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Vermisste Schülerin: Neue Suche nach Emanuela Orlandi im Vatikan
International 19.07.2019

Vermisste Schülerin: Neue Suche nach Emanuela Orlandi im Vatikan

Pietro Orlandi (l.), Bruder der 1983 verschwundenen Emanuela Orlandi, spricht gemeinsam mit seiner Anwältin Laura Sgro (r.) mit Medienvertretern.

Vermisste Schülerin: Neue Suche nach Emanuela Orlandi im Vatikan

Pietro Orlandi (l.), Bruder der 1983 verschwundenen Emanuela Orlandi, spricht gemeinsam mit seiner Anwältin Laura Sgro (r.) mit Medienvertretern.
Foto: Andrea Panegrossi/LaPresse via Z
International 19.07.2019

Vermisste Schülerin: Neue Suche nach Emanuela Orlandi im Vatikan

Gerichtsmediziner untersuchen zwei Gräber im Vatikan, um Hinweise zu finden, was mit Emanuela Orlandi geschah. Doch die Gräber sind leer. Am Samstag geht die Suche weiter. Der Bruder des vermissten Mädchens will Klarheit.

(KNA) - Die Suche nach der vor 36 Jahren verschwundenen Schülerin Emanuela Orlandi im Vatikan geht weiter. Am Samstag sollen im deutschen Priesterkolleg Campo Santo Teutonico zwei unterirdische Räume mit zweitbestatteten Gebeinen untersucht werden. Zuvor hatten nach mehreren Hinweisen ein vom Vatikan bestellter Gerichtsmediziner und ein Sachverständiger der Familie Orlandi zwei Gräber deutscher Prinzessinnen auf dem angrenzenden Friedhof geöffnet, diese aber leer gefunden. 


ARCHIV - 19.04.2012, Vatikan, Vatikanstadt: Aufwändig gestaltete Gräber befinden sich auf dem deutschen Friedhof. Um wenige Kriminalfälle ranken sich so viele Spekulationen wie um den Fall Emanuela Orlandi. Die Tochter eines Vatikan-Dieners verschwand vor mehr als 30 Jahren in Rom. Der Kirchenstaat lässt nun zwei Gräber öffnen. (zu dpa-Korr "Sucht, wohin der Engel schaut» - Graböffnung soll Vatikan-Krimi lösen") Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Vermisstenfall Orlandi: Knochenfund auf Vatikan-Friedhof
Kaum ein Kriminalfall beschäftigt den Vatikan so lange wie dieser: Die Tochter eines päpstlichen Dieners verschwindet spurlos. Nun wurden mehrere Gräber auf einem deutschen Friedhof in Rom geöffnet.

Nach internen Recherchen des Vatikan könnten die sterblichen Überreste von Sophie von Hohenlohe (1758-1836) und Charlotte Friederike zu Mecklenburg (1784-1840) in den 1960er- oder 1970er-Jahren im Zuge einer Erweiterung des Priesterkollegs umgebettet worden sein. Offenkundig wurden die betreffenden Familien aber seinerzeit nicht darüber benachrichtigt. 

"Merkwürdige Umstände"

Pietro Orlandi, der Bruder Emanuelas, der die Nachforschungen durchgesetzt hatte, nannte diesen Umstand "merkwürdig" und "nicht nachvollziehbar". Wie Orlandi der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Freitag weiter sagte, stammen die Hinweise auf das Grab Sophies von Hohenlohe und das danebenliegende Grab der Herzogin zu Mecklenburg von einem namentlich bekannten Informanten aus dem Vatikan. Dieser habe "mit Nachdruck" mögliche Entdeckungen angedeutet. Dabei sei unklar, welchen Zweck der Hinweisgeber eigentlich verfolge. Orlandi schloss nicht aus, nur als Werkzeug für ein vatikaninternes Spiel benutzt zu werden. 


