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US-Vizepräsident kritisiert Myanmar scharf wegen Flüchtlingsdrama
International 14.11.2018 Aus unserem online-Archiv

US-Vizepräsident kritisiert Myanmar scharf wegen Flüchtlingsdrama

Aung San Suu Kyi verwehrt sich gegen jegliche Einmischung von Außen in die Innenpolitik Myanmars.

US-Vizepräsident kritisiert Myanmar scharf wegen Flüchtlingsdrama

Aung San Suu Kyi verwehrt sich gegen jegliche Einmischung von Außen in die Innenpolitik Myanmars.
Foto: AFP
International 14.11.2018 Aus unserem online-Archiv

US-Vizepräsident kritisiert Myanmar scharf wegen Flüchtlingsdrama

Mike Pence bezeichnet die Flucht von 700 000 Rohingya aus Myanmar nach Bangladesch als Tragödie. Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi verwehrt sich gegen jegliche Einmischung von Außen.

(dpa) - US-Vizepräsident Mike Pence hat die Gewalt in Myanmar gegen die muslimische Minderheit der Rohingya als „nicht zu entschuldigen“ kritisiert. Bei einem Treffen mit Regierungschefin Aung San Suu Kyi am Rande des Gipfels der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean am Mittwoch in Singapur nannte Pence die Flucht von rund 700 000 Rohingya nach Bangladesch „eine Tragödie, die Millionen Amerikaner bewegt hat“.

„Wir verstehen unser Land besser als jedes andere Land.“

Staatsrätin Suu Kyi äußerte die Hoffnung, dass sie mit dem Treffen zur Aufklärung beitragen könne. Sie verwahrte sich auch indirekt gegen jede Einmischung, indem sie sagte: „Wir verstehen unser Land besser als jedes andere Land.“ Zuvor hatte schon Malaysias Ministerpräsident Mahathir Mohamad scharfe Kritik an ihr geübt und gesagt, sie versuche, „das Unentschuldbare zu entschuldigen“.


Aung San Suu Kyi hat nach der Massenflucht in einem lange erwarteten Statement erstmals Gewalt und Menschenrechtsverletzungen verurteilt.
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Seit Ende August sind zahlreiche Rohingya vor der Gewalt in Myanmar ins Nachbarland Bangladesch geflohen. Jetzt will Regierungschefin Aung San Suu Kyi sich um eine friedliche Lösung des Konflikts bemühen und lädt die Flüchtlinge zur Rückkehr ein.

Auf der Flucht vor Gräueltaten durch das Militär sind seit August 2017 mehr als 700 000 der muslimischen Minderheit aus Myanmar nach Bangladesch geflüchtet. UN-Menschenrechtsexperten sahen alle Anzeichen eines Völkermordes und forderten, dass dem Oberbefehlshaber und fünf Kommandeuren der Prozess gemacht wird. Sie legten ihnen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zur Last.

Kritik an Friedensnobelpreisträgerin

Die Experten kritisierten auch Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi. Sie habe ihre moralische Autorität nicht genutzt, um die Verbrechen zu verhindern. Die Experten machen die Militärs für Morde, Massenvergewaltigungen, Folter, Versklavung, Gewalt gegen Kinder und das Niederbrennen ganzer Dörfer verantwortlich.

Von nächster Woche an soll nach einer Vereinbarung zwischen Bangladesch und Myanmar mit 2200 Flüchtlingen begonnen werden, die Rohingya in ihre Heimat zurückzuführen. Hilfsorganisationen warnen, dass die Flüchtlinge „völlig verängstigt“ seien und nicht zurückwollten. Es müsse bessere Garantien geben, dass es nicht wieder zu Menschenrechtsverletzungen komme.

Die japanische Zeitung „Nikkei Asian Review“ berichtete, dass Asean - zumindest nach einem vorbereiteten Entwurf der abschließenden Erklärung des diesjährigen Vorsitzenden - dazu aufrufen wolle, alle, die für die Gräueltaten gegen die Rohingya verantwortlich seien, „vollständig zur Rechenschaft zu ziehen“. Die humanitäre Lage in Rakhine, der Heimat der Minderheit, mache „Sorge“.


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