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US-Proteste: 10.000 Demonstranten in Washington
International 2 4 Min. 06.06.2020

US-Proteste: 10.000 Demonstranten in Washington

Demonstranten am Lincoln Memorial in Washington.

US-Proteste: 10.000 Demonstranten in Washington

Demonstranten am Lincoln Memorial in Washington.
Foto: AFP
International 2 4 Min. 06.06.2020

US-Proteste: 10.000 Demonstranten in Washington

Washingtons Polizeichef Peter Newsham sagte, die Proteste könnten zu den größten zählen, die er bislang gesehen habe.

(dpa) - Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz reißen die Massenproteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA nicht ab. In der Hauptstadt Washington erwartete die Polizei am Samstag Demonstrationen unter anderem vor dem Weißen Haus, vor dem Kapitol und am Lincoln Memorial. Washingtons Polizeichef Peter Newsham sagte, die Proteste könnten zu den größten zählen, die er bislang gesehen habe. Die Washington Post sprach a, Sonntag von etwa 10.000 Teilnehmern. Am Samstagmittag (Ortszeit) versammelten sich bereits zahlreiche Menschen friedlich. Auch in anderen US-Städten wie New York und Philadelphia kam es wieder zu Demonstrationen, wie auf Fernsehbildern zu sehen war.

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„Während wir uns Gehör verschaffen, passen Sie bitte weiterhin aufeinander auf“, schrieb Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser auf Twitter. Auch viele Kinder würden demonstrieren. Bowser hatte einen Ort vor dem Weißen Haus am Freitag offiziell als „Black Lives Matter“-Platz benannt. Auf eine dorthin führende Straße ließ Bowser in riesigen gelben Lettern ebenfalls „Black Lives Matter“ pinseln - auf Deutsch in etwa: „Die Leben Schwarzer sind wichtig“. An zwei Gebäuden ließ die Bürgermeisterin Leuchttafeln mit derselben Aufschrift anbringen.

Scharfe Kritik

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hatte am Montagabend an dem nun neu benannten Platz Proteste gewaltsam auflösen lassen. Zeitgleich hatte Trump im Weißen Haus eine Ansprache gehalten, in der er mit dem Einsatz des Militärs wegen der landesweiten Proteste drohte, die zum Teil in Ausschreitungen ausgeartet waren. Unmittelbar danach war Trump für einen Fototermin zu einer nahe gelegenen Kirche gegangen und hatte dort mit einer Bibel in der Hand für die Kameras posiert. Trumps Vorgehen war auf scharfe Kritik gestoßen.

Trump hat Floyds Tod bei dem brutalen Einsatz in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota am Montag vergangener Woche mehrfach scharf verurteilt und das Recht auf friedliche Proteste betont. Ihm wird jedoch vorgeworfen, sich nicht klar gegen Rassismus zu positionieren und nicht genug Verständnis zu zeigen für den Zorn über Diskriminierung und Ungerechtigkeit im Land. 


NEW YORK, NY - JUNE 04: Demonstrators denouncing systemic racism in law enforcement march through the borough of Brooklyn minutes before a citywide curfew went into effect on June 4, 2020 in New York City. Days of protest, sometimes violent, have followed in many cities across the country in response to the death of George Floyd while in police custody in Minneapolis, Minnesota on May 25th.   Scott Heins/Getty Images/AFP
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Washington als Zentrum der Proteste

Ausschreitungen und Plünderungen im Zuge der Proteste haben inzwischen deutlich nachgelassen. Die Hauptstadt Washington hat sich zu einem Zentrum der Proteste entwickelt - auch weil sich ein Teil der Wut gegen Trump richtet. In Raeford im Bundesstaat North Carolina - in der Nähe von Floyds Geburtsort Fayetteville - fand am Samstag eine Gedenkveranstaltung statt, zu der Zehntausende Menschen erwartet worden waren. An diesem Dienstag soll Floyd im texanischen Houston beerdigt werden, wo er aufgewachsen war.