This photo taken and handout on July 11, 2019 by the Vatican Media shows two tombs within the Vatican's grounds in the Teutonic Cemetery on July 11, 2019, prior to their opening as part of a probe into the case of Emanuela Orlandi, a teenager who disappeared in 1983 in one of Italy's darkest mysteries. - The Vatican is opening an internal probe into the case of Emanuela Orlandi, a teenager who disappeared in 1983 in one of Italy's darkest mysteries, and opened on July 11, 2019 two tombs within its grounds in the Teutonic Cemetery to see if it holds the girl's remains, after Orlandi's family's lawyer received an anonymous tip-off telling her to look inside the marble-topped grave. (Photo by Handout / VATICAN MEDIA / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / VATICAN MEDIA" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS ---
Vatikan: Neue Erkenntnisse im Vermisstenfall Orlandi
Im Vermisstenfall um die vor 36 Jahren verschwundene Emanuela Orlandi wurden am Donnerstag zwei Gräber geöffnet, um möglicherweise menschliche Überreste zu finden.

Ungewiss ist für Orlandi auch, was sich unter den beiden Abdeckungen der Gebeinkammern im Priesterkolleg verbirgt. Er wisse nicht, ob es nur einzelne Skelette oder die Überreste Dutzender oder Hunderter Toter seien. Die Aufgabe werde zunächst darin bestehen, eine erste Altersbestimmung vorzunehmen. Wenn sich Anzeichen fänden, dass es sich um Gebeine seiner Schwester handeln könnte, werde man einen DNA-Vergleich vornehmen. 


(FILES) This file photo taken on June 09, 2014 shows schoolchildren arrive at a shrine in Tuam, County Galway on June 9, 2014, erected in memory of up to 800 children who were allegedly buried at the site of the former home for unmarried mothers run by nuns. 
"Significant quantities" of baby remains have been discovered in an apparent makeshift crypt at the site of a former Catholic home for unmarried mothers in Ireland, an official commission said on March 3, 2017. The find in the town of Tuam in western Ireland came during extensive excavations by the Commission on Mother and Baby Homes, which was set up following the first claims in 2014 of possible child burials at the site.
 / AFP PHOTO / PAUL FAITH
Suche nach 800 Kinderleichen im irischen Tuam genehmigt
Knapp 800 Kinder sollen zwischen 1925 und 1961 in einem von der katholischen Kirche betriebenen Heim gestorben und namenlos wie Abfall verscharrt worden sein. Nach ihnen gefragt hat bis 2014 niemand. Jetzt beginnen Ausgrabungen.

Das Verschwinden Emanuela Orlandis ist einer der bekanntesten ungelösten Kriminalfälle der jüngeren italienischen Geschichte. Die damals 15-jährige Tochter eines Vatikanangestellten war am 22. Juni 1983 vom Musikunterricht nicht nach Hause zurückgekehrt. Spekuliert wurde über einen Versuch, die Freilassung des Papst-Attentäters Ali Agca zu erzwingen, über eine Erpressung der Vatikanbank durch eine römische Mafia-Organisation oder vatikanische Sex- und Drogenparties, deren Opfer Emanuela geworden sei.


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ARCHIV - 26.05.2012, Vatikan, Vatikanstadt: Pietro Orlandi, der Bruder der vermissten Emanuela Orlandi, hält auf dem Petersplatz seiner auf mysteriöse Weise verschwundenen Schwester in den Händen. Um wenige Kriminalfälle ranken sich so viele Spekulationen wie um den Fall Emanuela Orlandi. Die Tochter eines Vatikan-Dieners verschwand vor mehr als 30 Jahren in Rom. Der Kirchenstaat lässt nun zwei Gräber öffnen. Auf einem deutschen Friedhof. (zu dpa-Korr "Sucht, wohin der Engel schaut» - Graböffnung soll Vatikan-Krimi lösen") Foto: Serena Cremaschi Insidefoto/Ansa/epa/dpa +++ dpa-Bildfunk +++