14.01.2020

"We will miss them": Letzte Sitzungswoche für Briten in Straßburg

Am 31. Januar soll Großbritannien die EU verlassen. Im Europaparlament debattieren die Parlamentarier aus dem Vereinigten Königreich noch einmal mit ihren Kollegen.

(dpa) - In der blassen Wintersonne glänzen die Fahnenstangen vor dem Straßburger Europaparlament. An einem der Pfosten flattert der Unionjack - voraussichtlich zum letzten Mal in einer Sitzungswoche in der französischen Stadt. "Jetzt ist der Kampf verloren", sagt der Labour-Abgeordnete Seb Dance der Deutschen Presse-Agentur. "Ein unglaubliches Gefühl der Traurigkeit".

Dance hat gegen den Brexit gekämpft, vergeblich. Am 31. Januar soll der britische EU-Austritt nun tatsächlich über die Bühne gehen. Für Dance ist es das Ende seiner Karriere im Europaparlament - und das Ende eines historischen Kapitels. "Der Job ist ein Job, aber die Beziehung, die man zum eigenen Land hat, wird sich auf eine Weise ändern, die wirklich bestürzend ist", sagt Dance. Was er seinen Kollegen im Parlament als Botschaft hinterlassen möchte? "Nehmt nichts als selbstverständlich. Vielleicht ist niemand anderes dumm genug, ein Rein-Raus-Referendum abzuhalten."

Auch den Parlamentskollegen aus anderen EU-Ländern fällt der Abschied von den Briten nicht leicht. "Mit Ausnahme der Abgeordneten der Brexit Party waren die britischen Kolleginnen und Kollegen fraktionsübergreifend respektiert", sagt der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament, David McAllister (CDU) - "We will miss them." Ohne die Briten werde das Parlament nicht nur kleiner, sondern auch ärmer an politischer Kontroverse, an trockenem Humor und häufig guter Rhetorik, sagt auch der Linken-Brexit-Experte Martin Schirdewan.


A video grab from footage broadcast by the UK Parliament's Parliamentary Recording Unit (PRU) shows tellers announcing the result of a vote on the third reading of the European Union (Withdrawal Agreement) Bill, in the House of Commons in London on January 9, 2020. - The European Union (Withdrawal Agreement) Bill has cleared the House of Commons after getting its third reading by 330 votes to 231. (Photo by HO / PRU / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - NO USE FOR ENTERTAINMENT, SATIRICAL, ADVERTISING PURPOSES - MANDATORY CREDIT " AFP PHOTO / PRU "
Brexit-Gesetz nimmt letzte Hürde im Unterhaus
Boris Johnson ist bald am Ziel: Das britische Unterhaus hat das Gesetz für den EU-Austritt am Donnerstag mit klarer Mehrheit angenommen.

Straßburg ist die vorletzte Etappe - zum allerletzten Mal werden die Briten Ende Januar in Brüssel an einer Sitzung des Europaparlaments teilnehmen und dann auch noch fast als letzte Amtshandlung über das Brexit-Abkommen abstimmen. Zwei Tage später, um Mitternacht, soll die Mitgliedschaft in der EU dann beendet sein. "Ich wünsche den Briten viel Erfolg und der EU, dass sie endlich aufwachen und von ihrem Irrweg abkehren möge", gibt ihnen der AfD-Europaabgeordnete Jörg Meuthen mit auf den Weg.

Das EU-Parlament schrumpft

Für die 73 Briten im Europaparlament heißt es zwar "Goodbye" - doch für 27 Politiker aus 14 EU-Staaten startet mit dem Brexit die Amtszeit im Europaparlament. So war es in einer Parlamentsreform 2018 beschlossen worden, die jetzt erst wirksam wird, weil der britische EU-Austritt insgesamt dreimal verschoben wurde.  

