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Vier Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft
International 15 2 Min. 29.08.2015 Aus unserem online-Archiv
Flüchtlingsdrama in Österreich

Vier Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft

International 15 2 Min. 29.08.2015 Aus unserem online-Archiv
Flüchtlingsdrama in Österreich

Vier Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft

Vier mutmaßliche Schlepper, die mit dem Tod von 71 Flüchtlingen in Österreich zu tun haben sollen, sind am Samstag in Ungarn in Untersuchungshaft gekommen. Derweil häuft sich in Österreich die Kritik an der "Kronen"-Zeitung, die ein Bild veröffentlichte, das die Leichen zeigt.

(dpa) - Zwei Tage nach dem grausigen Fund von 71 vermutlich erstickten Flüchtlingen in einem Lastwagen bei Wien hat Ungarn vier mutmaßliche Schlepper in Untersuchungshaft genommen.

Das Kreisgericht der südungarischen Stadt Kecskemet verhängte die U-Haft am Samstag gegen drei Bulgaren im Alter von 29, 30 und 50 Jahren sowie einen Afghanen im Alter von 28 Jahren, wie Gerichtspräsident Ferenc Biscskei auf einer Pressekonferenz erklärte. Die vier Männer waren schon am Donnerstag nahe der ungarischen Grenze zu Serbien festgenommen worden.

Bicskei widersprach der Darstellung des burgenländischen Landespolizeichefs Hans Peter Doskozil, wonach auch der Halter des Todes-LKWs unter den Verhafteten sei. Die vier Verdächtigen hätten über den LKW verfügt und ihn benutzt, aber keiner von ihnen sei der Halter gewesen, sagte Bisckei. Nähere Angaben wollte er unter Berufung auf die laufenden Ermittlungen nicht machen.

Die ungarische Staatsanwaltschaft wirft den vier Inhaftierten gewerbsmäßigen Menschenschmuggel und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vor. Das Kreisgericht gab dem Antrag auf Untersuchungshaft statt, weil es Flucht-, Verdunkelungs- und Wiederholungsgefahr gegeben sah. Die Verdächtigen legten Berufung gegen ihre Verhaftung ein. Sie bestritten die Anschuldigungen, erklärte Bicskei. 

Handys der Opfer werden ausgewertet

Die österreichischen Behörden hatten am Donnerstag an einer Autobahn 50 Kilometer südöstlich von Wien einen abgestellten 7,5-Tonner entdeckt. Darin fanden sich die Leichen von 59 Männern, 8 Frauen und vier Kindern. Nach bisherigen Erkenntnissen war der LKW am Mittwoch südlich von Budapest losgefahren.

Derzeit werden vor allem die Handys der 71 Toten ausgewertet, um deren Identität und Herkunft zu ermitteln, wie Doskozil sagte. Ausweisdokumente deuteten darauf hin, dass zumindest ein Teil der Menschen aus Syrien kam. Bei jedem einzelnen solle die genaue Todesursache und der Todeszeitpunkt bestimmt werden. Die Toten werden derzeit von der Gerichtsmedizin Wien untersucht. Dies könne einige Tage dauern, hieß es.

Zeitung wegen Schockfoto in der Kritik

Unterdessen löste die Veröffentlichung eines Fotos toter Flüchtlinge in dem Lastwagen in Österreich Dutzende Beschwerden beim Presserat aus. Die „Kronen Zeitung“ hatte zuvor ein unverpixeltes Bild zusammengedrängter Leichen im Laderaum veröffentlicht.

„Die Gesichter der Todesopfer sind nicht zu sehen, die Identität somit geschützt. Bei einer Tragödie dieses Ausmaßes muss eine entsprechende Bebilderung möglich sein“, sagte Multimedia-Chefredakteur Richard Schmitt der Tageszeitung „Der Standard“.

Beim österreichischen Innenministerium hieß es dazu, es solle geklärt werden, wie das Foto zustande kam. Die Staatsanwaltschaft sei eingeschaltet, sagte Landespolizeichef Doskozil dem ORF. Das Foto stamme wohl aus Polizeikreisen.

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A coffin is rolled onto a truck at a customs building with refrigeration facilities in the village of Nickelsdorf, Austria, August 28, 2015. A truck full of refugees discovered abandoned on an Austrian motorway on Thursday contains more than 70 bodies, the interior ministry said on Friday, announcing an updated death toll. REUTERS/Heinz-Peter Bader      TPX IMAGES OF THE DAY