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Vier katholische Kirchen in Kanada niedergebrannt
International 1 3 Min. 27.06.2021
Nach Gräberfunden

Vier katholische Kirchen in Kanada niedergebrannt

Lichter zum Gedenken an die Verstorbenen auf dem Gelände der Marieval Residential School in Saskatchewan. Nicht überall in Kanada verläuft die Trauer so friedlich.
Nach Gräberfunden

Vier katholische Kirchen in Kanada niedergebrannt

Lichter zum Gedenken an die Verstorbenen auf dem Gelände der Marieval Residential School in Saskatchewan. Nicht überall in Kanada verläuft die Trauer so friedlich.
Foto: AFP
International 1 3 Min. 27.06.2021
Nach Gräberfunden

Vier katholische Kirchen in Kanada niedergebrannt

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Die Brände ereigneten sich seit dem Auffinden von Gräbern indigener Kinder. Die Kirchen standen in Reservaten. Die Polizei ermittelt.

(mit KNA) - In der kanadischen Provinz British Columbia sind am Samstag zwei katholische Kirchen in Indigenen-Reservaten abgebrannt. Die Behörden stufen die Brände der St. Ann's Church in Hedley im Reservat Lower Similkameen und der Church of our Lady of Lourdes in Chopaka in Upper Similkameen als verdächtig ein. Beide Brände ereigneten sich innerhalb von einer Stunde, so die kanadische Bundespolizei. 

Die Kirchen liegen etwa drei Autostunden von Kamloops entfernt, wo Ende Mai die sterblichen Überreste von 215 Kindern unter der ehemaligen Kamloops Residential School entdeckt wurden. Bereits am 21. Juni hatten in den nahegelegenen Gemeinden Penticton und Oliver zwei Kirchen gebrannt. Die Polizei prüft einen Zusammenhang. 

Am Donnerstag hatte die indigene Gemeinde der Cowessess in der Provinz Saskatchewan bekanntgegeben, dass auf dem Gelände einer weiteren Residential School in Marieval, Saskatchewan, 751 anonyme Gräber entdeckt worden seien.  

„Kultureller Genozid“ oder „Genozid“?

Die Funde haben das Trauma von etwa 150.000 Kindern der First Nations, Métis und Inuit wieder aufleben lassen, die bis in die 1990er-Jahre von ihren Familien, ihrer Sprache und Kultur abgeschnitten und in 139 Internatsschulen im ganzen Land gezwungen wurden.


27.05.2021, Kanada, Kamloops: Die ehemalige Kamloops Indian Residential School. Überreste von 215 Kindern kanadischer Ureinwohner sind auf einem Grundstück einer sogenannten Residential School in Kanada entdeckt worden. Sie seien bei Radar-Untersuchungen des Grundstücks in der Nähe der Stadt Kamloops im Westen Kanadas gefunden worden. Foto: Andrew Snucins/The Canadian Press via ZUMA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Überreste von 215 Kindern unter kanadischer Schule entdeckt
Es waren Kinder kanadischer Ureinwohner, die zwischen 1890 und 1969 in die Kamloops Residential School, eine Art Internat, gezwungen wurden.

Viele von ihnen wurden psychisch und körperlich misshandelt oder sexuell missbraucht. Laut dem Abschlussbericht der „Truth and Reconciliation Commission“ starben mindestens 4.000 Kinder. Diese Zahl dürfte aber im Licht der jüngsten Forschungsergebnisse um einiges zu niedrig liegen. Die Kommission nannte das Ergebnis einen „kulturellen Genozid“, den der Staat Kanada zusammen mit den Kirchen begangen habe. Kritische Stimmen bemängeln die Wortwahl: Der Zusatz „kulturell“ sei eine Einschränkung, die der Dimension nicht gerecht werde. 

Trudeau fordert Entschuldigung vom Papst

Kanadas Premierminister Justin Trudeau hat Papst Franziskus zu einer Entschuldigung aufgefordert und damit die Forderung von Cadmus Delorme, dem Chief der Cowessess, vom Donnerstag verstärkt. Delorme hatte in einer Pressekonferenz gesagt, eine Entschuldigung aus dem Vatikan sei der erste notwendige Schritt hin zu einer Aufarbeitung. 

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Trudeau sagte, er habe bei einem Gespräch mit Papst Franziskus die Notwendigkeit dazu nochmals betont. Der Papst solle „indigene Kanadier auf kanadischem Boden um Verzeihung bitten“. Es ist nicht das erste Mal, dass Trudeau Franziskus darauf anspricht, bereits 2017 stand das Thema bei einem Besuch Trudeaus im Vatikan auf der Tagesordnung. 

Die kanadische Regierung unter Trudeaus Vorgänger Stephen Harper hatte sich 2008 bei der indigenen Bevölkerung für die Verbrechen der Vergangenheit im Zusammenhang mit dem System der Residential Schools entschuldigt. Die Debatte ist durch die jüngsten Funde von zusammen knapp 1.000 toten Menschen bzw. deren Gräbern erneut angefacht worden.   


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