Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Video soll Abschuss von Passagiermaschine zeigen
International 2 6 Min. 09.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Video soll Abschuss von Passagiermaschine zeigen

Ein Teil des Flugzeugrumpfs liegt an der Absturzstelle in Shahedshahr im Iran.

Video soll Abschuss von Passagiermaschine zeigen

Ein Teil des Flugzeugrumpfs liegt an der Absturzstelle in Shahedshahr im Iran.
Foto: Aref Fathi/dpa
International 2 6 Min. 09.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Video soll Abschuss von Passagiermaschine zeigen

Noch sind die Untersuchungen zum Absturz der ukrainischen Passagiermaschine im Iran nicht abgeschlossen. Da legt sich Teheran zur Ursache fest. USA und Kanada berichten jedoch Gegenteiliges – und auch die Ukraine zweifelt.

(dpa/jt) - Der Absturz einer ukrainischen Passagiermaschine im Iran, der mehr als 170 Menschen das Leben kostete, soll von einer iranischen Flugabwehrrakete verursacht worden sein. Das meldete die US-Zeitschrift "Newsweek" am Donnerstag auf ihrer Website. Das Magazin beruft sich auf Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums und des irakischen Geheimdiensts.

Eine ähnliche Meldung fand sich auch bei CBS News: Die USA würden davon ausgehen, dass der Iran den Passagierjet versehentlich abgeschossen hat. US-Satelliten sollen kurz vor der Explosion des Passagierjets Signale von zwei Boden-Luft-Raketen registriert haben.

Die Regierungen in Kanada und Großbritannien haben nach eigenen Angaben ebenfalls Hinweise auf einen versehentlichen Raketenbeschuss. Immer mehr Staaten bieten dem Iran Unterstützung bei der Klärung der Absturzursache an oder fordern eine Beteiligung ein.

Der "Guardian" veröffentlichte indes ein Video, das zeigen soll, wie das Flugzeug von einer Boden-Luft-Rakete getroffen wird.  

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Trudeau spricht von Abschuss

Auch die kanadische Regierung geht von einem Abschuss durch den Iran aus. „Wir haben Geheimdienstinformationen von mehreren Quellen von unseren Alliierten und eigene Informationen. Diese Informationen deuten darauf hin, dass das Flugzeug von einer iranischen Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde“, sagte Ministerpräsident Justin Trudeau am Donnerstag in einer TV-Ansprache. Dies könne durchaus versehentlich geschehen sein.  

US-Präsident Donald Trump hatte zuvor erklärt, er habe in Zusammenhang mit dem Crash den Verdacht, "dass jemand einen Fehler gemacht" habe.   

Großbritannien: Berichte "sehr besorgniserregend"

Laut "Newsweek" soll die Maschine der Ukraine International Airlines irrtümlich von einem Boden-Luft-Raketensystem des russischen Typs "Tor M1" getroffen worden sein. Irans Flugabwehr sei wahrscheinlich aktiviert gewesen, als es zum Absturz kam, so die Zeitschrift. Grund sei die Tötung des Garden-Kommandeurs Kassem Soleimani gewesen. Der Iran hatte in der Nacht zu Mittwoch Vergeltungsschläge für den Tod des Top-Generals verübt und US-Militärstützpunkte im Irak mit Raketen angegriffen. 

Der britische Premierminister Boris Johnson sprach einer Mitteilung von Donnerstagabend zufolge von einem „Korpus an Informationen“, der auf einen Abschuss durch eine iranische Rakete hinweise. „Wir arbeiten eng mit Kanada und unseren internationalen Partnern zusammen und es bedarf einer vollständigen und transparenten Untersuchung“, so Johnson.

Iran sieht technisches Problem als Ursache

Der Iran wies indes Spekulationen über einen Abschuss des Flugzeugs zurück. Die Behörden bekräftigten am Donnerstag erneut, dass eine technische Ursache zu der Katastrophe geführt habe. „Wegen eines technischen Defekts hat die Maschine Feuer gefangen und dies führte zum Absturz“, sagte Verkehrs- und Transportminister Mohammed Eslami der Nachrichtenagentur Isna. Die Ukraine schloss hingegen einen Raketenangriff oder einen Terroranschlag als Ursache nicht aus.


US-Präsident Trump schilet bereits mit einem Auge auf die bevorstehenden Wahlen- ein möglicher Faktor für eine Eskaltion im Nahen Osten
Kriegsgefahr im Nahen Osten: Damoklesschwert
Obwohl US-Präsident Trump am Mittwoch eher versöhnliche Töne anschlug, droht im Nahen Osten weiterhin eine unkalkulierbare Eskalation.

Die Behörden im Iran hatten bereits kurz nach dem Absturz am Mittwoch von einem technischen Defekt gesprochen, ohne aber zu erklären, worauf sie sich dabei beriefen. Irans Präsident Hassan Ruhani forderte vom Verkehrsministerium und der Luftfahrtbehörde eine lückenlose Aufklärung. Eslami sagte, die Spekulationen über einen „verdächtigen“ Absturz und die Gerüchte über einen Abschuss der Boeing 737 oder über eine Terroroperation seien falsch.

Im Fokus der Untersuchungen steht die Frage, weshalb die Maschine der Ukraine International Airlines kurz nach dem Start auf ein offenes Feld nahe dem Teheraner Vorort Parand stürzte. Kiew schickte eigene Experten in den Iran. Das US-Außenministerium forderte eine „umfassende Zusammenarbeit“ bei der Untersuchung zur Absturzursache.

