Wählen Sie Ihre Nachrichten​

USA werfen Iran "kriegerischen Akt" in Saudi-Arabien vor
International 3 Min. 19.09.2019 Aus unserem online-Archiv

USA werfen Iran "kriegerischen Akt" in Saudi-Arabien vor

Donald Trump und der iranische Präsident Hassan Ruhani.

USA werfen Iran "kriegerischen Akt" in Saudi-Arabien vor

Donald Trump und der iranische Präsident Hassan Ruhani.
Foto: AFP/HO/Nicholas Kamm
International 3 Min. 19.09.2019 Aus unserem online-Archiv

USA werfen Iran "kriegerischen Akt" in Saudi-Arabien vor

Nach den Angriffen auf Ölanlagen in Saudi-Arabien verschärfen die USA den Ton gegenüber dem Iran. Dass die Huthis im Jemen sich zu den Angriffen bekannten, tut US-Außenminister Pompeo als Lüge ab. Der Iran reagiert mit schweren Vorwürfen.

(dpa) - Mit neuen Vorwürfen und der Androhung verschärfter Sanktionen haben die USA die Spannungen mit dem Iran angeheizt. US-Außenminister Mike Pompeo beschuldigte die Führung in Teheran bei seiner Reise nach Dschidda, in einem „kriegerischen Akt“ am vergangenen Samstag wichtige Ölanlagen in Saudi-Arabien angegriffen zu haben. US-Präsident Donald Trump teilte am Mittwoch auf Twitter mit, er habe das Finanzministerium angewiesen, die Sanktionen gegen den Iran „bedeutend“ zu verstärken.

Die iranische Regierung wies am Mittwoch erneut jede Verantwortung für die Angriffe auf die Ölanlagen in Saudi-Arabien zurück, zu denen sich die von Teheran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen bekannt hatten. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif warf der US-Regierung am Mittwoch vor, mit neuen Sanktionen ihren „Wirtschaftskrieg gegen die Iraner“ zu eskalieren. Sarif sprach auf Twitter von illegalem und unmenschlichem „Wirtschaftsterrorismus“.

Trump machte zunächst keine Angaben dazu, welche Sanktionen verschärft werden sollen. Die US-Regierung hat bereits weitgehende Sanktionen gegen iranische Banken, Unternehmen der Öl- und Gas-Branche, das Waffenprogramm des Landes sowie führende Vertreter von Regierung und Militär verhängt. Am Wochenende hatte Trump nach den Angriffen auf Saudi-Arabien noch mit Vergeltungsschlägen gedroht.

Ein Vorher-Nachher-Bild aus einem Video der Huthi-Rebellen zeigt angeblich die Beschädigungen an den saudischen Ölförderanlagen.
Ein Vorher-Nachher-Bild aus einem Video der Huthi-Rebellen zeigt angeblich die Beschädigungen an den saudischen Ölförderanlagen.
Foto: Al-Huthi Group Media Office / AFP

Pompeo: "Das war ein iranischer Angriff"

Zunächst blieb unklar, ob die Ankündigung neuer Sanktionen gegen den Iran eine militärische Antwort der US-Regierung nun weniger wahrscheinlich macht. Pompeo beriet am Mittwoch mit dem saudischen Kronprinzen und Verteidigungsminister Mohammed bin Salman über eine Reaktion. Die beiden waren sich laut US-Außenministerium einig, dass die internationale Gemeinschaft zusammenkommen müsse, um der anhaltenden Bedrohung durch „das iranische Regime“ zu begegnen. Sie hätten darin übereingestimmt, „dass das iranische Regime für sein anhaltend aggressives, rücksichtsloses und bedrohliches Verhalten verantwortlich gemacht werden muss“.

US-Außenminister Mike Pompeo traf am Mittwoch auf den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in Jeddah.
US-Außenminister Mike Pompeo traf am Mittwoch auf den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in Jeddah.
Foto: AFP/Mandel Ngan

Pompeo bekräftigte bei seiner Reise nach Saudi-Arabien: „Das war ein iranischer Angriff.“ Die Huthi-Rebellen im Jemen, die sich zu den Angriffen am vergangenen Samstag bekannt hatten, bezeichnete Pompeo als „Lügner“. Die Geheimdienste seien „sehr zuversichtlich“, dass die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen nicht über die bei den Angriffen eingesetzten Waffensysteme verfügten. Sowohl die USA als auch Saudi-Arabien würden die Angriffe bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in der kommenden Woche ansprechen. Später twitterte Pompeo, die USA stünden an der Seite Saudi-Arabiens. „Das drohende Verhalten des iranischen Regimes wird nicht toleriert.“ Am Donnerstag wollte Pompeo zu Gesprächen nach Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten reisen.

