Wählen Sie Ihre Nachrichten​

USA übernehmen mehrere IS-Kämpfer von Kurdenmilizen
International 1 4 Min. 10.10.2019

USA übernehmen mehrere IS-Kämpfer von Kurdenmilizen

US-Präsident Trump erklärte am Mittwoch im Weißen Haus, die USA hätten wegen des türkischen Einmarschs einige der gefährlichsten IS-Kämpfer in ihre Obhut genommen.

USA übernehmen mehrere IS-Kämpfer von Kurdenmilizen

US-Präsident Trump erklärte am Mittwoch im Weißen Haus, die USA hätten wegen des türkischen Einmarschs einige der gefährlichsten IS-Kämpfer in ihre Obhut genommen.
Foto: Brendan Smialowski / AFP
International 1 4 Min. 10.10.2019

USA übernehmen mehrere IS-Kämpfer von Kurdenmilizen

Das US-Militär hat angesichts des türkischen Einmarschs in Nordsyrien mehrere Kämpfer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) aus den Händen der Kurdenmilizen übernommen.

(dpa) - Unter den IS-Kämpfern seien die für ihre Brutalität berüchtigten Briten Alexanda Kotey und El Schafi Elscheich, die in den Irak gebracht werden sollten, berichteten die „Washington Post“ und die „New York Times“ am Mittwochabend.

Die beiden sollen an der Enthauptung von Geiseln beteiligt gewesen sein und zu einer IS-Zelle gehört haben, die wegen ihrer Herkunft und ihres britischen Akzents auch „The Beatles“ genannt wurde.

Kotey und Elscheich waren nach Angaben des US-Militärs im Januar vergangenen Jahres gefangen genommen worden. Sie wurden danach den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) übergeben, einem US-Verbündeten. Bislang wurden gefangene IS-Kämpfer in Nordsyrien von SDF-Kräften bewacht, die sich nun aber auf den Kampf gegen die türkischen Streitkräfte konzentrieren dürften.

Trump sagte am Mittwoch im Weißen Haus, die USA hätten wegen des türkischen Einmarschs einige der gefährlichsten IS-Kämpfer in ihre Obhut genommen und „herausgebracht“. Trump kritisierte erneut, dass sich europäische Staaten wie Deutschland und Frankreich geweigert hätten, eigene Staatsbürger zurückzunehmen, die als IS-Kämpfer in Syrien gefangen sind. Er deutete an, dass diese Kämpfer „nach Europa fliehen“ würden, falls sie freikommen sollten.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Zu den vier „Beatles“ gehörte neben Kotey und Elscheich auch der als „Dschihadi John“ bekannt gewordene Extremist Mohamed Emwasi, der 2015 bei einem Luftangriff getötet wurde. Das vierte Mitglied, Aine Davis, wurde im Mai 2017 in der Türkei wegen Terrorvorwürfen verurteilt.

Alle Mitglieder der „Beatles“-Gruppe kommen aus London und radikalisierten sich in Großbritannien. Kotey ist britischen Medien zufolge als Jugendlicher zum Islam konvertiert. Er soll gemeinsam mit Emwasi und Davis regelmäßig eine Moschee in Notting Hill in der britischen Hauptstadt besucht haben. Emwasi wurde in Kuwait geboren und kam im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie nach Großbritannien. Die Familie von Elscheich stammt aus dem Sudan und beantragte Asyl in Großbritannien. Er soll seiner Mutter zufolge von einem Hassprediger beeinflusst worden sein.


Smoke billows following Turkish bombardment on Syria's northeastern town of Ras al-Ain in the Hasakeh province along the Turkish border on October 9, 2019. - Turkey launched an assault on Kurdish forces in northern Syria with air strikes and explosions reported along the border. President Recep Tayyip Erdogan announced the start of the attack on Twitter, labelling it "Operation Peace Spring". (Photo by Delil SOULEIMAN / AFP)
Türkisches Militär setzt Bodenoffensive in Nordsyrien fort
Nun soll der Sicherheitsrat ran. Doch kaum jemand erwartet, dass er den Vormarsch der türkischen Soldaten in Syrien stoppt. Die bedrängten Kurden stellen sich den Angreifern entgegen.

Die Zelle enthauptete nach Angaben des US-Außenministeriums mehr als zwei Dutzend Geiseln und folterte viele weitere. Zu ihren Opfern zählen die Journalisten James Foley und Steven Sotloff sowie die Entwicklungshelfer Peter Kassig, David Haines und Alan Henning. Videos der Enthauptungen, bei denen die Gefangenen in orangefarbene Overalls gekleidet waren, lösten 2014 weltweit Entsetzen aus.

