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USA kaufen große Teile der angepeilten Remdesivir-Produktion
International 2 Min. 01.07.2020

USA kaufen große Teile der angepeilten Remdesivir-Produktion

 Ein Mitarbeiter des Pharmaunternehmens «Eva Pharma» hält eine Medikamenten-Verpackung des Wirkstoffs Remdesivir, einem antiviralen Breitspektrum-Medikament.

USA kaufen große Teile der angepeilten Remdesivir-Produktion

Ein Mitarbeiter des Pharmaunternehmens «Eva Pharma» hält eine Medikamenten-Verpackung des Wirkstoffs Remdesivir, einem antiviralen Breitspektrum-Medikament.
Fadel Dawood/dpa
International 2 Min. 01.07.2020

USA kaufen große Teile der angepeilten Remdesivir-Produktion

Auf dem Corona-Medikament Remdesivir liegen große Hoffnungen. Nun haben die USA groß eingekauft.

(dpa) - Die US-Regierung hat sich einen Großteil der bis September anvisierten Produktionsmenge des Corona-Mittels Remdesivir gesichert. Eine entsprechende Vereinbarung mit dem Biotech-Unternehmen Gilead Sciences sieht laut US-Gesundheitsministerium den Erwerb von Wirkstoff-Dosen für mehr als 500.000 Behandlungen vor. Das entspreche 100 Prozent der geplanten Produktionsmenge für Juli sowie jeweils 90 Prozent für August und September. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) pocht auf gleichberechtigten Zugang zu lebensrettenden Behandlungen für Patienten in aller Welt. Remdesivir gilt als eines der aussichtsreichsten Medikamente bei schweren Corona-Symptomen. Es kann Studien zufolge den Krankenhausaufenthalt bei Covid-19 verkürzen.

Zu der Frage, ob durch die Vereinbarung die Versorgung mit dem Wirkstoff in Europa gefährdet sei, wollte sich ein Gilead-Sprecher auf Anfrage am Mittwoch nicht äußern. Pharma-Experte Andrew Hill von der britischen Universität Liverpool sagte laut „Guardian“: „Sie (die USA) haben Zugriff auf einen Großteil des Medikaments, also bleibt nichts für Europa.“


ARCHIV - 08.04.2020, Hamburg: Eine Ampulle des Medikamentes Remdesivir liegt während einer Pressekonferenz am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) auf dem Tisch. (zu dpa "US-Experte Fauci: Studienergebnisse zu Corona-Wirkstoff sehr positiv") Foto: Ulrich Perrey/dpa-POOL/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Die WHO habe die Berichte über den Deal der US-Regierung zur Kenntnis genommen und prüfe die Details, sagte Nothilfekoordinator Michael Ryan in Genf. Es gebe weltweit viele schwer an Covid-19 Erkrankte. „Wir setzen uns mit aller Kraft dafür ein, dass es einen gleichberechtigten Zugang zu lebensrettenden Behandlungen gibt“, sagte er. US-Präsident Donald Trump hat die Zusammenarbeit mit der WHO aufgekündigt. Er wirft ihr vor, unter chinesischem Einfluss zu stehen. „Wir sind weiter in Kontakt“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Es gebe weiterhin Kollaborationen mit US-Einrichtungen.

Gilead vereinbarte nach eigenen Angaben mit der US-Regierung, dass nicht zugeteilte Teile der Produktion „für andere Verwendungszwecke, auch für Länder außerhalb der Vereinigten Staaten, bereitgestellt werden können“. Dazu werde man die Bedarfsmeldungen der Krankenhäuser engmaschig beobachten und alle zwei Wochen evaluieren, hieß es weiter. Gerade erst hatte Gilead den Preis für den US-Markt festgesetzt. Eine fünftägige Behandlung mit Remdesivir werde bei Bestellung durch die US-Regierung 2340 Dollar (etwa 2000 Euro) pro Patient kosten. 


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Remdesivir wurde ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt, zeigte aber eine zu geringe Wirkung. Es ist bislang in keinem Land der Welt uneingeschränkt als Medikament zugelassen.


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