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Nato feiert „neues Kapitel“ nach Trump-Jahren
International 4 Min. 14.06.2021
Viel Show mit Biden

Nato feiert „neues Kapitel“ nach Trump-Jahren

Am Rande des Gipfels fand eine Unterredung zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dem US-Präsidenten Joe Biden statt.
Viel Show mit Biden

Nato feiert „neues Kapitel“ nach Trump-Jahren

Am Rande des Gipfels fand eine Unterredung zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dem US-Präsidenten Joe Biden statt.
Foto: AFP
International 4 Min. 14.06.2021
Viel Show mit Biden

Nato feiert „neues Kapitel“ nach Trump-Jahren

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Austrittsdrohungen, Alleingänge und verbale Angriffe auf Bündnispartner: Für die Nato waren die vergangenen vier Jahre eine Schreckenszeit.

(dpa) - Wie nie jemand zuvor weckte US-Präsident Donald Trump Zweifel daran, ob das 1949 gegründete transatlantische Verteidigungsbündnis eine Zukunft hat. Ohne Rücksicht auf die Folgen stellte er beispielsweise infrage, ob die USA im Ernstfall ihrer Verpflichtung zum militärischen Beistand nachkommen würden. Für ein Bündnis, das auf Abschreckung durch kollektive Verteidigung setzt, ein Super-Gau.

"Die Vereinigten Staaten sind da", mit dieser Aussage begeisterte Joe Biden Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.
"Die Vereinigten Staaten sind da", mit dieser Aussage begeisterte Joe Biden Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.
Foto: AFP

Beim ersten Gipfel mit Trumps Nachfolger Joe Biden sollte am Montag nun gezeigt werde, dass all das nur eine kurze unglückselige Periode in der mittlerweile mehr als 70-jährigen Bündnisgeschichte war. „Ich will ganz Europa wissen lassen, dass die Vereinigten Staaten da sind“, kündigte ein strahlender Biden in der Nato-Zentrale in Brüssel an. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg jubilierte, man schlage nun „ein neues Kapitel in den transatlantischen Beziehungen“ auf.

Bedrohung aus Moskau und Peking

Beide Botschaften richteten sich vor allem an die Adresse von Russland und China. Diese beiden Länder stellen neben dem internationalen Terrorismus aus Nato-Sicht derzeit die größte Bedrohung für die Sicherheit im Euro-atlantischen Raum dar.


US President Joe Biden speaks on racial equity before signing executive orders in the State Dining Room of the White House in Washington, DC on January 26, 2021. (Photo by MANDEL NGAN / AFP)
Biden bekennt sich zur Nato
Biden hat seine Absicht kundgetan, sich mit den Verbündeten über gemeinsame Anliegen zu beraten und mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Stoltenberg sagte nach dem Gipfel, die Staats- und Regierungschefs seien sich einig gewesen, dass die „transatlantische Familie“ zusammenstehen müsse - ganz besonders in einer Zeit, „in der autoritäre Regime wie Russland und China die auf Regeln basierende internationale Ordnung herausfordern“. Die Bündnispartner hätten die Beratungen mit Biden vor dessen Gipfel mit Kremlchef Wladimir Putin am Mittwoch in Genf begrüßt. „Unser Verhältnis zu Russland ist auf dem tiefsten Punkt seit dem Kalten Krieg, und Moskaus aggressive Handlungen sind eine Bedrohung für unsere Sicherheit.“

Streitigkeiten hinter den Kulissen

Auch wenn Stoltenberg die Geschlossenheit der mittlerweile 30 Nato-Staaten betont: Weiterhin gibt es zahlreiche Streitigkeiten hinter den Kulissen und neue Alleingänge von Bündnispartnern. Biden unterstreicht zwar seit seinem Amtsantritt den Zusammenhalt mit den Verbündeten. Dass er im Zweifelsfall aber auch alleine und gegen eindringliche Warnungen von Bündnispartnern entscheidet, hat er im Fall des Afghanistan-Einsatzes bewiesen.

