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Vermisstenfall Orlandi: Knochenfund auf Vatikan-Friedhof
International 6 15.07.2019

Vermisstenfall Orlandi: Knochenfund auf Vatikan-Friedhof

Um wenige Kriminalfälle ranken sich so viele Spekulationen wie um den Fall Emanuela Orlandi.

Vermisstenfall Orlandi: Knochenfund auf Vatikan-Friedhof

Um wenige Kriminalfälle ranken sich so viele Spekulationen wie um den Fall Emanuela Orlandi.
Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
International 6 15.07.2019

Vermisstenfall Orlandi: Knochenfund auf Vatikan-Friedhof

Kaum ein Kriminalfall beschäftigt den Vatikan so lange wie dieser: Die Tochter eines päpstlichen Dieners verschwindet spurlos. Nun wurden mehrere Gräber auf einem deutschen Friedhof in Rom geöffnet.

(dpa/SC) - Auf der Suche nach den Überresten eines verschwundenen Mädchens auf dem deutschen Friedhof im Vatikan sind bisher unbekannte Räume zur Aufbewahrung von Gebeinen entdeckt worden. Diese sogenannten Beinhäuser und das dortige Knochenmaterial seien sichergestellt worden, erklärte Vatikansprecher Alessandro Gisotti am Samstag. Es solle am kommenden Samstag untersucht werden.

Am Donnerstag hatte der Vatikan zwei Gräber der adeligen Frauen Sophie von Hohenlohe, gestorben 1836, und Herzogin Charlotte Friederike zu Mecklenburg, gestorben 1840, öffnen lassen. Darin sollten sich womöglich die Überreste des Mädchens Emanuela Orlandi befinden. Die damals 15-jährige Emanuela war 1983 vom Besuch einer Musikschule in Rom nicht zurückgekehrt. Ihr Vater war Hofdiener von Papst Johannes Paul II.


This photo taken and handout on July 11, 2019 by the Vatican Media shows two tombs within the Vatican's grounds in the Teutonic Cemetery on July 11, 2019, prior to their opening as part of a probe into the case of Emanuela Orlandi, a teenager who disappeared in 1983 in one of Italy's darkest mysteries. - The Vatican is opening an internal probe into the case of Emanuela Orlandi, a teenager who disappeared in 1983 in one of Italy's darkest mysteries, and opened on July 11, 2019 two tombs within its grounds in the Teutonic Cemetery to see if it holds the girl's remains, after Orlandi's family's lawyer received an anonymous tip-off telling her to look inside the marble-topped grave. (Photo by Handout / VATICAN MEDIA / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / VATICAN MEDIA" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS ---
Vatikan: Neue Erkenntnisse im Vermisstenfall Orlandi
Im Vermisstenfall um die vor 36 Jahren verschwundene Emanuela Orlandi wurden am Donnerstag zwei Gräber geöffnet, um möglicherweise menschliche Überreste zu finden.

Allerdings stellte sich zur Überraschung aller Beteiligten heraus, dass die beiden Adels-Gräber komplett leer waren. Pietro Orlandi, Emanuelas Bruder, zeigte sich nach der Entdeckung zunächst erleichtert. "Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn man die Überreste von Emanuela gefunden hätte", sagte er. Aber alle seien sehr "verwundert" gewesen, dass die Gräber leer gewesen seien. Auf dem kleinen Friedhof hinter Vatikanmauern liegen vor allem Adelige und Geistliche aus dem deutsch- und flämischsprachigen Raum.

Pietro Orlandi, der Bruder der vermissten Emanuela Orlandi, hält auf dem Petersplatz seiner auf mysteriöse Weise verschwundenen Schwester in den Händen. Er versucht seit Jahren herauszufinden, was seiner Schwester damals zugestoßen ist. (Foto von 2012)
Pietro Orlandi, der Bruder der vermissten Emanuela Orlandi, hält auf dem Petersplatz seiner auf mysteriöse Weise verschwundenen Schwester in den Händen. Er versucht seit Jahren herauszufinden, was seiner Schwester damals zugestoßen ist. (Foto von 2012)
Foto: Serena Cremaschi Insidefoto/Ansa

Die jetzt entdeckten Beinhäuser seien mit einer Falltür verschlossen gewesen und auf dem Gebiet des deutschen Päpstlichen Priesterkollegs entdeckt worden, so der Vatikan. Dieses Kolleg ist Teil des deutschen Pilgerfriedhofs, dem Campo Stanto Teutonico.

Um den Fall Orlandi ranken sich seit Jahren Gerüchte und Verschwörungstheorien. Einmal sollte Emanuela Opfer Krimineller geworden sein, die den Papst-Attentäter Ali Agca freipressen wollten. Dann wieder hieß es, Emanuela sei von Vatikandiplomaten entführt und auf Sexpartys ausgebeutet worden.

Auf dem kleinen Friedhof Campo Stanto Teutonico hinter den Mauern des Vatikans liegen vor allem Adelige und Geistliche aus dem deutsch- und flämischsprachigen Raum.
Auf dem kleinen Friedhof Campo Stanto Teutonico hinter den Mauern des Vatikans liegen vor allem Adelige und Geistliche aus dem deutsch- und flämischsprachigen Raum.
Foto: AFP

Auch die römische Unterwelt kam ins Spiel. Auf der Suche nach Spuren wurde sogar das Grab des Mafiabosses Enrico De Pedis in der Kirche Sant'Apollinare in Rom geöffnet. Ergebnislos. Im Herbst letzten Jahres wurden dann Knochen bei einer vatikanischen Botschaft in Rom entdeckt und untersucht. Wieder Fehlanzeige. Sie stammten nicht von Emanuela, sondern aus der Antike. 

Zuletzt sollte ein Hinweis bei der Familie eingegangen sein, in einem Grab mit einer Engelsstatue zu suchen - das Hohenlohe-Grab.


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 / AFP PHOTO / PAUL FAITH