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Vatikan: Neue Erkenntnisse im Vermisstenfall Orlandi
International 9 11.07.2019

Vatikan: Neue Erkenntnisse im Vermisstenfall Orlandi

Forensiker öffnen eines der zwei Gräber,  um neue Hinweise im Fall der vermissten Emanuela zu finden.

Vatikan: Neue Erkenntnisse im Vermisstenfall Orlandi

Forensiker öffnen eines der zwei Gräber, um neue Hinweise im Fall der vermissten Emanuela zu finden.
Foto: AFP
International 9 11.07.2019

Vatikan: Neue Erkenntnisse im Vermisstenfall Orlandi

Im Vermisstenfall um die vor 36 Jahren verschwundene Emanuela Orlandi wurden am Donnerstag zwei Gräber geöffnet, um möglicherweise menschliche Überreste zu finden.

(mv/dpa) Vor 36 Jahren verschwand die 15-jährige Tochter eines Hofdieners des Vatikans spurlos. Bis heute ist der Fall  Emanuela Orlandi  nicht aufgeklärt und führt zu immer neuen  Verschwörungstheorien. Jede noch so absurde Erklärungsmöglichkeit wird in Betracht gezogen:  Sie sei Opfer von Kriminellen geworden, die den Papst-Attentäter Ali Agca freipressen wollten, oder sie sei auf Sexpartys von Vatikan-Diplomaten ausgebeutet worden, hieß es beispielsweise.

Nun gibt es neue Erkenntnisse. Am Donnerstag wurden zwei Gräber  geöffnet, die sich auf dem Pilgerfriedhof hinter den Vatikan-Mauern befinden, allerdings auf italienischem Staatsgebiet liegen.

Die Familie Orlandi soll einen Tipp bekommen haben. Daraufhin hatte man sich entschieden, ein Grab zu öffnen, auf dem ein Marmorengel steht. Auch das angrenzende Grab wurde geöffnet, um auch hier nach Überresten von Emanuela zu suchen.

Sucht, wohin der Engel schaut.

Pietro Orlandi, Bruder der vermissten Emanuela, ist nach wie vor hoffnungsvoll, endlich Gewissheit zu erlangen. Seiner Ansicht nach räumt der Vatikan erstmals durch seine Kooperation ein, dass es eine "interne Verantwortung" oder Mitwisser im Kirchenstaat gegeben habe.

Fehlanzeige bei Graböffnungen

In den beiden Gräbern auf dem Friedhof im Vatikan wurden bei der Suche allerdings keinerlei Gebeine gefunden. „Die Suche hat keine Ergebnisse gebracht“, sagte Vatikansprecher Alessandro Gisotti. „Es wurden keinerlei menschliche Überreste und keine Urnen gefunden.“ Beide Gräber waren leer. Also weder die Überreste von Emanuela noch die der Bestatteten waren darin.

Die beiden Gräber gehören laut Vatikan zu Sophie von Hohenlohe, gestorben 1836, und zu Herzogin Charlotte Friederike zu Mecklenburg, 1840 gestorben. Wo nur sind deren Gebeine? Wurden die Gräber vorher geöffnet und die Überreste herausgenommen? Oder lagen die Personen nie dort? Der Vatikan schweigt sich über die Hintergründe aus.

Es hieß lediglich, im Hohenlohe-Grab sei ein Hohlraum von etwa 4 mal 3,70 Metern entdeckt worden. Und auch das Mecklenburg-Grab sei vollkommen leer gewesen. Die Hinterbliebenen der Adeligen seien über das Ergebnis benachrichtigt worden, fügte Papstsprecher Gisotti hinzu.

Es sollten nun Dokumente ausgewertet werden, in denen Renovierungen auf dem Friedhof dokumentiert sind. Die habe es sowohl im 18. als auch im 19. Jahrhundert gegeben. Die Familie der adeligen Frauen müssten sich nun die gleiche Frage stellen wie die Familie Orlandi: „Wo sind die Knochen geblieben?“


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