Die Ermittler wollen nun den kurzen Flug von Teheran in die ukrainische Hauptstadt Kiew rekonstruieren. In einem am Donnerstag veröffentlichten vorläufigen Bericht der iranischen Luftfahrtbehörde heißt es, die Maschine habe versucht, zurück zum Flughafen zu fliegen. Augenzeugen hätten berichtet, die Maschine habe gebrannt. Als sie am Boden aufschlug, sei sie explodiert - wohl weil das Flugzeug große Mengen Kerosin getankt hatte.

Blackboxen beschädigt

Die Experten erhoffen sich mehr Informationen durch die Auswertung der beiden Blackboxen mit den Flugdaten. Die Boxen enthalten die Flugdatenschreiber und einen Stimmenrekorder mit Aufnahmen der Gespräche im Cockpit. Diese sollten nach gründlichen Untersuchungen an die Ukraine übergeben werden, kündigte die Luftfahrtbehörde an. Die Geräte seien aber beschädigt worden. Kurz vor dem Absturz habe auch kein Funkkontakt mehr zu den Piloten bestanden.


TOPSHOT - An Iraqi student holds a placard that reads in Arabic: "If you don't worry about your country, then you're a burden on it.. my loyalty is to Iraq", during ongoing anti-government demonstrations in the southern city of Basra on January 8, 2020, shouting slogans against turning Iraq into a battleground for the conflict between Iran and the US. - For three months, youth-dominated rallies in the capital and Shiite-majority south have condemned Iraq's ruling class as corrupt, inept and beholden to Iran. (Photo by Hussein FALEH / AFP)
Iran feiert Vergeltung
Mit am Ende „harmlosen“ Angriffen auf US-Basen im Irak bleibt Iran seiner Strategie der kalkulierten Eskalation treu. Gleichzeitig demonstriert das Regime die von der Bevölkerung erwartete Stärke nach dem Tod von General Soleimani.

Kiew zieht momentan vier Versionen in Betracht: Alexej Danilow vom ukrainischen Sicherheitsrat schrieb auf Facebook, es sei möglich, dass die Maschine von einer Rakete des russischen Typs „Tor“ getroffen worden sei. Deshalb seien Experten an der Untersuchung beteiligt, die bereits 2014 beim Abschuss des malaysischen Fluges MH17 durch eine Flugabwehrrakete über der Ostukraine ermittelt hätten. Geprüft werden auch ein Zusammenstoß mit einem Flugobjekt wie etwa einer Drohne, ein Triebwerksschaden und ein Terroranschlag.

Der Absturz der Maschine geschah in einer politisch aufgeheizte Zeit im Nahen Osten. Der Konflikt des Iran mit den USA hatte sich zuletzt zugespitzt. US-Präsident Donald Trump schlug am Mittwochabend aber moderatere Töne an: Er kündigte zwar neue Wirtschaftssanktionen gegen den Iran an, aber keine Militärschläge.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Die Ukrainer gedachten am Donnerstag der 176 Todesopfer. 82 der Opfer stammen aus dem Iran, 63 aus Kanada und elf aus der Ukraine, schrieb "Newsweek". Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rief einen Tag der Trauer aus. Die Fahnen wehten auf halbmast. In den Fernsehprogrammen und im Radio sollte auf Unterhaltungsformate verzichtet werden. Am Kiewer Flughafen Boryspil legten viele Menschen Blumen nieder. Dort hätte die Maschine eigentlich am Mittwochmorgen gegen 8.00 Uhr Ortszeit landen sollen.

Iranische Doktorandin aus Mainz unter Opfern  

Inzwischen steht fest, dass bei dem Unglück auch vier Menschen aus Deutschland ums Leben kamen. Eines der Opfer ist eine im Iran geborene Doktorandin aus Mainz. Man trauere um eine 29 Jahre alte Kollegin, die "bei einem tragischen Zwischenfall in der Nähe ihrer Heimatstadt Teheran verstorben ist", erklärte das Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung auf seiner Homepage am Freitag. Die Frau habe die iranische Staatsangehörigkeit gehabt, sagte ein Institutssprecher.

Der Name der Doktorandin steht auch auf der Passagierliste des betroffenen Fluges, den die ukrainische Fluglinie UIA veröffentlicht hat. Zuvor hatten die "Bild"-Zeitung und die "Allgemeine Zeitung" über das Thema berichtet.

Nach Angaben des MPI studierte die 29-Jährige Chemie und arbeitete am Institut in einer der experimentellen Gruppen. Gewohnt habe sie in der Region Mainz. Die 29-Jährige habe ihren privaten Weihnachtsurlaub bei ihrer Familie im Iran verbracht, währenddessen habe sie keine beruflichen Kontakte zum MPI gehabt. Ob sie in der Zeit Kontakt zu Freunden und Bekannten gehabt habe, sei nicht bekannt.  

Bei den weiteren Absturzopfern, die in Deutschland gelebt hatten, handelt es sich um eine 30 Jahre alte anerkannte Asylbewerberin aus Afghanistan und ihre Tochter (8) sowie ihren Sohn (5). Sie hatten seit mehreren Jahren in Werl bei Soest in Nordrhein-Westfalen gelebt, wie der Bürgermeister der Stadt, Michael Grossmann (CDU), der Deutschen Presse-Agentur sagte.  


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Inmitten der militärischen Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran stürzt nahe Teheran ein Passagierflugzeug ab. Ob ein Zusammenhang besteht, ist zunächst unklar. Alle Insassen wurden getötet.
TOPSHOT - EDITORS NOTE: Graphic content / Rescue teams recover debris from a field after a Ukrainian plane carrying 176 passengers crashed near Imam Khomeini airport in the Iranian capital Tehran early in the morning on January 8, 2020, killing everyone on board. - The Boeing 737 had left Tehran's international airport bound for Kiev, semi-official news agency ISNA said, adding that 10 ambulances were sent to the crash site. (Photo by - / AFP)