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Wauquiez klagt an: Sarkozy soll als Präsident Minister-Handys abhören lassen haben
Parteichef Wauquiez erhebt Vorwürfe gegen Ex-Präsident Sarkozy (Bild).

Wauquiez klagt an: Sarkozy soll als Präsident Minister-Handys abhören lassen haben

Foto: AFP
Parteichef Wauquiez erhebt Vorwürfe gegen Ex-Präsident Sarkozy (Bild).
International 2 Min. 18.02.2018

Wauquiez klagt an: Sarkozy soll als Präsident Minister-Handys abhören lassen haben

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Hinter verschlossener Tür nimmt der Chef der französischen Republikaner kein Blatt vor den Mund - doch ein Mitschnitt kommt an die Öffentlichkeit. Darin ist von Abhöraktionen im Élyséepalast die Rede. Aber der Politiker sieht das ganz anders.

(dpa) - Der Parteichef der französischen Konservativen, Laurent Wauquiez, hat mit freimütigen Äußerungen zum früheren Staatschef Nicolas Sarkozy für Wirbel gesorgt. Laut Auszügen aus einem heimlich aufgenommenen Mitschnitt sagte er vor Studenten, dass Sarkozy die Handys seiner Minister habe anzapfen lassen.

Nach der Veröffentlichung teilte Wauquiez jedoch mit, er habe niemals behaupten wollen, dass Regierungsmitglieder im Rahmen des Ministerrats überwacht worden seien. Die Aufnahme seiner Worte sei illegal entstanden, erklärte der 42-Jährige, der mögliche juristische Konsequenzen erwähnte.

Die TV-Sendung Quotidien hatte Teile einer Audio-Aufzeichnung eines Kurses veröffentlicht, den der Politikers an einer Managementschule bei Lyon gegeben hatte. „Nicolas Sarkozy war an dem Punkt angekommen, wo er die Handys derjenigen kontrollierte, die zum Ministerrat kamen“, sagte der Chef der wichtigsten Oppositionspartei Les Républicains demnach. „Er hat sie abgehört, um alle Mails, alle SMS abzupumpen und zu überprüfen, was jeder seiner Minister sagte - in dem Augenblick, wo wir in die Kabinettssitzung kamen.“

Wauquiez hatte in der Amtszeit von Nicolas Sarkozy (2007-2012) selbst im Kabinett gesessen: als Regierungssprecher und Staatssekretär, später als Europa- und dann Hochschulminister. Er wurde im Dezember zum neuen Vorsitzenden von Sarkozys Partei gewählt.

"Habe ich nie behauptet"

„Diese Aussagen wurden im privaten Rahmen eines Unterrichts gemacht, bei einer freien Diskussion mit den Studenten, manchmal im Ton des Humors“, erklärte Wauquiez am Samstag. Der Kurs habe die Studenten insbesondere dazu gebracht, über „Gerüchte und Hirngespinste“ im politischen Leben nachzudenken. „Ich habe zum Beispiel niemals daran gedacht zu behaupten, dass man Regierungsmitglieder im Rahmen des Ministerrats hat überwachen lassen.“

Der Sender BFMTV berichtete, Sarkozys Umfeld habe „diese groteske Abhörgeschichte“ entschieden zurückgewiesen. Wauquiez habe sich in einem Telefonat beim Ex-Präsidenten entschuldigt, was dieser „zur Kenntnis genommen“ habe.

Wauquiez nahm in dem veröffentlichten Mitschnitt auch sonst kein Blatt vor den Mund. So fragte er die Studenten, ob sie schon mal das Instagram-Konto von Bundeskanzlerin Angela Merkel gesehen hätten. „Glauben Sie mir, um dort Charisma zu finden, muss man wirklich früh aufstehen.“

Sturz von Fillon

Laut der TV-Sendung äußerte Wauquiez auch die Vermutung, dass Emmanuel Macron während des Präsidentschaftswahlkampfs den Sturz seines konservativen Konkurrenten François Fillon organisiert habe. Der ursprünglich als Favorit gehandelte Fillon war vom Verdacht einer Scheinbeschäftigung seiner Frau auf Parlamentskosten aus der Bahn geworfen worden und im ersten Wahlgang ausgeschieden. „Das Ding“ sei „völlig ferngesteuert“ worden, sagte Wauquiez.

Regierungssprecher Benjamin Griveaux kommentierte auf Twitter: „Verleumdungen, Beleidigungen, Vulgarität... eine spezielle Vorstellung von Unterricht...“ Wauquiez hatte den Studenten extra eingeschärft, seine Aussagen für sich zu behalten: Sonst könne er nur „den Bullshit“ äußern, den er in den Medien sagen könne.


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