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Verdächtiger soll mehrere Anläufe zu Lübcke-Mord gemacht haben
International 3 2 Min. 08.07.2019

Verdächtiger soll mehrere Anläufe zu Lübcke-Mord gemacht haben

Stephan E., Tatverdächtiger im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, wird von einem Hubschrauber zum Bundesgerichtshof (BGH) zu einem Ermittlungsrichter gebracht.

Verdächtiger soll mehrere Anläufe zu Lübcke-Mord gemacht haben

Stephan E., Tatverdächtiger im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, wird von einem Hubschrauber zum Bundesgerichtshof (BGH) zu einem Ermittlungsrichter gebracht.
Foto: Uli Deck/dpa
International 3 2 Min. 08.07.2019

Verdächtiger soll mehrere Anläufe zu Lübcke-Mord gemacht haben

Auch wenn er seine Aussage widerrufen hat - Ermittler zweifeln nicht an dem umfangreichen Geständnis des Verdächtigen Stephan E. Nun werden Details daraus öffentlich.

(dpa) - Der Hauptverdächtige im Mordfall Lübcke hat laut seinem inzwischen zurückgezogenen Geständnis schon 2017 und 2018 je einen Anlauf zu der Tat unternommen. Mindestens zweimal sei Stephan E. bewaffnet zum Haus des Kasseler Regierungspräsidenten gefahren, dann aber wieder umgekehrt, hieß es am Montag aus Ermittlerkreisen in Deutschland. Hinterher sei er froh gewesen, Walter Lübcke nicht getötet zu haben, schrieben "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR am Sonntagabend.


02.07.2019, Baden-Württemberg, Karlsruhe: Stephan E., Tatverdächtiger im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, wird nach einem Haftprüfungstermin beim Bundesgerichtshof (BGH) zu einem Hubschrauber gebracht. Foto: Uli Deck/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Mordfall Lübcke: Verdächtiger revidiert Geständnis
Vor weniger als einer Woche gestand der Verdächtige im Mordfall Lübcke - nun hat Stephan E. laut Medienberichten sein Geständnis revidiert.

Der Rechercheverbund hatte zuerst über die Details aus dem Geständnis berichtet. Demnach will E. sich seine Schusswaffen ab 2014 besorgt haben, um seine Familie vor angeblich überhandnehmender Kriminalität von Ausländern zu schützen. Der Plan, Lübcke zu töten, sei dann nach und nach gereift. Dabei hätten auch islamistische Anschläge eine Rolle gespielt, die E. aufgewühlt und beschäftigt hätten. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe kommentierte den Bericht nicht.

Absperrband mit der Aufschrift "Polizeiabsperrung" ist vor dem Haus des verstorbenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) zu sehen.
Absperrband mit der Aufschrift "Polizeiabsperrung" ist vor dem Haus des verstorbenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) zu sehen.
Foto: Swen Pförtner/dpa

Lübcke war Anfang Juni auf seiner Terrasse mit einem Kopfschuss getötet worden. DNA-Spuren am Tatort führten zu E., der seit Mitte Juni in Untersuchungshaft sitzt. Die Ermittler gehen von einem rechtsextremen Hintergrund der Tat aus. Deshalb führt inzwischen der Generalbundesanwalt die Ermittlungen.


Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) wurde am 2. Juni 2019 erschossen.
Stephan E. gesteht Mord an CDU-Politiker Lübcke
Der Tatverdächtige im Fall Lübcke sagt, er habe alleine den Entschluss gefasst, den Regierungspräsidenten zu töten. Innenpolitiker fragen sich, ob das stimmt, oder ob er womöglich Komplizen schützen will.

Der 45-jährige E. hatte zunächst zugegeben, Lübcke getötet zu haben - in einem achtstündigen Gespräch mit den Ermittlern, wie es in dem Medienbericht heißt. Bei einem Termin beim Haftrichter des deutschen Bundesgerichtshofs widerrief er dieses Geständnis später.

Für die Ermittler ändert das nichts am dringenden Tatverdacht. Sie gehen nach Informationen aus Justizkreisen davon aus, dass das Geständnis in einem Prozess gegen E. problemlos verwertbar wäre. Dieser habe in seiner ursprünglichen Aussage Täterwissen offenbart. An seiner Täterschaft bestünden deshalb keine Zweifel.

E. hatte den Ermittlern sein Waffenversteck verraten und auch die Namen zweier Männer genannt, über die er 2016 an die spätere Tatwaffe gekommen sei. Elmar J. und Markus H. wird deshalb Beihilfe zum Mord vorgeworfen, sie sitzen ebenfalls in U-Haft.


03.06.2019, Hessen, Wolfhagen: Absperrband mit der Aufschrift "Polizeiabsperrung" ist vor dem Haus des verstorbenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) zu sehen. Lübcke ist in der Nacht zum Sonntag unerwartet im Alter von 65 Jahren gestorben. Foto: Swen Pförtner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Getöteter CDU-Politiker: Sanitäter soll Tatort verändert haben
Laut "Spiegel" könnten am Tatort im Falle Lübcke Spuren verwischt worden sein.

Nach Erkenntnissen der Ermittler kreuzten sich Lübckes und E.'s Wege 2015 auf einer Informationsveranstaltung zu einer geplanten Flüchtlingsunterkunft. Dort hatte sich der Politiker gegen Schmährufe gewehrt und in einer anschließenden Rede gesagt, wer gewisse Werte nicht teile, könne das Land verlassen. Laut "SZ", NDR und WDR hat E. eingeräumt, einer der lautesten Zwischenrufer ("Ich glaub's nicht" - "Verschwinde!") zu sein, die auf einem Handyvideo zu hören sind.

Der vorbestrafte Rechtsextremist habe sich eigentlich aus der Szene lösen und ein normales Leben mit Familie und Job führen wollen, heißt es weiter in dem Bericht über das anfängliche Geständnis.

Stephan E. gab in seinem inzwischen revidierten Geständnis zu, Lübcke wortlos getötet zu haben.
Stephan E. gab in seinem inzwischen revidierten Geständnis zu, Lübcke wortlos getötet zu haben.
Foto: Uwe Zucchi/dpa

Die sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Kölner Silvesternacht 2015/16 und der islamistische Anschlag in Nizza mit mehr als 80 Toten 2016 hätten ihn aber "ungeheuer aufgewühlt". Das alles habe er auf Lübcke projiziert und ihm die Mitschuld an einer aus den Fugen geratenen Welt gegeben. E. habe lange geschwankt und gezögert - bis im Dezember 2018 zwei skandinavische Touristinnen in Marokko von Islamisten getötet wurden. Das habe den letzten Ausschlag gegeben.

Die drei Medien zitierten weiter aus dem Geständnis, E. habe Lübcke wortlos getötet. Inzwischen tue es ihm "unendlich leid", niemand solle für seine Worte sterben müssen. Dem Bericht zufolge klagt E. über Depressionen, er sei in der Untersuchungshaft auf die Krankenabteilung verlegt worden. In einem Gerichtsverfahren vor mehr als 20 Jahren sei ihm schon einmal eine psychische Erkrankung diagnostiziert worden, hieß es.


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