Damals einigte man sich darauf, mit dem Abschied des großen Mitgliedsstaats auch das Europaparlament zu verkleinern, von heute 751 auf 705 Abgeordnete. Die 46 Mandate werden in einer Reserve geparkt, bis der EU möglicherweise neue Mitgliedsstaaten beitreten.

Britische Abgeordneten um Nigel Farage (vordere Reihe links, Platz 690) sitzen während einer Abstimmung im Plenarsaal des Europäischen Parlaments.
Britische Abgeordneten um Nigel Farage (vordere Reihe links, Platz 690) sitzen während einer Abstimmung im Plenarsaal des Europäischen Parlaments.
Philipp von Ditfurth/dpa

27 Mandate sollen dagegen an jene Länder verteilt werden, die bisher im Europaparlament im Verhältnis zur Bevölkerung zu wenige Sitze haben. Frankreich und Spanien sollen nun indes jeweils fünf Sitze mehr bekommen, Italien und die Niederlande jeweils drei und Irland zwei. Mehrere weitere Staaten bekommen jeweils einen neuen Parlamentarier.


Boris Johnson ist der strahlende Gewinner der vorgezogenen Neuwahlen im Vereinigten Königreich.
Der Brexit, endlich!
Der Brexit kommt. Endlich können das Vereinigte Königreich und die EU-27 voranschreiten.

Welche neuen Abgeordneten kommen, ist dem EU-Parlament noch nicht in jedem Fall bekannt. "Wir warten noch auf die Meldung aus einigen Mitgliedsstaaten", sagte ein Sprecher des Europaparlaments am Montag. Sollten die Namen nicht alle rechtzeitig genannt werden, bleiben die Mandate übergangsweise vakant. Wie sich die Stärke der Fraktionen durch die neue Zusammensetzung ändert, steht noch nicht fest.

Einige der neuen Abgeordneten haben sich allerdings bereits selbst zu Wort gemeldet - und zwar ziemlich gefrustet über die lange Wartezeit wegen des immer wieder verschobenen Brexits. Der sollte ja eigentlich schon am 29. März 2019 über die Bühne gehen, wurde dann aber auf den 12. April, den 31. Oktober und letztlich auf den 31. Januar vertagt. Die Nachrücker stehen in einigen Ländern bereits seit der Europawahl fest und drehen seither Däumchen.

"Das ist aus meiner persönlichen Sicht natürlich frustrierend", sagte der designierte irische Abgeordnete Barry Andrews aus Dublin im Herbst dem irischen Sender RTE. Er habe die vergangenen Monate mit Redeverpflichtungen und freiwilligem Engagement überbrückt. Staatliche Gelder oder Diäten standen ihm in der Zeit noch nicht zu. Nachrückende Abgeordnete hätten keinerlei Anspruch auf Vergütungen, bevor Sie ihr Amt antreten, erklärt das Europaparlament.

Auch die scheidenden britischen Abgeordneten müssen nach dem Brexit wohl wieder einen neuen Job suchen. Abgeordnete, die mindestens ein volles Jahr im Amt waren, haben nach Angaben des EU-Parlaments bei Ende ihres Mandats aber immerhin Anspruch auf ein Übergangsgeld: Sie bekommen für jedes Jahr ihres Mandats ein Monatsgehalt.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Der Brexit, endlich!
Der Brexit kommt. Endlich können das Vereinigte Königreich und die EU-27 voranschreiten.
Boris Johnson ist der strahlende Gewinner der vorgezogenen Neuwahlen im Vereinigten Königreich.
Johnsons Triumph, Labours Fiasko
Die Tories haben einen historischen Sieg errungen, für Corbyns Labour-Partei war es ein desaströser Rückschlag. Der Brexit wird kommen, aber für die Briten könnten die Probleme erst beginnen. Eine Analyse.
Parallel zum Wahlsieg der Tories von Premier Johnson, haben auch die nationalistischen Kräfte in Nordirland und Schottland stark zugelegt.
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.