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Wahl in Thüringen: Linkspartei auf Platz eins - AfD überholt CDU
International 27.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Wahl in Thüringen: Linkspartei auf Platz eins - AfD überholt CDU

Freude bei der AfD: Parteichef Alexander Gauland (l.) und Thüringen-Spitzenkandidat Björn Höcke.

Wahl in Thüringen: Linkspartei auf Platz eins - AfD überholt CDU

Freude bei der AfD: Parteichef Alexander Gauland (l.) und Thüringen-Spitzenkandidat Björn Höcke.
Foto: AFP/dpa/Jens Büttner
International 27.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Wahl in Thüringen: Linkspartei auf Platz eins - AfD überholt CDU

Die Wahl zum Landesparlament im deutschen Bundesland Thüringen endet mit einem historischen Erfolg für die Linkspartei von Bodo Ramelow. Die rechtspopulistische AfD landet vor der CDU.

(dpa) - Bei der Landtagswahl im ostdeutschen Thüringen ist die regierende Partei Die Linke nach ersten Prognosen erstmals stärkste Kraft in einem Bundesland geworden. Nach den Berechnungen der Fernsehsender ARD und ZDF vom Sonntagabend verlor die bisherige Koalition aus Linken, Sozialdemokraten und Grünen aber ihre Mehrheit.

Die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) legte gegenüber der Landtagswahl 2014 stark zu und kam noch vor den Christdemokraten auf Platz zwei. Sie konnte ihren Stimmenanteil mehr als verdoppeln.

Die Wahlbeteiligung lag bei 66 Prozent und damit deutlich höher als 2014 (52,7 Prozent). Wahlberechtigt waren rund 1,73 Millionen Thüringer.

Die Linke von Ministerpräsident Bodo Ramelow kam auf 29,6 bis 29,7 Prozent (2014: 28,2 Prozent). Die CDU fiel auf 22,6 bis 22,2 Prozent (2014: 33,5 Prozent) ab, die AfD kommt auf 23,6 bis 23,8 Prozent (2014: 10,6 Prozent).

Die liberale FDP lag mit 5 bis 5,2 Prozent knapp über der Fünf-Prozent-Hürde (2014: 2,5 Prozent). Sollten sich die ersten Trends verfestigen, könnte sie diesmal gerade noch den Einzug in den Landtag schaffen.

Auf Bodo Ramelow (Die Linke) warten schwierige Regierungsverhandlungen.
Auf Bodo Ramelow (Die Linke) warten schwierige Regierungsverhandlungen.
Foto: Martin Schutt/dpa

Die bisher in Erfurt mitregierende SPD sackte auf 8,6 bis 8,3 Prozent ab (2014: 12,4 Prozent). Die ebenfalls mitregierenden Grünen kamen auf 5,4 Prozent (2014: 5,7 Prozent). Die Umweltpartei hat es im Osten Deutschlands, auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, aber traditionell schwerer als in den alten Bundesländern.

Rot-Rot-Grün hat keine Mehrheit mehr

Im Parlament sind 88 Sitze zu vergeben, davon 44 Direkt- und 44 Listenmandate. Durch Überhang- und Ausgleichsmandate könnte die Zahl noch steigen. Der neue Landtag dürfte 88 Sitze haben. Nach den Hochrechnungen von ARD und ZDF kommt die Linke auf 27 Sitze, die CDU auf 21, AfD auf 22. Die SPD könnte 8 Abgeordnete in den Landtag entsenden, Grüne und FDP lägen bei jeweils 5 Mandaten.

Rein rechnerisch wäre demnach eine Koalition aus Linke, SPD, Grünen und FDP möglich. Sie erreichte genau die erforderliche Mehrheit von 45 Sitzen. Rot-Rot-Grün verpasste die Mehrheit mit 40 Sitzen deutlich.

Nach dem aktuellen Stand dürfte die Suche nach einer neuen Regierungskoalition äußerst schwierig werden. Eine Zusammenarbeit mit der AfD haben alle Parteien ausgeschlossen



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