US-Senatoren drohen der Türkei mit Sanktionen

Die türkische Militäroffensive gegen die Kurdenmilizen in Nordsyrien stößt international auf scharfe Kritik. Die EU-Staaten forderten die Türkei am Mittwochabend in einer gemeinsamen Erklärung zum Abbruch der Operation auf. US-Präsident Donald Trump teilte mit: „Die Vereinigten Staaten befürworten diesen Angriff nicht und haben der Türkei deutlich gemacht, dass diese Operation eine schlechte Idee ist.“ Kurz nach Beginn der türkischen Offensive war bereits von mehreren Toten im syrischen Grenzgebiet die Rede, darunter angeblich mehrere Zivilisten.

Trump hatte dem am Mittwoch erfolgten türkischen Einmarsch mit dem Rückzug von US-Truppen aus dem syrischen Grenzgebiet zur Türkei den Weg geebnet. Kritiker werfen Trump vor, die Kurdenmilizen in Nordsyrien im Stich gelassen zu haben. Sie waren der engste Verbündete der US-Streitkräfte im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). In mehreren deutschen Städten - etwa in Hamburg, Frankfurt und Duisburg - kam es zu empörten Protesten kurdischer Demonstranten, die der Türkei einen „völkerrechtswidrigen Angriffskrieg“ vorwarfen und das sofortige Ende aller Waffenlieferungen an Ankara forderten.

Der republikanische US-Senator Lindsey Graham hat zusammen mit dem Demokraten Chris Van Hollen eine parteiübergreifende Resolution erstellt, die Sanktionen gegen die Türkei vorsieht.
Der republikanische US-Senator Lindsey Graham hat zusammen mit dem Demokraten Chris Van Hollen eine parteiübergreifende Resolution erstellt, die Sanktionen gegen die Türkei vorsieht.
Foto: Mandel Ngan / AFP

Der US-Präsident drohte dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan mit ökonomischen Konsequenzen, sollte dieser in Syrien nicht „so human wie möglich“ vorgehen. Auf die Frage eines Reporters, ob er besorgt sei, dass Erdogan die Kurden „auslöschen“ könnte, antwortete Trump: „Wenn das passiert, werde ich seine Wirtschaft auslöschen.“

Der Präsident rechtfertigte den Rückzug der US-Truppen erneut. Die Kurden hätten ohnehin nur aus Eigeninteresse gegen den IS gekämpft und ein eigenes Territorium für sich gewollt. „Sie haben uns nicht im Zweiten Weltkrieg geholfen, sie haben uns nicht mit der Normandie geholfen.“

Wegen der Offensive wollen Senatoren im US-Kongress Erdogan persönlich mit Sanktionen belegen. Das geht aus dem Entwurf für eine parteiübergreifende Resolution von Lindsey Graham (Republikaner) und Chris Van Hollen (Demokraten) hervor, den die beiden Senatoren am Mittwoch auf Twitter veröffentlichten.

Der Entwurf sieht vor, dass etwaiger Besitz Erdogans, des türkischen Vizepräsidenten und von fünf Ministern in den USA eingefroren würde. Außerdem würden Visabestimmungen für die politische Führung des Landes verschärft. Außerdem würde der Verkauf von US-Rüstungsgütern für die türkischen Streitkräfte verboten. Auch Ausländer, die Rüstungsgeschäfte mit den türkischen Streitkräften machten, würden mit Sanktionen belegt.

Graham erwartet nach eigenen Worten breite Unterstützung für die Resolution. Nach dem Senat müsste das Repräsentantenhaus abstimmen. Trump könnte anschließend sein Veto einlegen, das nur mit einer Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern überstimmt werden könnte.


Mitgliedre einer Syrischen Kurdenmiliz protestierten gegen Trumps Ankündigung.
Verrat an den Kurden: Trump bringt Republikaner gegen sich auf
Überraschend verkündet Donald Trump den Abzug amerikanischer Soldaten aus dem syrischen Grenzgebiet zur Türkei. Selbst Parteikollegen gehen den Präsidenten scharf an.

Nach dem Beginn der Offensive will sich am Donnerstagvormittag der UN-Sicherheitsrat in New York mit dem Vorgehen der Türkei beschäftigen. Deutschland habe im Auftrag der fünf EU-Mitgliedsländer des Rates - neben Deutschland sind das Polen, Belgien, Frankreich und Großbritannien - beantragt, dass das Thema in einer Sitzung angesprochen werde, hieß es aus Diplomatenkreisen.

In der gemeinsamen Erklärung der EU-Staaten hieß es: „Erneute bewaffnete Auseinandersetzungen im Nordosten werden die Stabilität in der ganzen Region weiter untergraben, das Leiden der Zivilisten verschlimmern und zusätzliche Vertreibungen provozieren.“ Die Türkei gefährde zudem die Erfolge der internationalen Koalition gegen die IS-Miliz.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.