Im April verkündete Biden den bedingungslosen Abzug der US-Soldaten bis spätestens zum 11. September - wissend, dass das auch das Ende des Nato-Einsatzes in Afghanistan bedeuten würde. 

Blick in den Plenarsaal in Brüssel.
Blick in den Plenarsaal in Brüssel.
Foto: AFP

Sorgenkind Türkei

Ein Sorgenkind der Nato bleibt die Türkei. Biden kam am Rande des Nato-Gipfels mit Präsident Recep Tayyip Erdogan zusammen. Hinter verschlossenen Türen sollte dabei auch um das russische S-400-Raketenabwehrsystem gehen, das Erdogan trotz vehementer Proteste der USA und der Nato beschafft hat. Aus Sicht Washingtons gefährdet der Einsatz des Systems die Sicherheit von US-Soldaten und von amerikanischer Militärtechnologie. Noch unter Trump schlossen die USA die Türkei wegen des Rüstungsdeals mit Moskau aus dem F-35-Kampfjet-Programm aus und verhängten Sanktionen.

Bidens Nationaler Sicherheitsberater Jake Sullivan sprach vor dem bilateralen Gespräch diplomatisch von „Herausforderungen in unserem Verhältnis, einschließlich Fragen der Menschenrechte“. Noch als Kandidat hatte Biden einen härteren Kurs gegenüber Erdogan angekündigt. In einem Interview der „New York Times“ nannte Biden den türkischen Präsidenten damals einen „Autokraten“, der einen Preis für sein Verhalten zahlen werde.


US President Joe Biden speaks from the Treaty Room in the White House on  April 14, 2021 in Washington, DC, about the withdrawal of the remainder of US troops from Afghanistan. - President Joe Biden announced Wednesday it's "time to end" America's longest war with the unconditional withdrawal of troops from Afghanistan, where they have spent two decades in a bloody, largely fruitless battle against the Taliban. (Photo by Andrew Harnik / POOL / AFP)
Biden will Truppenabzug aus Afghanistan bis zum 11. September
US-Präsident Biden will den Militäreinsatz in Afghanistan nach fast 20 Jahren beenden. Er kündigt einen Abzug zu einem symbolischen Datum an.

Nicht nur die Türkei, auch Nato-Mitgliedstaaten wie Polen und Ungarn sind mit schweren Vorwürfen hinsichtlich der Einhaltung gemeinsamer Werte wie der Rechtsstaatlichkeit konfrontiert. Das Bündnis muss sich deshalb fragen, wie es von anderen Staaten die Einhaltung von Werten verlangen kann.

Problemfall China

Das spielt gerade auch im Umgang mit China eine bedeutende Rolle. Gegenüber der Volksrepublik wird das Militärbündnis auf Druck der USA hin künftig einen deutlich härteren Kurs einschlagen. „Der wachsende Einfluss Chinas und seine internationale Politik können Herausforderungen bergen, die wir als Bündnis gemeinsam angehen müssen“, heißt es in der Abschlusserklärung. Erstmals wird das Land auch von der Nato geschlossen aufgerufen, seine „internationalen Verpflichtungen einzuhalten“ und der „Rolle als Großmacht“ gerecht zu werden.

Viele europäische Bündnispartner sehen die verstärkte Konzentration des Militärbündnisses auf die Volksrepublik skeptisch - auch weil sie fürchten, dass dadurch die wichtigen wirtschaftlichen Beziehungen zu dem riesigen Land gefährdet werden könnten. 

Am Ende wollte allerdings niemand ein Veto gegen eine deutliche Verschärfung des Kurses gegen China einlegen. Als Land, das jährlich immer noch mehr als doppelt so viel Geld für Verteidigung ausgibt wie alle anderen Bündnispartner zusammen, haben die Vereinigten Staaten in der Nato in der Regel das letzte Wort.

Für die meisten Bündnispartner dürfte allerdings gelten, dass sie erleichtert sind, dass das letzte Wort künftig nicht mehr von Trump kommt. 

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