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US-Truppenabzug aus Deutschland umfangreicher als bislang bekannt
International 4 3 Min. 29.07.2020

US-Truppenabzug aus Deutschland umfangreicher als bislang bekannt

Rheinland-Pfalz, Spangdahlem: Ein Schild mit dem Schriftzug «U.S. Air Spangdahlem Force Air Base» weist auf den US-Militärflughafen hin.

US-Truppenabzug aus Deutschland umfangreicher als bislang bekannt

Rheinland-Pfalz, Spangdahlem: Ein Schild mit dem Schriftzug «U.S. Air Spangdahlem Force Air Base» weist auf den US-Militärflughafen hin.
Foto: Harald Tittel/dpa
International 4 3 Min. 29.07.2020

US-Truppenabzug aus Deutschland umfangreicher als bislang bekannt

Die US-Truppen in Europa sollen deutlich reduziert werden. Vor allem in Deutschland wird abgebaut - noch stärker als bislang bekannt.

(dpa) - Die Zahl der US-Soldaten in Deutschland soll um fast 12.000 verringert werden - und damit deutlich stärker als bislang bekannt. Rund 6.400 Soldaten sollen in die USA zurückgeholt werden, weitere 5.600 sollen in andere Nato-Länder verlegt werden, wie Verteidigungsminister Mark Esper am Mittwoch in Washington erklärte. Damit werde die „strategische Flexibilität“ der US-Streitkräfte erhöht, sagte Esper im Pentagon vor Journalisten. Bislang hatte die US-Regierung von einem Abzug von rund 10.000 der etwa 36.000 Soldaten in Deutschland gesprochen.

Trump hatte den Teilabzug der US-Truppen aus Deutschland im Juni angekündigt und ihn mit den aus seiner Sicht zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands begründet. Die Bundesregierung in Berlin war vor der Bekanntgabe nicht informiert worden.


ARCHIV - 09.03.2017, Bayern, Illesheim: US-Soldaten stehen während einer militärischen Zeremonie in den Storck-Barracks vor einer Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika. US-Präsident Donald Trump hat bestätigt, dass er die Zahl der US-Soldaten in Deutschland auf 25 000 reduzieren möchte. Trump sagte am Montag bei einer Veranstaltung im Weißen Haus zur Begründung, dass Deutschland nicht das Nato-Ziel für Verteidigungsausgaben erreiche Foto: Nicolas Armer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Streit um geplanten US-Truppenabzug aus Deutschland
Das deutsch-amerikanische Verhältnis ist seit Längerem heikel – und Donald Trump macht es noch komplizierter.

Zur Umsetzung des geplanten - und wahrscheinlich aus logistischen Gründen langwierigen - Teilabzugs dürfte aber noch nicht das letzte Wort gesprochen sein. Im US-Kongress hat sich bereits bei Trumps Republikanern und den Demokraten Widerstand formiert. Der Plan wird dort vor allem kritisch gesehen, weil er das Verteidigungsbündnis Nato schwächen und Russland in die Hände spielen könnte. Im Senat und im Repräsentantenhaus gibt es daher Pläne, den Teilabzug über das Gesetz zum kommenden Militärhaushalt zu verhindern. Zudem bewirbt sich Trump im November um eine zweite Amtszeit. Falls er die Wahl verlieren sollte, könnte der neue Präsident die Pläne auf Eis legen.

US-Präsident Trump bei einer Pressekonferenz am Dienstag.
US-Präsident Trump bei einer Pressekonferenz am Dienstag.
Foto: AFP

Die US-Truppen galten in der Zeit des Kalten Krieges als Sicherheitsgarant für die Bundesrepublik. Damals gab es zeitweise fast 250.000 US-Soldaten in Deutschland. Nach dem Fall der Mauer wurde allerdings radikal reduziert: Im Jahr 2000 waren es nur noch 70.000 US-Soldaten, zehn Jahre später 48.000 und heute sind nur noch 36.000 übrig. Damit ist Deutschland aber immer noch der zweitwichtigste Truppenstandort der USA weltweit nach Japan.

Die Truppenstationierung ist aber auch heute noch ein wesentliches Bindeglied zwischen beiden Ländern. Da ist einerseits der zwischenmenschliche Aspekt: Über die Jahrzehnte sind Tausende Freundschaften, Partnerschaften und Ehen zwischen Deutschen und Amerikanern entstanden. Für die Regionen um die US-Stützpunkte kommt der wirtschaftliche Aspekt hinzu.

Allein in Rheinland-Pfalz werden mehr als 7.000 deutsche Ortskräfte von den US-Streitkräften beschäftigt, in ganz Deutschland sollen es 12.000 sein. Daneben hängen viele Tausende weitere Arbeitskräfte vor allem in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern an den US-Truppen. Allein der US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein generiert Schätzungen zufolge jedes Jahr zwei Milliarden US-Dollar an Löhnen, Gehältern, Mieten und Aufträgen in der regionalen Wirtschaft.

Spangdahlemer Ortsbürgermeister „in Sorge“ über US-Abzugspläne

Auf die Abzugspläne am US-Militärflugplatz Spangdahlem hat der dortige Ortsbürgermeister mit Sorge und Betroffenheit reagiert. Die Air Base sei nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber in der Region und wirtschaftlich von großer Bedeutung, sagte Alois Gerten (parteilos) am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Amerikaner und Deutsche seien auch freundschaftlich eng verbunden. Schließlich lebe man seit fast rund 70 Jahren eine gute Nachbarschaft. Noch seien aber viele Fragen offen, sagte Gerten. Unter anderem die Frage, wie viele Soldaten von der Verlegung betroffen seien und ob Angehörige mitziehen sollten.


ARCHIV - 22.02.2005, Hessen, Ramstein: Besucher stehen auf der Air Base in Ramstein vor einer US-Flagge im Gegenlicht. Mit 35 000 US-Soldaten gilt Deutschland als wichtigster Stützpunkt der USA in Europa. Nun droht Präsident Trump mit einem Teilabzug. Das hätte auch massive wirtschaftliche Folgen. (zu dpa «Trotz und Trauer wegen Trump: Kommunen fürchten Abzug von US-Soldaten» vom 28.06.2020) Foto: Frank May/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Präsident Trump hat den Plan für einen Teilabzug der US-Soldaten aus Deutschland abgesegnet. Bald soll die Umsetzung beginnen. Doch im Kongress mehrt sich Widerstand: Dort befürchten Mitglieder beider Parteien eine Schwächung der Nato.

Die US-Streitkräfte hatten am Mittwoch angekündigt, das in der Eifel dort stationierte Geschwader mit F16-Kampfflugzeugen nach Italien verlegen zu wollen. Das kündigte der Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa, General Tod Wolters, am Mittwoch in Washington an. Amerikanische F16-Kampfjets sind nur noch in Spangdahlem in Rheinland-Pfalz stationiert. Die Kampfflugzeuge sollen „zu einem Zeitpunkt, der noch festgelegt werden muss“, nach Italien verlegt werden, wie Wolters weiter sagte.   

Das 52. Jagdgeschwader umfasst eine Staffel mit gut 20 Flugzeugen und unterstützt weltweit Einsätze der US-Air Force und der Nato, vom Irak über Bosnien bis Afghanistan. Zur Air Base gehören rund 4000 US-Soldaten. Die Angehörigen eingerechnet leben und arbeiten fast 11.000 Menschen auf dem Stützpunkt. Der Flugplatz ist Arbeitgeber für weit mehr als 800 Deutsche.


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