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Vatikan stoppt Pfarreienreform im Bistum Trier
International 3 Min. 22.11.2019

Vatikan stoppt Pfarreienreform im Bistum Trier

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat vom Vatikan einen Dämpfer verpasst bekommen.

Vatikan stoppt Pfarreienreform im Bistum Trier

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat vom Vatikan einen Dämpfer verpasst bekommen.
AFP
International 3 Min. 22.11.2019

Vatikan stoppt Pfarreienreform im Bistum Trier

Michael MERTEN
Michael MERTEN
Es war ein ehrgeiziges Vorhaben: Aus fast 900 kleinen Pfarreien wollte der Trierer Bischof Stephan Ackermann 35 Großpfarreien machen. Doch kurz vor dem Start hat der Vatikan nun die erste Umsetzungsphase ausgesetzt. Wie geht es weiter?

(KNA/mer) - Dämpfer aus Rom für den reformfreudigen Trierer Bischof Stephan Ackermann: Der Vatikan hat die geplante Bildung von Großpfarreien im Nachbarbistum vorerst gestoppt. Am Donnerstagabend wurde ein entsprechendes Schreiben von Kardinal Beniamino Stella, dem Leiter der Römischen Kleruskongregation, öffentlich.

Darin heißt es, dass „die geplante Reform erhebliche Konsequenzen für das kirchliche Leben haben“ werde. Aus Rücksicht auf die Gläubigen, deren Heil der Seelen keinen Schaden leiden“, werde die Bildung von Großpfarreien ausgesetzt. Ackermann hatte gegen erhebliche Widerstände unter Gläubigen und Priestern angeordnet, dass zum 1. Januar die ersten 15 neuen Großpfarreien im Bistum starten sollen.

Ob die Zusammenlegung nach der Prüfung genehmigt oder verboten wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Als erste Konsequenz aus dem römischen Entscheid wurden die bereits für diesen Sonntag geplanten Wahlen für die Laiengremien einiger Großpfarreien abgesetzt.

Für sein Bistum Trier hatte Ackermann ein „Gesetz zur Umsetzung der Ergebnisse der Diözesansynode 2013-2016“ erlassen, dessen Text nun vom Vatikan ausführlich geprüft werden soll. Anlass für die Prüfung war die Beschwerde einer Priestergemeinschaft aus dem Bistum bei der Kleruskongregation.


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Zudem waren in Rom Beschwerden von katholischen Laien aus dem Bistum eingegangen. Sie forderten eine Prüfung, ob das Gesetz mit dem universalen Kirchenrecht übereinstimmt. Diese Bedenken hatte der Vatikan als „legitim“ anerkannt.

Ackermann kündigte an, nun Stellung zu der Beschwerde zu nehmen. Von 2013 bis 2016 tagte die Trierer Bistumssynode aus Laien und Priestern, die sich für neue Strukturen und inhaltliche Schwerpunkte von Seelsorge und religiösem Leben aussprach. Von Anfang an umstritten war der Plan, die bisher 887 kleinen Pfarreien, die bereits 172 Gemeinschaften bilden, zu 35 Großpfarreien zusammenzulegen. 

Kritik von Laieninitiative: "Die Reform spaltet das Bistum"

Die Entscheidung aus Rom wurde vom obersten Laiengremium des Bistums Trier, dem Katholikenrat, scharf kritisiert. Kritiker frohlocken hingegen - allen voran die Initiative "Kirchengemeinde vor Ort" des Bistums Trier. Dies ist ein auch von vielen Priestern unterstützter Zusammenschluss von Laien aus allen Regionen der Diözese. "Diese Strukturreform spaltet das Bistum, die Priesterschaft, zahlreiche einzelne Gemeinden und letztlich uns Katholiken", heißt es auf deren Homepage.

"Wir sind überglücklich, dass unsere Argumente in Rom offenbar auf fruchtbaren Boden gefallen sind", sagte der Sprecher der Initiative, Harald Cronauer, dem Luxemburger Wort. Der in seiner Pfarrei engagierte Gläubige sollte nach den Plänen des Bistums Trier ab Januar zur Großpfarrei Saarbrücken gehören. Das wäre ein Zusammenschluss aus 29 bisherigen Pfarreien in der Landeshauptstadt und ihrem Umland mit rund 99.000 Gläubigen und 201 Quadratkilometern Fläche. Cronauer betont:

Wir hoffen sehr, dass der Bischof jetzt bereit ist, mit allen nach einer Lösung zu suchen, die Frieden stiftet.


IPO , Beschofshaus , Palais Episcopal , PK Ernennung neuer Weihbischof und neuer Generalvikar , Leon Wagener , neuer Weihbischof , Erzbischof Jean Claude Hollerich , Generalvikar Patrick Muller , Foto: Guy Jallay/Luxemburger Wort
Ein Führungstrio für das Erzbistum
Wie Kardinal, Weihbischof und Generalvikar die Luxemburger Kirche zusammen leiten wollen.

Vor rund einem Jahr, am 30. November 2018, hatten sich Vertreter der Initiative mit einer Delegation des Luxemburgischen Syndikats der Kirchenfabriken (Syfel) getroffen, die den Reformen des Erzbistums Luxemburg ähnlich kritisch gegenüberstehen.

Ein Wendepunkt für die katholische Kirche in Luxemburg war das Jahr 2017: Damals wurde eine der größten Strukturreformen in der knapp 150-jährigen Geschichte des Bistums umgesetzt. Pünktlich zum Beginn der Oktave wurden  Anfang Mai letzten Jahres die vielen kleinen Pfarreien in 33 größeren Pfarreien zusammengefasst.

In Luxemburg gab es keine grundsätzliche Opposition gegen einen neuen pfarrlichen Zuschnitt. Doch beim Syfel und in vielen Pfarreien gab es massive Widerstände gegen die Reform der lokalen kirchlichen Eigentums- und Finanzverhältnisse. Das hinterließ Wunden. "Es waren ohne Zweifel harte Jahre für unsere Diözese, auch für die Bistumsleitung", zog Erzbischof Hollerich in einem Hirtenbrief Bilanz.


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