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US-Präsidentschaftskandidatur: Buttigieg wirft Handtuch
International 1 4 Min. 02.03.2020

US-Präsidentschaftskandidatur: Buttigieg wirft Handtuch

Pete Buttigieg, der frühere Bürgermeister von South Bend, steigt aus dem Rennen um das Weisse Haus aus.

US-Präsidentschaftskandidatur: Buttigieg wirft Handtuch

Pete Buttigieg, der frühere Bürgermeister von South Bend, steigt aus dem Rennen um das Weisse Haus aus.
Foto: AFP
International 1 4 Min. 02.03.2020

US-Präsidentschaftskandidatur: Buttigieg wirft Handtuch

Pete Buttigieg sorgte bei der ersten Vorwahl der US-Demokraten in Iowa für eine Sensation. Einen Monat später schmeißt der 38-Jährige überraschend hin - wovon vor allem einer profitieren könnte.

(dpa) - Kurz vor den Vorwahlen am „Super Tuesday“ hat Pete Buttigieg seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten zurückgezogen. „Ich strebe nicht mehr an, der demokratische Präsidentschaftskandidat 2020 zu sein“, sagte der 38-Jährige am Sonntagabend (Ortszeit) in South Bend (Indiana), wo er zuletzt Bürgermeister gewesen war. „Aber ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um sicherzustellen, dass wir im Januar einen neuen, demokratischen Präsidenten haben werden.“

Beim „Super Tuesday“ wird am Dienstag in mehr als einem Dutzend der 50 US-Bundesstaaten abgestimmt, welcher Kandidat der Demokraten am 3. November den republikanischen Präsidenten Donald Trump herausfordern soll. 

„Ich strebe nicht mehr an, der demokratische Präsidentschaftskandidat 2020 zu sein“, so der 38-jährige Hoffnungsträger.
„Ich strebe nicht mehr an, der demokratische Präsidentschaftskandidat 2020 zu sein“, so der 38-jährige Hoffnungsträger.
Foto: AFP

Bei den Demokraten werden dabei mehr als ein Drittel aller Delegierten vergeben, die beim Nominierungsparteitag im Juli den Präsidentschaftskandidaten bestimmen. Im Falle eines demokratischen Wahlsieges würde Trump im Januar 2021 im Weißen Haus abgelöst.

Trump hat keine ernstzunehmende parteiinterne Konkurrenz. Die Republikaner haben ihre Vorwahlen daher in mehreren Bundesstaaten gestrichen. Bei den Demokraten liegt nach bislang vier Vorwahlen der linke Senator Bernie Sanders in Führung. Er ist auch in landesweiten Umfragen Spitzenreiter unter den demokratischen Bewerbern.

Überraschender Rückzug

Buttigieg zählt zum moderaten Flügel der Demokraten. Sein Rückzug kam überraschend. Bei den Vorwahlen der Demokraten lag er nach Sanders (78) und dem moderaten Ex-Vizepräsidenten Joe Biden (77) auf dem dritten Platz. Bei der ersten Vorwahl im Bundesstaat Iowa hatte Buttigieg überraschend die Mehrheit der Delegierten gewonnen. Am Samstag bekam er bei der bislang letzten Vorwahl der Demokraten im Bundesstaat South Carolina allerdings nur 8,3 Prozent der Stimmen.

Ex-Vizepräsident Joe Biden könnte vom Rückzug des moderaten Kandidaten Pete Buttigieg profitieren.
Ex-Vizepräsident Joe Biden könnte vom Rückzug des moderaten Kandidaten Pete Buttigieg profitieren.
Foto: AFP

Profitieren von Buttigiegs Rückzug könnte nun Biden - der vor South Carolina fast schon abgeschrieben war, bei der dortigen Vorwahl dann aber einen fulminanten Sieg einfuhr. Der frühere Bewerber um die Kandidatur der Demokraten, Andrew Yang, sagte dem Sender CNN, er gehe davon aus, dass die meisten Buttigieg-Unterstützer nun ins Biden-Lager wechseln würden.