Minneapolis: Roxi Washington (r), Mutter von George Floyds Tochter, und seine Tochter Gianna Floyd nehmen an einer Pressekonferenz in der Minneapolis City Hall teil.
Minneapolis: Roxi Washington (r), Mutter von George Floyds Tochter, und seine Tochter Gianna Floyd nehmen an einer Pressekonferenz in der Minneapolis City Hall teil.
Foto: Leila Navidi/TNS via ZUMA Wire/d

Floyd war bei einer Festnahme in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota gestorben. Ein weißer Polizeibeamter hatte sein Knie fast neun Minuten lang in den Nacken des am Boden liegenden Floyd gedrückt - trotz aller Bitten des 46-Jährigen, ihn atmen zu lassen. Der Beamte und drei weitere beteiligte Polizisten wurden nach Bekanntwerden des Vorfalls entlassen. Sie wurden inzwischen festgenommen und angeklagt. Floyd war wegen des Verdachts, in einem Laden mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen worden.

Mit Gesetzen gegen Polizeigewalt

Floyds Tod hat das Land erschüttert und zu Veränderungen in vielen Bereichen geführt. Die Stadt Minneapolis kündigte umfassende Polizeireformen an. Künftig dürften Beamte keine Würgegriffe mehr anwenden und Verdächtige nicht am Nacken festhalten, erklärte Bürgermeister Jacob Frey. Zudem müssten alle Polizeibeamte, die Zeugen einer „ungenehmigten Gewaltanwendung“ ihrer Kollegen würden, dies unter Strafandrohung melden. Die mit dem Bundesstaat Minnesota juristisch bindend vereinbarten Reformen seien ein guter Schritt, um die Kultur der Polizei zu ändern und „systematischen Rassismus zu entwurzeln“, schrieb Frey auf Twitter.


NEW YORK, NEW YORK - MAY 28: New York Governor Andrew Cuomo is joined by Rosie Perez and Chris Rock at a press conference where the two performers helped to promote coronavirus testing, social distancing and the use of a face mask on May 28, 2020 in New York City. The news conference was held at the Madison Square Boys and Girls Club in the Flatbush, Brooklyn neighborhood, one of the hardest hit by Covid-19 in New York City.   Spencer Platt/Getty Images/AFP
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Auch im bevölkerungsreichen Westküstenstaat Kalifornien soll ein Würgegriff, bei dem die Blutzufuhr zum Gehirn unterbunden wird, künftig verboten werden. Gouverneur Gavin Newsom erklärte am Freitag, die Methode werde aus dem Trainingsprogramm für Polizeibeamte gestrichen, zudem solle auch eine gesetzliche Regelung folgen. Auch der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, stellte am Freitag einen Gesetzentwurf vor, der unter anderem den Würgegriff bei Polizeieinsätzen verbieten soll. Zudem sollen Akten zu früherem Fehlverhalten von Polizisten transparent einsichtlich gemacht werden.

Tausende Demonstranten in New York

In New York kündigte Manhattans Staatsanwalt Cy Vance an, Demonstranten nicht wegen Verstößen gegen die nächtliche Ausgangssperre zu belangen. „Die strafrechtliche Verfolgung von Demonstranten, denen diese geringfügigen Delikte vorgeworfen werden, untergräbt die wichtigen Verbindungen zwischen den Strafverfolgungsbehörden und den Gemeinschaften, denen wir dienen“, hieß es in einer Mitteilung.

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In der Millionenmetropole hatten zuletzt immer wieder Tausende Menschen weitestgehend friedlich demonstriert. New York, Atlanta, Los Angeles, Washington, Minneapolis und andere Städte hatten nach Ausschreitungen am Rande der Proteste zeitweise Ausgangssperren verhängt. In Washington zum Beispiel war die Polizei angewiesen worden, friedliche Demonstranten trotz Ausgangssperre nicht festzunehmen. Bowser hat die Ausgangssperre inzwischen wieder aufgehoben, weil die jüngsten Proteste friedlich verliefen.


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