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Vatikanvertreter widersprechen Prognose über Finanzkollaps
International 2 Min. 22.10.2019

Vatikanvertreter widersprechen Prognose über Finanzkollaps

Vatikanvertreter widersprechen Prognose über Finanzkollaps

Foto: Teddy Jaans / LW-Archiv
International 2 Min. 22.10.2019

Vatikanvertreter widersprechen Prognose über Finanzkollaps

Der Vatikan reagiert auf ein Skandalbuch, das dem Kirchenstaat drohende Insolvenz unterstellt. An den Vorwürfen sei kaum etwas dran, heißt es.

(KNA) - Auf jüngste Berichte über einen angeblich bevorstehenden Finanzkollaps und Vorwürfe von Missmanagement im Vatikan haben am Dienstag zwei hochrangige Kurienvertreter reagiert.

Sowohl der honduranische Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, Koordinator des Kardinalsrates "K6", als auch der Leiter der vatikanischen Güterverwaltung APSA, Bischof Nunzio Galantino, dementierten, dass ein Finanzkollaps bevorstehe.

Solche Berichte seien vielmehr ein Angriff auf das Pontifikat von Papst Franziskus überhaupt, so Maradiaga in der Zeitung "La Repubblica" (Dienstag). Er wies damit vor allem Aussagen des italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi zurück, der in einem neuen Buch den Vatikan als kurz vor dem Ruin stehend beschreibt.


Pope Francis celebrates the Canonization Mass during the Canonization Mass for English John Henry Newman, Italian Giuseppina Vannini, Indian Maria Teresa Chiramel Mankidiyan, Brazilian Dulce Lopes Pontes, and Swiss Margarita Bays on October 13, 2019 In Saint Peter's square at the Vatican. (Photo by Alberto PIZZOLI / AFP)
Neues Buch: Vatikan in finanzieller Not - „Heiliger Crash“
Trotz seines beträchtlichen Vermögens an Immobilien schreibt der Vatikan offenbar rote Zahlen, wie der Journalist Gianluigi Nuzzi in einem neuen Buch enthüllt.

Maradiaga ist Koordinator des Kardinalsrates, der Franziskus bei der Kurienreform berät. Maradiaga sagte, er wisse nichts davon, dass Mittel aus der weltweiten "Peterspfennig"-Kollekte für Finanzgeschäfte benutzt worden seien.

Zur jüngsten vatikanischen Razzia im Staatssekretariat, bei der es vor allem um einen verlustreichen Immobiliendeal in London gehen soll, sagte er: "Das Staatssekretariat hat verschiedene Finanzquellen, nicht nur jene für karitative Aufgaben des Papstes." Letztere sollten nach Franziskus' Willen allein für wohltätige Zwecke verwendet werden.

Auch Bischof Galantino als Leiter der Vatikanischen Güterverwaltung widersprach Thesen zu einer angeblich bevorstehenden Insolvenz. Die finanzielle Lage des Heiligen Stuhls wie auch des Vatikanstaates gleiche der "in jeder Familie oder in vielen Staaten".

Derzeit unterziehe der Vatikan seine Bilanzen einer Ausgabenprüfung, so Galantino, ohne Zahlen zu nennen.

Die Besonderheiten der vatikanischen Finanzpolitik

Anders als Staaten habe der Vatikan weder Steuereinnahmen noch ein öffentliches Defizit. Seine Einnahmen stammten alle aus Spenden von Gläubigen, Zuwendungen von Bistümern, Anlagerenditen in mehreren Ländern, Eintrittsgeldern der Vatikanischen Museen und Mieteinnahmen.

Laut Galantino besitzt die Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls 2.400 Wohnungen, hauptsächlich in Rom und Castel Gandolfo, außerdem 600 Geschäfte und Büros. Aus jenen, die als Dienstwohnungen oder Kurien-Büros dienen, erziele man wenig oder keine Mieteinnahmen.

So seien rund 60 Prozent der Wohnungen an Vatikanangestellte zu einem reduzierten Mietzins vermietet. Wenn große Unternehmen "diese Art Sozialwohnungen" anbieten, spreche man von "verdienstvollem Umgang mit Angestellten". "Wenn der Vatikan solches tut, heißt es, wir seien inkompetent", so Galantino.

Gefragt nach konkreten Zahlen seiner eigenen Behörde sagte APSA-Chef Galantino, die Minus-Bilanz seiner Behörde für 2018 beruhe allein auf einer außerordentlichen Zuwendung. Mit dieser habe man ein Krankenhaus und damit verbundene Arbeitsplätze retten wollen. Abgesehen davon habe die ordentliche Verwaltung der APSA 2018 mit einem Gewinn von über 22 Millionen Euro abgeschlossen.

Der Mailänder Wirtschaftshistoriker Giulio Sapelli hingegen sieht allein Misswirtschaft als Grund für die roten Zahlen des Vatikans. "Dafür gibt es nur einen Grund: Sie werden von Finanz-Zwergen gemanagt", sagte Sapelli der Zeitung "Repubblica".


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