Wählen Sie Ihre Nachrichten​

USA und Russland vereinbaren Waffenruhe für Syrien
International 2 Min. 10.09.2016 Aus unserem online-Archiv
Lösung im Syrienkonflikt?

USA und Russland vereinbaren Waffenruhe für Syrien

US-Außenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergei Lavrov haben nach langen Verhandlungen eine Vereinbarung getroffen.
Lösung im Syrienkonflikt?

USA und Russland vereinbaren Waffenruhe für Syrien

US-Außenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergei Lavrov haben nach langen Verhandlungen eine Vereinbarung getroffen.
AFP
International 2 Min. 10.09.2016 Aus unserem online-Archiv
Lösung im Syrienkonflikt?

USA und Russland vereinbaren Waffenruhe für Syrien

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Endlich gibt es Hoffnung auf eine Lösung des Syriens-Konflikts. Die USA und Russland erreichten in langwierigen Verhandlungen einen Durchbruch.

(dpa) - Vom kommenden Montag an sollen im syrischen Bürgerkrieg die Waffen schweigen: Die USA und Russland haben sich auf einen Plan zur Durchsetzung der Waffenruhe sowie für eine politische Lösung des seit mehr als fünf Jahren anhaltenden Konflikts geeinigt, dem Hunderttausende Menschen zum Opfer gefallen sind.

USA und Russland wollen kooperieren

Lange hatte es gedauert, doch am Ende fanden Vertreter der USA und von Russland zueinander.
Lange hatte es gedauert, doch am Ende fanden Vertreter der USA und von Russland zueinander.
AFP

Zudem wollen sie in Syrien militärisch kooperieren, wie US-Außenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow in der Nacht zum Samstag nach langwierigen Verhandlungen in Genf bekanntgaben. Die Feuerpause soll mit Sonnenuntergang am 12. September parallel zum Auftakt des islamischen Opferfests beginnen.

Ein Sprecher des Hohen Verhandlungskomitees (HNC) der syrischen Opposition sagte der russischen Nachrichtenagentur Tass am Samstagmorgen, das HNC würde das Abkommen unterstützen, wenn auch die Soldaten des Regimes von Machthaber Baschar al-Assad die Kampfhandlungen einstellen würden.

Sieben Tage nach Beginn der Waffenruhe wollen beide Staaten - sofern sie tatsächlich eingehalten wird - mit einer militärischen Kooperation zur Bekämpfung von Terrorgruppierungen wie Al-Nusra, Islamischer Staat (IS) und Al-Kaida in Syrien beginnen, erklärte Kerry.

Beide Länder wollen gegen Terroristen vorgehen

Lawrow fügte hinzu, Washington und Moskau hätten sich auf Gebiete geeinigt, in denen beide Länder künftig gegen Terroristen vorgehen. Abgesprochen wurde nach Angaben beider Minister auch ein Austausch von relevanten Geheimdienstinformationen sowie die Abstimmung von Angriffszielen.

Zu den Erfolgsaussichten bei der Umsetzung der Übereinkunft meinte Lawrow: Niemand könne eine 100-prozentige Garantie geben, da «zu viele Spieler» beteiligt seien.

Ein Wendepunkt?

Kerry sprach von einem möglichen «Wendepunkt» im syrischen Bürgerkrieg. Die amerikanisch-russischen Vereinbarungen würden endlich auch die humanitäre Versorgung notleidender Menschen durch Hilfsorganisationen ermöglichen. Zugleich sollten die umfangreichen Absprachen beitragen, den Weg zu einem politischen Übergangsprozess zu ebnen. Auch dabei würden die USA und Russland kooperieren.

Waffenruhe mit der syrischen Regierung abgesprochen

Lawrow erklärte, Moskau habe die Vereinbarung einer Waffenruhe mit der syrischen Regierung abgesprochen. Diese habe ihr Einverständnis bekundet. Die USA hätten sich ihrerseits mit der syrischen Opposition abgesprochen, berichtete Kerry bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Die Rebellen seien bereit, die Waffen schweigen zu lassen, sofern die Genfer Vereinbarung auch von der Gegenseite eingehalten werde.

Lawrow hofft, dass die Konfliktparteien im Bürgerkrieg demnächst in Genf ihre auf Eis liegenden Gespräche wieder aufnehmen werden. Daran sollten auch Russland, Ägypten und Saudi-Arabien teilnehmen, erklärte Lawrow weiter.

Kompromisse eingegangen

Kerry verwies darauf, dass die USA Kompromisse im Interesse einer Friedenslösung für Syrien eingegangen seien. Präsident Barack Obama sei dabei «die Extra-Meile gegangen», damit das Blutvergießen in Syrien endlich beendet werden könne. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin habe dazu beigetragen.

Der jetzigen Genfer Syrien-Vereinbarung waren wochenlange diplomatische Aktivitäten vorausgegangen. Am 26. August hatten Kerry und Lawrow bei einem Treffen in Genf erklärt, man habe sich grundsätzlich auf den Weg zu einer Waffenruhe verständigt, jedoch seien noch etliche Details auszuhandeln.

Schwierige Waffenruhe

In diplomatischen Kreisen hieß es, zu den Problemen habe gehört, dass beide Seiten ihre jeweiligen Verbündeten in Syrien zur Einhaltung einer Feuerpause drängen mussten.

Der UN-Sonderbeauftragte für Syrien, Staffan de Mistura, begrüßte die Vereinbarungen ausdrücklich. Den USA und Russland sei es gelungen, einen klaren Plan für eine Waffenruhe auszuhandeln. UN-Organisationen stünden bereit, sofort Hilfsgüter für Hunderttausende Syrer in belagerte Regionen zu liefern, sobald die Waffenruhe beginne. Für die syrische Bevölkerung gebe es endlich wieder Hoffnung.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die Waffen in Syrien sollen ab 18 Uhr schweigen, so will es das Abkommen zwischen Russland und den USA. Wer sich wie streng daran hält, ist allerdings noch nicht ausgemacht.
Ab 18 Uhr soll in Syrien für sieben Tage nicht mehr geschossen werden, um humanitäre Hilfe in Kampfgebieten zu ermöglichen.
Nach gemeinsamen Gesprächen in Genf sind sich die Außenminister der USA und Russland einig, dass eine Waffenruhe notwendig ist. Details bleiben aber offen.
US-Außenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow drängen auf eine Waffenruhe im Syrien-Konflikt.
Das syrische Regime akzeptiert einen Waffenstillstand in dem Bürgerkriegsland. Der Krieg in Syrien wird dennoch weitergehen, meint Michael Wrase in seinem Kommentar.
Syrische Flüchtlingskinder in Istanbul.
Gedämpfte Hoffnung auf angepeilte Waffenruhe
Der leisen Hoffnung von München folgt erste Ernüchterung: In Syrien sterben mindestens 16 Zivilisten bei russischen Luftangriffen. Was ist der internationale Plan für eine Feuerpause wert? Außenminister Jean Asselborn gibt seine Einschätzung.
Soldaten der syrischen Armee jubeln über die Einnahme des Dorfes Kiffin unweit von Aleppo.