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Vorweihnachtlicher Streit um den Schwarzen Piet
International 1 2 Min. 17.11.2014 Aus unserem online-Archiv
Rassismus oder nicht?

Vorweihnachtlicher Streit um den Schwarzen Piet

International 1 2 Min. 17.11.2014 Aus unserem online-Archiv
Rassismus oder nicht?

Vorweihnachtlicher Streit um den Schwarzen Piet

Eine Rassismus-Debatte beschäftigt derzeit die Niederländer. Zwar hat ein Gericht entschieden, dass der Schwarze Piet, der Begleiter des Nikolaus, bleiben darf. Doch tritt die traditionelle Figur nun vielerorts ohne schwarze Schminke im Gesicht auf.

(dpa) – Seit diesem Wochenende und noch bis zum 5. November feiern die Niederländer das Nikolaus-Fest. Am Samstag legte der sogenannte Sinterklaas in der Käsestadt Gouda mit einem Dampfschiff an. Wie jedes Jahr waren nicht nur Geschenke an Bord, sondern auch seine lustigen Helfer, die sogenannten Zwarten Pieten - schwarz angemalt wie immer.

Sie befinden sich im Zentrum einer Rassismusdebatte, die derzeit die Niederlande beherrscht. Erst am Mittwoch hatte der Staatsrat in Den Haag es für rechtens befunden, dass die schwarzen Figuren mit dem Nikolaus durch Städte und Dörfer ziehen dürfen.

Doch ruhig verlief die Ankunft des niederländischen Nikolaus zu seiner traditionellen vorweihnachtlichen Reise in Gouda trotz des Richterspruchs nicht: Mehr als 90 Demonstranten, die für Tumulte gesorgt hatten, wurden festgenommen.

„Zwarte Piet ist Rassismus“

Das Gerichtsurteil enttäuschte die Kläger. Sie erwägen nun, vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen. „Zwarte Piet ist Rassismus“, sagt Quinsy Gario. Der Künstler hatte im vergangenen Jahr die Proteste in Gang gesetzt. Für ihn und andere schwarze Niederländer aus den früheren Kolonien Surinam und den Antillen ist die Figur ein Symbol der grausamen Sklavenzeit und der alltäglichen Diskriminierung.

Dem stimmte auch ein UN-Menschenrechtsausschuss zu. Und im Juli befand das Amsterdamer Verwaltungsgericht: Zwarte Piet sei ein „negatives Stereotyp des schwarzen Menschen.“ Dieses Urteil aber hob das höchste Gericht des Landes nun auf.

Oder doch nur ein unschuldiges Kinderfest?

Für die meisten weißen Niederländer sind die Vorwürfe totaler Unsinn. Für sie sind die Pieten lustig, freundlich und bringen den Kindern am 5. Dezember die Geschenke. „Es ist Tradition und ein unschuldiges Kinderfest“, empört sich etwa die Pieten-Gilde, die selbst ernannte Lobby des Festes.

Doch das Fest hat längst seine Unschuld verloren. Die Pieten-Fundamentalisten schrecken vor nichts zurück: Wütende Leserbriefe, Boykottaufrufe gegen Geschäfte und sogar Todesdrohungen. Wer dem Piet an die Schminke will, muss sich auf etwas gefasst machen. Nun scheinen sie Erfolg zu haben. „Schwarze Piet bleibt schwarz“, titelte triumphierend die Boulevardzeitung De Telegraaf. Doch das ist voreilig.

Piet wird abgeschminkt

Trotz des Urteils stehen die Bewahrer der Tradition auf verlorenem Posten. Viele Niederländer wollen nämlich nur eins: Ein Ende von Zank und Streit. Promis wie Top-Model Doutzen Kroes und Ex-Fußballer Patrick Kluivert sind für ein „Piet-Makeover“. Und sogar die Sieger des Gerichtsverfahrens zeigten sich nach dem Urteil kompromissbereit: Die Tradition werde sich verändern, langsam aber sicher.

Und tatsächlich: Piet wird längst abgeschminkt. Supermärkte und Warenhäuser werben mit bunten oder weißen Pieten. Ein Discounter verkauft sogar schwarze Nikoläuse. Die Stadt Amsterdam, die nun von den Richtern recht bekommen hat, will den Helfern schwarze Ruß-Flecken aufs Gesicht schmieren. Dann weiß jedes Kind, dass sie nur schwarz sind, weil sie durch die Schornsteine in die Häuser klettern. Die Käsestadt Gouda präsentierte am Samstag auch einen goldgelben „Käse-Piet“ und einen braunkarierten „Waffel-Piet“.

Den "Schwarzen Peter" gab's in Gouda auch mit weißem Gesicht.
Den "Schwarzen Peter" gab's in Gouda auch mit weißem Gesicht.
AFP