WASHINGTON, DC - FEBRUARY 04: President Donald Trump departs the U.S. Capitol after the State of the Union address in the chamber of the U.S. House of Representatives on February 04, 2020 in Washington, DC. President Trump delivers his third State of the Union to the nation the night before the U.S. Senate is set to vote in his impeachment trial.   Mark Wilson/Getty Images/AFP
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Ein langer Weg
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Buttigieg war am Sonntagabend eigentlich auf dem Weg nach Texas, einem der wichtigsten „Super Tuesday“-Bundestaaten. Auf dem Flug sagte er mitreisenden Journalisten dann aber: „Wir ändern unseren Reiseplan und fliegen nach South Bend statt nach Texas.“

"Moment der Wahrheit“  

In South Bend trat zunächst Buttigiegs Ehemann Chasten Buttigieg auf die Bühne. „Es ist mir eine Ehre und ein Privileg gewesen, meinen Ehemann mit dem Rest des Landes zu teilen“, sagte er. Pete Buttigieg - der erste offen homosexuelle Kandidat für die Präsidentschaft - wurde umjubelt, als er anschließend auftrat. 

Pete Buttigieg mit seinem Ehemann Chasten (r.).
Pete Buttigieg mit seinem Ehemann Chasten (r.).
Foto: AFP

„Heute ist ein Moment der Wahrheit“ sagte er. Er ziehe seine Kandidatur zurück, weil das dem Ziel diene, die Amerikaner zu einen und Trump zu besiegen.

Die Demokraten drohen sich in Lagerkämpfen aufzureiben. Dem linken Flügel, den vor allem der selbst ernannte demokratische Sozialist Sanders vertritt, stehen mehrere moderate Kandidaten gegenüber, die sich bei den Vorwahlen gegenseitig Konkurrenz machen.

Hoffnung für 2024

Nach dem Rückzug Buttigiegs sind noch sechs Bewerber im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Neben Sanders und Biden sind das der frühere Bürgermeister von New York, der Milliardär Mike Bloomberg (78), die Senatorin Amy Klobuchar (59), die Senatorin Elizabeth Warren (70) und die Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard (38). Neben Sanders gehört nur Warren zum linken Flügel der Partei.

Pete Buttigieg könnte 2024 ein Comeback feiern.
Pete Buttigieg könnte 2024 ein Comeback feiern.
Foto: AFP

Buttigiegs Mitbewerber zollten ihm nach seinem Rückzug Respekt. Biden - der mehr als doppelt so alt wie Buttigieg ist - schrieb auf Twitter: „Das ist erst der Anfang seiner Zeit auf der nationalen Bühne.“ Buttigiegs Anhänger skandierten bei dessen Auftritt in South Bend: „2024, 2024, 2024“. Das ist das Jahr, in dem die übernächste Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ansteht.

Hier eine Analyse zum Super Tuesday von LW-Korrespondent Thomas Spang in Washington:

Am „Super Tuesday“ werden bei den Demokraten 1.344 Delegierte vergeben. Bei den ersten vier Vorwahlen in Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina gab es verglichen dazu nur wenige Delegierte zu gewinnen - insgesamt waren es 149. Davon konnte Sanders 58, Biden 50 und Buttigieg 26 holen. Für die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten beim Parteitag im Juli in Milwaukee (Wisconsin) werden 1991 von 3.979 Delegierten benötigt.

Steyer gibt auf

Mit Spannung wird nun das Abschneiden des Multimilliardärs und früheren New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg am „Super Tuesday“ erwartet - der moderate Kandidat wird dann erstmals auf den Wahlzetteln stehen. 

Alle Augen sind am Super Tuesday auf den Ex-Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, gerichtet.
Alle Augen sind am Super Tuesday auf den Ex-Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, gerichtet.
Foto: AFP

Bloomberg war erst spät ins Rennen eingestiegen und war bei den bisherigen Vorwahlen nicht angetreten. Nach US-Medienberichten hat er mehr als 400 Millionen Dollar alleine für TV-Wahlwerbespots ausgegeben, um am Dienstag punkten zu können.


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Nach einem erneuten enttäuschenden Ergebnis bei der Vorwahl in South Carolina hatte am Samstagabend bereits der Milliardär und frühere Hedgefonds-Manager Tom Steyer (62) seine Bewerbung um die Kandidatur zurückgezogen. „Ich sehe keinen Weg, wie ich die Präsidentschaft gewinnen kann“, sagte er. Steyer hatte in den bisher vier Vorwahlen keinen einzigen Delegierten gewonnen.

Der Milliardär Tom Steyer gibt nach einem enttäuschenden Resultat in South Carolina auf.
Der Milliardär Tom Steyer gibt nach einem enttäuschenden Resultat in South Carolina auf.
Foto: AFP

Am „Super Tuesday“ wird in 14 Bundesstaaten gewählt: In Alabama, Arkansas, Kalifornien, Colorado, Maine, Massachusetts, Minnesota, North Carolina, Oklahoma, Tennessee, Texas, Utah, Vermont und Virginia. Außerdem steht im Außengebiet Samoa eine Vorwahl an. 


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