Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Venezuela: Öl-Sanktionen und Spekulationen über US-Militäreinsatz
International 3 Min. 29.01.2019

Venezuela: Öl-Sanktionen und Spekulationen über US-Militäreinsatz

Venezuela: Öl-Sanktionen und Spekulationen über US-Militäreinsatz

Foto: AFP
International 3 Min. 29.01.2019

Venezuela: Öl-Sanktionen und Spekulationen über US-Militäreinsatz

Die Einnahmen aus dem Ölexport sind das Einzige, was das völlig heruntergewirtschaftete Land noch am Leben erhält. Im Machtkampf zwischen Venezuelas Regierung und Opposition wollen die USA dem von ihnen gestützten Interimspräsidenten die Kasse aushändigen.

(dpa) - Die USA treffen die venezolanische Regierung von Präsident Nicolás Maduro nun dort, wo es richtig wehtut: Sie nehmen den wichtigen Ölsektor des südamerikanischen Landes ins Visier. Die Sanktionen richten sich gegen den staatlichen Ölkonzern PDVSA, wie US-Finanzminister Steven Mnuchin am Montag in Washington ankündigte. Öl aus Venezuela dürfe zwar unter dem Sanktionsregime weiterhin eingekauft werden, die Zahlungen müssten jedoch auf Sperrkonten fließen.

Die Regelungen sollen auch gewährleisten, dass US-Raffinerien, die direkt von Öllieferungen aus Venezuela abhängen, weiter betrieben werden können. Auch Citgo, die US-Tochter von PDVSA soll weiter Geschäfte machen dürfen, solange entsprechende Zahlungen auf Sperrkonten erfolgen und nicht der von den USA nicht mehr anerkannten sozialistischen Regierung unter Maduro zufließen.


This ilustration shows Venezuelan Bolivar banknotes and a US one-dollar bill in Caracas on January 28, 2019. - Venezuela devalued its currency by almost 35 percent on Monday to bring it into line with the exchange rate of the dollar on the black market. The exchange rate is now fixed at 3,200 bolivars to the dollar, almost matching the 3,118.62 offered on the dolartoday.com site that acts as the reference for the black market. (Photo by YURI CORTEZ / AFP)
USA erlassen Sanktionen gegen Venezuela
Die USA gehen mit Sanktionen gegen den wichtigen Ölsektor Venezuelas vor. Vorerst müssen Zahlungen von Öl auf Sperrkonten getätigt werden.

In dem südamerikanischen Land tobt ein Machtkampf zwischen der Regierung und der Opposition. Der von den USA unterstützte Parlamentschef Juan Guaidó hat sich zum Übergangspräsidenten erklärt und will Staatschef Maduro aus dem Amt drängen.

Mit den neuen Sanktionen könnte Washington einerseits Maduro den Geldhahn zudrehen und andererseits Guaidó Zugang zu den Öleinnahmen verschaffen. „Ab diesem Moment übernehmen wir die Vermögenswerte unserer Republik im Ausland“, teilte Guaidó am Montag mit. Außerdem kündigte er an, ein neues Management für PDVSA und Citgo zu ernennen.

Der Zugriff auf die Öleinnahmen würde Guaidó als Interimspräsident handlungsfähig machen und ihm zusätzliche Legitimation bei den Venezolanern verschaffen. Obwohl er international erheblichen Rückhalt genießt, hat er bislang im Land selbst keine echte Machtposition.

Präsident Maduro hingegen will seine wichtigste Einnahmequelle nicht kampflos aufgeben. Venezuela werde seinen Anspruch auf die PDVSA-Tochter Citgo vor Gerichten in den Vereinigten Staaten verteidigen, kündigte Maduro am Montag an. Trotz der Spannungen sind die USA weiterhin der größte Importeur von Erdöl aus Venezuela. Mehr als 40 Prozent des Rohöls aus dem südamerikanischen Land werden in die Vereinigten Staaten exportiert.


Handout picture released by the Venezuelan presidency showing Venezuela's President Nicolas Maduro (C) speaking to a commander during military exercises at the Naval Base Agustin Armario in Puerto Cabello, Carabobo State, Venezuela, on January 27, 2019. - Maduro on Sunday rejected a European ultimatum that he call elections as opposition rival Juan Guaido stepped up appeals to the military to turn against the leftist government. (Photo by HO / Venezuelan Presidency / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / VENEZUELAN PRESIDENCY" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS
Venezuela: Maduro und Guaidó buhlen um Unterstützung des Militärs
Die Kontrolle über die Streitkräfte gilt als der Schlüssel zur Macht in Venezuela. Der selbst ernannte Interimspräsident Guaidó will die Soldaten auf seine Seite ziehen.

Der Ölsektor ist das Rückgrat der Volkswirtschaft in Venezuela. In dem Land lagern die größten Ölreserven der Welt. Die Volkswirtschaft hängt zu rund 90 Prozent von den Einnahmen aus dem Öl ab. Allerdings sei die staatliche Ölgesellschaft PDVSA seit Langem ein Vehikel für Korruption, sagte Mnuchin.

Die USA, selbst einer der größten Ölproduzenten der Welt, haben damit nach dem Iran das zweite große Ölland mit Sanktionen überzogen. Einen Rohstoffengpass befürchtete Mnuchin nicht. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass es genug Ausstoß gibt, sodass wir kurzfristig keine großen Auswirkungen spüren werden“, sagte Mnuchin.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Venezuela zwischen Hoffnung und Sorge
Der Machtkampf zwischen dem jungen Herausforderer und dem erfahrenen Machthaber hält den südamerikanischen Krisenstaat in Atem. Die einen träumen vom Aufbruch, die anderen fürchten den großen Knall.
26.01.2019, Venezuela, Caracas: Zahlreiche Demonstranten heben die Hand zur Unterstützung des selbst ernannten Interimspräsidenten Guaido bei einer Kundgebung der Opposition in der venezolanischen Hauptstadt. Guaido, der mit seiner Selbsternennung Staatschef Maduro offen herausgefordert hat und gleich von mehreren Regierungen als Interimspräsidenten anerkannt wurde, kündigte für die kommenden Tage einen Aktionsplan an. Foto: Rafael Hernandez/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Land mit zwei Präsidenten: Wohin steuert Venezuela?
Im Land mit den größten Ölreserven der Welt hat es schon lange gebrodelt - jetzt kämpfen Opposition und Regierung mit offenem Visier. Ein junger Parlamentarier will die Macht an sich reißen, Präsident Maduro schwört erbitterten Widerstand.
Auf Twitter hat Venezuela aktuell zwei Präsidenten.