Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Verhandlungen kurz vor Abschluss
International 3 Min. 12.12.2015 Aus unserem online-Archiv
COP21

Verhandlungen kurz vor Abschluss

Gegen 11.30 Uhr soll der fertige Vertragstext vorgelegt werden.
COP21

Verhandlungen kurz vor Abschluss

Gegen 11.30 Uhr soll der fertige Vertragstext vorgelegt werden.
Foto: AFP
International 3 Min. 12.12.2015 Aus unserem online-Archiv
COP21

Verhandlungen kurz vor Abschluss

Die französischen Gastgeber haben den Vertragsentwurf zum Weltklima am Samstagvormittag vorgelegt. Am Nachmittag soll das Abkommen endgültig verabschiedet werden.

(dpa) - Entscheidende Stunden auf der Pariser Klimakonferenz: Nach schwierigen Verhandlungen hat der französische Außenminister und Konferenzleiter Laurent Fabius am Samstagvormittag seinen Vorschlag für einen Weltklimavertrag präsentiert. Der neue Textentwurf soll die verbliebenen Streitpunkte überbrücken und noch an dem Tag den 196 Vertragspartnern vorgelegt werden. Es wäre der erste Vertrag, mit dem sich nahezu alle Staaten auf Klimaschutz verpflichten.

Wie die französische AFP meldete, wurde der Entwurf in der Nacht fertigstellt. Die Nachrichtenagentur berief sich auf Eingeweihte in der Konferenzleitung. Präsentiert werden soll der Vorschlag demnach um 11.30 Uhr. Ursprünglich war dafür 9.00 Uhr geplant. Die Übersetzung des Entwurfs machte dem Bericht zufolge aber die Verschiebung nötig.

Am Freitag waren beträchtliche Spannungen deutlich geworden. Eine selbst ernannte Koalition der Ehrgeizigen aus EU, USA und zahlreichen Entwicklungsländern warnte davor, bei den Bestimmungen zum Klimaschutz hinter dem letzten Textentwurf zurückzubleiben. Umstritten ist nach wie vor die Frage der Finanzhilfen für Entwicklungsländer. EU und USA wollen hier künftig auch finanzstarke Schwellenländer zur Kasse bitten, diese lehnen das ab.

Kompromisse müssen geschmiedet werden

„Wir werden uns nicht mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner begnügen“, kündigte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks an. Fabius warnte die Teilnehmer davor, zu hoch zu pokern: „Wenn jeder auf seinen 100 Prozent besteht, dann gehen alle mit null Prozent nach Hause.“

Wegen anhaltender Differenzen hatte Gastgeber Frankreich die Konferenz um einen Tag verlängert. In fieberhaften Gesprächen im kleinen Kreis suchten Minister und Unterhändler nach Kompromissen bei den umstrittenen Kernpunkten. Auch Staatschefs schalteten sich ein.

Hoffnung schöpften Umweltschützer aus der Ankündigung, dass Brasilien sich der informellen Allianz für einen ehrgeizigen Klimavertrag anschloss. Christoph Bals von Germanwatch sah ein Anzeichen, dass sich Schwellen- und Industrieländer aufeinander zu bewegen. „Es zeichnet sich ab, dass Brasilien, Südafrika und Mexiko eine wichtige Brückenrolle für das Abkommen spielen können.

Kritik von Umweltschützern

Umweltschützer fürchten allerdings, dass die Detailregelungen nicht ausreichen, um die Erderwärmung wie geplant auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Mit den bisher vorgelegten nationalen Klimaschutzplänen würde die Temperatur auf der Erde um etwa 2,7 Grad steigen. Indien sieht die alle fünf Jahre geplanten Nachbesserungen der Ziele mit Skepsis und sieht zunächst die Industriestaaten in der Pflicht, die historisch viel mehr CO2-Emissionen in die Atmosphäre gepustet haben.

„Die entwickelten Länder wehren sich etwas gegen die Pflicht, Geld an die Entwicklungsländer zu zahlen“, sagte der Umweltminister von Guatemala, Andreas Cord Lehnhoff Temme, der Deutschen Presse-Agentur. Ein Knackpunkt sei die Frage, ob die Hilfen freiwillig oder verpflichtend werden sollten. Christoph Bals von Germanwatch betonte: „Um den gordischen Knoten aufzulösen, müssen sie sich zu regelmäßigen Finanzierungsrunden alle fünf Jahre verpflichten und eine klare Zusage geben, dass ein erheblicher Anteil der Klimafinanzierung für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels vorgesehen ist.“

Bis zu 15 000 Demonstranten in Paris erwartet

Zum Abschluss des Weltklimagipfels erwartet die französische Polizei an diesem Samstag bis zu 15 000 Demonstranten in Paris. Gegen Ausschreitungen werde man konsequent vorgehen, zitierte die französische Nachrichtenagentur AFP den Präfekten von Paris Michel Cadot. Die Kundgebungen, zu denen mehrere Umweltschutzorganisationen aufgerufen haben, sollten an drei verschiedenen Orten stattfinden.

Die größte Demonstration wurde nachmittags vor dem Eiffelturm erwartet. Rund 2000 Sicherheitskräfte waren mobilisiert.

Man wolle den Umweltschutzorganisationen die Möglichkeit geben, ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen, sagte der Präfekt laut AFP. Nach der Attentatsserie in der französischen Metropole am 13. November herrschte landesweit zunächst Demonstrationsverbot. 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die UNO-Klimakonferenz in Paris wird bis Samstag verlängert. Das teilte die französische Konferenzpräsidentschaft am Freitagmorgen mit.
Der Eisbär ist zum Symbol des Klimawandels geworden.
COP21&Co: endlos und zermürbend
UN-Konferenzen sind endlos und zermürbend. Aber das muss so sein. Warum ziehen sich Klimakonferenzen immer endlos hin, warum sind sie so nervtötend und ineffizient in Überlänge? Ganz einfach ...
"Barack Obama,  Xi Jinping und François Hollande": gezeichnet vom zweiwöchigen Klimamarathon.
Cédric Metz vertritt den Mouvement écologique bei der Klimakonferenz COP21 in Paris. Der 27-jährige erlebt das Feilschen um Kohlendioxidmengen und Ausgleichszahlungen hautnah.
Cédric Metz vetritt den Mouvement écologique bei der Klimakonferenz in Paris.
Bremsmanöver bei der COP21
Die Minister sind da, die Verhandlungen gehen richtig los. Von wegen: Es herrscht die große Entschleunigung: Weil traditionell ein paar Länder blockieren, stecken alle anderen fest. Das liegt an den Interessen der Staaten.
Viel Verhandlungsgeschick verlangt: Der französische Außenminister Laurent Fabius leitet die COP21.