Auch ein saudischer Militärsprecher machte den Iran für die Angriffe mitverantwortlich. Der Iran stehe „ohne Frage“ hinter den Angriffen, sagte Turki al-Malki in Riad. Bei dem Angriff auf die Ölraffinerie in Abkaik seien insgesamt 18 Drohnen eingesetzt worden, bei der Attacke auf die Ölanlagen in Churais insgesamt sieben Marschflugkörper. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Raketen nicht aus dem Jemen abgefeuert worden sein könnten, sondern aus dem Norden gekommen seien. Nördliche Nachbarn Saudi-Arabiens sind der Irak und Iran.

Iran mit dem Rücken zur Wand

Saudi-Arabiens Kronprinz und Verteidigungsminister Mohammed bin Salman bezeichnete den Angriff als einen Test des Willens der internationalen Gemeinschaft, auf solche Taten zu reagieren, die die internationale Sicherheit und Stabilität gefährdeten. Das berichtete die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA.


TOPSHOT - This AFPTV screen grab from a video made on September 14, 2019, shows smoke billowing from an Aramco oil facility in Abqaiq about 60km (37 miles) southwest of Dhahran in Saudi Arabia's eastern province. - Drone attacks sparked fires at two Saudi Aramco oil facilities early today, the interior ministry said, in the latest assault on the state-owned energy giant as it prepares for a much-anticipated stock listing. Yemen's Iran-aligned Huthi rebels claimed the drone attacks, according to the group's Al-Masirah television. (Photo by - / AFP)
Massiver Drohnenangriff auf Saudi-Arabien
Der Schock in Saudi-Arabien ist gewaltig: Die jemenitischen Huthis halbieren mit ihrer Attacke auf die größte Ölverarbeitungsanlage der Welt die saudische Ölproduktion.

Seit der einseitigen Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch Trump vor gut einem Jahr haben die Spannungen zwischen Washington und Teheran immer weiter zugenommen. Die USA wollen den Iran mit harten Sanktionen und einer Politik des „maximalen Drucks“ dazu bewegen, einem neuen Abkommen mit härteren Auflagen zuzustimmen und die Unterstützung von Terrorgruppen in der Region einzustellen.

Die US-Sanktionen haben die wichtige Öl- und Gasförderung des Irans hart getroffen und eine Wirtschaftskrise ausgelöst. Mit dem Rücken zur Wand stehend, will der Iran sein Atomprogramm nun allerdings wieder hochfahren. Zuletzt kam es auch vermehrt zu Zwischenfällen in der für den Öltransport wichtigen Straße von Hormus. Die USA haben ihre Militärpräsenz in der Region verstärkt.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die Attacke auf die Ölanlagen der Wüstenmonarchie fordert den Kronprinzen Mohammed bin Salman heraus. Die Lage ist ernst.
Armed Yemeni Shiite Huthi fighters gather in the capital Sanaa to protest against the Saudi intervention in their country on September 17, 2019. (Photo by MOHAMMED HUWAIS / AFP)
Im Persischen Golf glüht nach dem Angriff auf die größte saudische Ölfabrik die Lunte, die das Pulverfass einer größeren Konfrontation zwischen Sunniten und Schiiten jederzeit in die Luft fliegen lassen kann.
This satellite overview handout image obtained September 16, 2019 courtesy of Planet Labs Inc.  shows damage to oil/gas infrastructure from weekend drone attacks at Abqaig on September 14 2019 in Saudi Arabia. - Drone attacks on key Saudi oil facilities have halved crude output from OPEC's biggest exporter, catapulting oil prices by the largest amount since the first Gulf War. The crisis has focused minds on unrest in the crude-rich Middle East, with Tehran denying Washington's charge that it was responsible.Brent oil prices leapt 20 percent on Monday to chalk up the biggest intra-day daily gain since 1991. (Photo by HO / PLANET LABS INC. / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / Planet Labs Inc. / HO" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS == NO ARCHIVE
Der Schock in Saudi-Arabien ist gewaltig: Die jemenitischen Huthis halbieren mit ihrer Attacke auf die größte Ölverarbeitungsanlage der Welt die saudische Ölproduktion.
TOPSHOT - This AFPTV screen grab from a video made on September 14, 2019, shows smoke billowing from an Aramco oil facility in Abqaiq about 60km (37 miles) southwest of Dhahran in Saudi Arabia's eastern province. - Drone attacks sparked fires at two Saudi Aramco oil facilities early today, the interior ministry said, in the latest assault on the state-owned energy giant as it prepares for a much-anticipated stock listing. Yemen's Iran-aligned Huthi rebels claimed the drone attacks, according to the group's Al-Masirah television. (Photo by - / AFP)