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Vier Schüsse aus dem Jagdgewehr
International 1 3 Min. 01.02.2022 Aus unserem online-Archiv
Nach der Tat von Kusel

Vier Schüsse aus dem Jagdgewehr

Journalisten verfolgen die Pressekonferenz von Vertretern der Polizei und Justiz.
Nach der Tat von Kusel

Vier Schüsse aus dem Jagdgewehr

Journalisten verfolgen die Pressekonferenz von Vertretern der Polizei und Justiz.
Foto: Uwe Anspach/dpa
International 1 3 Min. 01.02.2022 Aus unserem online-Archiv
Nach der Tat von Kusel

Vier Schüsse aus dem Jagdgewehr

Zwei Männer stehen wegen tödlicher Schüsse auf Polizisten unter Mordverdacht. Zuvor sollen sie als Wilderer unterwegs gewesen sein und wurden womöglich zufällig entdeckt. Noch sind die Ermittlungen zu dem Fall aber nicht abgeschlossen.

(dpa/tom) – Im Fall der beiden erschossenen Polizisten in der Pfalz gehen die Ermittler davon aus, dass die mutmaßlichen Täter eine vorherige Wilderei verdecken wollten. Gegen die beiden 32 und 38 Jahre alten Verdächtigen erging Haftbefehl wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes, sie sind in Untersuchungshaft, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag auf einer Pressekonferenz mitteilten. Das Mordmerkmal der Vertuschung sei erfüllt. Die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der beiden Verdächtigen seien zudem instabil, so die Ermittler. Zusammen mit der Erwartung einer hohen Haftstrafe erfülle das den Haftgrund der Fluchtgefahr.

Am frühen Montagmorgen waren eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin und ein 29 Jahre alter Oberkommissar bei einer Verkehrskontrolle an einer Kreisstraße in der Pfalz in der Nähe der Kreisstadt Kusel erschossen worden. Die Beamten hatten nach Angaben aus Sicherheitskreisen zuvor per Funk gemeldet, in einem Fahrzeug sei totes Wild gefunden worden. Später setzte einer von ihnen einen Notruf ab, mit den Worten „Die schießen“. 

Weitere Polizeifahrzeuge hätten sich in einer Entfernung von etwa acht bis zehn Kilometern zum Tatort befunden, so Heiner Schmolzi vom Polizeipräsidium Westpfalz. Der Führerschein und Personalausweis des 38-Jährigen seien auf der Straße am Tatort gefunden worden. Am späten Nachmittag nahm die Polizei die beiden Männer im Saarland fest. 


dpatopbilder - 01.02.2022, Rheinland-Pfalz, Kaiserslautern: Polizisten bringen einen der Tatverdächtigen (im weißen Overall) nach dem Haftprüfungstermin am Landgericht Kaiserslautern aus dem Justizgebäude. Am Vortag wurden in der Nähe auf der Kreisstraße 22 eine Polizistin und ein Polizist bei der Durchführung einer Verkehrskontrolle erschossen. Foto: Harald Tittel/dpa - ACHTUNG: Angeklagter und Beamte wurden aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen gepixelt +++ dpa-Bildfunk +++
Nach Schüssen auf Polizisten Waffenarsenal sichergestellt
Der Tatverdächtige war wegen Wilderei beim Jagdverband bekannt. An seinem Wohnsitz fand die Polizei zahlreiche Schusswaffen.

Die beiden Tatverdächtigen sollen als Wilderer in die Polizeikontrolle geraten sein. Wie genau die Beamten auf die beiden aufmerksam wurden, ist unklar. In dem Laderaum ihres Kastenwagens hätten sich zahlreiche getötete Wildtiere befunden, sagte Oberstaatsanwalt Stefan Orthen. Die Wilderei sei Bestandteil des Haftbefehls. In einem schweren Fall, der hier aufgrund der Menge, der gemeinschaftlichen Begehung und der Uhrzeit mitten in der Nacht vorliege, liege der Strafrahmen bei bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe, so Orthen. 

Der 32 Jahre alte Tatverdächtige räumte nach Darstellung der Staatsanwaltschaft die Wilderei ein. Er habe auch die Polizeikontrolle geschildert. „Er hat aber bestritten, selbst geschossen zu haben“, sagte Orthen. Der 38-Jährige mache von seinem Schweigerecht Gebrauch.

