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Völkermord in Namibia: Erste Anhörung in New York
International 17.03.2017 Aus unserem online-Archiv
Sammelklage gegen Deutschland

Völkermord in Namibia: Erste Anhörung in New York

Herero-Häuptling Vekuii Rukoro (M.) informiert die Presse über das Ziel der Sammelklage.
Sammelklage gegen Deutschland

Völkermord in Namibia: Erste Anhörung in New York

Herero-Häuptling Vekuii Rukoro (M.) informiert die Presse über das Ziel der Sammelklage.
AFP
International 17.03.2017 Aus unserem online-Archiv
Sammelklage gegen Deutschland

Völkermord in Namibia: Erste Anhörung in New York

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Die deutschen Verbrechen gegen die Herero und die Nama liegen über 100 Jahre zurück, jetzt wollen die afrikanischen Stämme gegen Deutschland auf Kompensation klagen. Ob das Erfolg hat, ist fraglich.

(KNA/dpa) - In New York haben Richter und Anwälte am Donnerstag über eine Sammelklage von Vertretern der Volksgruppen der Herero und Nama aus Namibia beraten. Die Klageführer, Herero-Chief Vekuii Rukoro und Nama-Chief David Frederick, wollen vor dem Bundesgericht in New York von Deutschland eine Entschädigung für Verbrechen während der Kolonialherrschaft im damaligen Deutsch-Südwestafrika erstreiten.

Zudem fordern sie, direkt in die Verhandlungen zwischen der deutschen und namibischen Regierung über die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit einbezogen zu werden. Wie die Deutsche Welle berichtet, diente die sogenannte Pre-Trial Conference dazu, Details eines möglichen Gerichtsverfahrens zu besprechen. Damit sei aber noch keine Entscheidung verbunden, ob es tatsächlich zu einem Verfahren komme. Mia Swart, Professorin für Internationales Recht an der Universität Johannesburg, sagte dem Sender, es sei möglich, aber "ziemlich unwahrscheinlich", dass das Gericht die Klage annehme.

Deutschland nahm nicht teil

Die etwa zehnminütige Anhörung erfolgte ohne einen Vertreter der deutschen Regierung. „Wir sind überrascht, dass Deutschland sich noch nicht hat blicken lassen“, sagte Anwalt Kenneth McCallion, der beide Stämme vertritt. Berlin habe aber angedeutet, den Streit um die Massaker in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika beilegen zu wollen. „Wir bitten lediglich um einen Platz am Tisch, um uns zu beteiligen“, sagte McCallion. Die Bundesregierung lehnt direkte Gespräche mit Vertretern der betroffenen Volksgruppen bisher ab.

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, die Gespräche mit Namibia verliefen „im gegenseitigen Vertrauen und konstruktiv“. Zum Verfahren in New York sei die Bundesregierung nicht geladen und werde dort auch nicht auftreten. Die nächste Anhörung ist für Mitte Juli geplant, könnte im Fall einer Teilnahme Deutschlands aber auch früher stattfinden.

Zehntausende Tote zwischen 1904 und 1908

Im Zentrum stehen die Ereignisse zwischen 1904 und 1908 in Deutsch-Südwestafrika. Damals töteten deutsche Truppen Zehntausende Herero und Nama. Dokumentiert ist der sogenannte Vernichtungsbefehl des damaligen Befehlshabers Lothar von Trotha (1848-1920). Am 2. Oktober 1904 kündigte von Trotha an, dass die Herero das Gebiet der Kolonie zu verlassen hätten. "Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen. Ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volk zurück oder lasse auf sie schießen."

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