Beide haben geschossen

Die Ermittler gehen nach jetzigem Stand allerdings davon aus, dass beide Verdächtige Schüsse abgegeben haben. Bei den Ermittlungen seien eine Schrotflinte und ein Jagdgewehr sichergestellt worden, die als Tatwaffe infrage kommen. Wer mit welcher Waffe geschossen habe, sei noch nicht geklärt. Bislang lägen keine Hinweise auf eine politisch motivierte Tat oder Verbindungen der Verdächtigen in die sogenannte Reichsbürgerszene vor.

Die 24 Jahre alte Polizistin wurde mit einem Schuss aus der Schrotflinte in den Kopf getötet. Der 29 Jahre alte Oberkommissar wurde nach Darstellung der Ermittler von vier Schüssen aus dem Jagdgewehr getroffen, davon einer in den Kopf. An dieser Darstellung des Oberstaatsanwalts fällt vor allem ein brutales Detail auf: Das Jagdgewehr sei ein sogenannter „Einlader“ gewesen, das nach jedem Schuss einzeln nachgeladen werden muss. „Man muss dazu sagen: Wer geübt ist, kann das recht schnell“, so Orthen. Dennoch gehe man aufgrund dieser Erkenntnisse davon aus, dass beide Männer geschossen haben müssen.


31.01.2022, Rheinland-Pfalz, Mayweilerhof: Ein Polizeiwagen steht an einer Absperrung an der Kreisstraße 22 rund einen Kilometer von dem Tatort entfernt, an dem zwei Polizeibeamte durch Schüsse getötet wurden. Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Zwei mutmaßliche Polizisten-Mörder festgenommen
Bei einer Verkehrskontrolle bei Kusel (D) fallen plötzlich Schüsse. Zwei Polizisten sterben; die mutmaßlichen Täter sind nun in Gewahrsam.

Der Polizeibeamte habe seinerseits sein komplettes Magazin, also 14 Patronen, auf die Täter geschossen. Nach bisherigen Erkenntnissen sei aber keiner der beiden Verdächtigen getroffen worden. Die 24-Jährige fast fertig ausgebildete Polizeianwärterin sei arglos gewesen, sie habe womöglich eine Taschenlampe und die Papiere in der Hand gehalten und nicht geschossen. „Ihre Waffe befand sich noch im Holster“, so Heiner Schmolzi vom Polizeipräsidium Westpfalz. 

Mindestens ein Schuss ihres Kollegen hat aber offensichtlich das Täterfahrzeug getroffen - die Polizei glich verschiedene Fahrzeuge, die der 38-Jährige in der Vergangenheit benutzt hatte, ab, fand schließlich eins davon mit Einschusslöchern vor dem Wohnhaus des 32-Jährigen in Sulzbach und griff „in einem günstigen Moment, als der 38-Jährige das Haus verließ“, zu. 

Die beiden Tatverdächtigen waren laut Staatsanwaltschaft nicht rechtskräftig vorbestraft. Der 38-Jährige sei der Polizei aber früher bereits wegen Jagdwilderei und Verkehrsunfallflucht aufgefallen, sagte Kriminaldirektor Frank Gautsche. Der 32-Jährige sei der Polizei wegen Betrugsdelikten bekannt.


Police block the access to the site where two police officers were shot dead in the early morning during a routine patrol in Kusel, Rhineland-Palatinate, western Germany on January 31, 2022. - Two German police officers were shot dead on January 31 after pulling over a car during a routine traffic stop, prompting police to launch a major manhunt. The shooting happened at around 4:20 am in the Kusel district of western Rhineland-Palatinate state during a routine patrol. A 24-year-old female police officer and her 29-year-old male colleague were killed. Police are still searching for the fugitive perpetrators. (Photo by Thomas Frey / dpa / AFP) / Germany OUT
Zwei Polizisten in Rheinland-Pfalz erschossen
Gegen 4.20 Uhr am Montagmorgen haben unbekannte Täter zwei Polizisten in der Nähe von Kusel (D) erschossen und sind seitdem flüchtig.

Die getötete Polizeianwärterin stand nach Angaben der Ermittler kurz vor dem Ende ihrer Ausbildungszeit. Sie habe alle Ausbildungs- und Trainingseinheiten absolviert - die Schicht in der Nacht zu Montag war ihr zweiter Dienst bei der Polizei in Kusel. Das Zivilfahrzeug, mit dem sie und ihr Kollege unterwegs gewesen seien, werde üblicherweise nicht für Verkehrskontrollen eingesetzt.  Man könne daher nur spekulieren, warum es zum Kontakt mit den mutmaßlichen Tätern kam. Möglicherweise hätten die Beamten das Täterfahrzeug stehend vorgefunden, so Schmolzi. 

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