Wählen Sie Ihre Nachrichten​

US-Präsident Biden: Impfstoff für alle ab Mai
International 1 4 Min. 12.03.2021 Aus unserem online-Archiv

US-Präsident Biden: Impfstoff für alle ab Mai

US-Präsident Joe Biden hielt eine Ansprache ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie.

US-Präsident Biden: Impfstoff für alle ab Mai

US-Präsident Joe Biden hielt eine Ansprache ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie.
Foto: AFP
International 1 4 Min. 12.03.2021 Aus unserem online-Archiv

US-Präsident Biden: Impfstoff für alle ab Mai

Biden macht den Amerikanern in einer emotionalen Rede vorsichtige Hoffnung. Die Impfungen gehen weit schneller voran als versprochen.

(dpa) - US-Präsident Joe Biden will die Staffelung nach Impfgruppen in der Corona-Pandemie aufheben und Impfstoffe bis spätestens 1. Mai für alle Erwachsenen in den USA freigeben lassen. Bei seiner ersten großen Fernsehansprache an die Nation kündigte Biden am Donnerstagabend (Ortszeit) eine entsprechende Anordnung an die Bundesstaaten an. Der Präsident rief die Amerikaner zugleich eindringlich dazu auf, sich impfen zu lassen. Jeder müsse seinen Teil dazu beitragen, das Virus zu stoppen, betonte er ein Jahr nach Beginn der Pandemie. „Dieser Kampf ist noch lange nicht vorbei.“

Biden stellte seinen Landsleuten in Aussicht, am Nationalfeiertag am 4. Juli wieder in kleinen Gruppen feiern zu können. „Nach diesem langen, harten Jahr wird das diesen Unabhängigkeitstag, an dem wir nicht nur unsere Unabhängigkeit als Nation begehen, sondern auch damit beginnen, unsere Unabhängigkeit von diesem Virus zu begehen, zu etwas ganz Besonderem machen.“ Voraussetzung sei aber, dass die Menschen weiterhin Regeln zum Infektionsschutz einhielten, mahnte er. Wissenschaftler hätten deutlich gemacht, dass sich die Lage mit der Ausbreitung neuer Virus-Varianten wieder verschlechtern könne.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Biden betonte, die Freigabe der Impfstoffe für alle Amerikaner bedeute nicht, dass am 1. Mai sofort alle Erwachsenen geimpft würden. Er kündigte aber Maßnahmen zur Vereinfachung von Impfungen an. Unter anderem soll bis Mai eine Internetseite online gehen, die Impfmöglichkeiten in der Nähe aufzeigt. Eine gebührenfreie Telefonnummer soll dabei ebenfalls helfen. Die Zahl der Apotheken und Gesundheitszentren, in denen Impfungen verabreicht werden, soll deutlich steigen. Die Zahl der Soldaten zur Unterstützung der Impfkampagne soll um mehr als 4.000 auf über 6.000 erhöht werden.


Bidens guter Start
Der neue US-Präsident hat erste politische Erfolge erzielt. Doch die große Auseinandersetzung mit der Republikanischen Opposition steht noch bevor.

Biden hatte versprochen, dass in den ersten 100 Tagen nach seinem Amtsantritt am 20. Januar 100 Millionen Impfdosen verabreicht würden. Nach der Hälfte dieser Zeit wurde laut Angaben des Weißen Hauses vom Donnerstag bereits die Marke von 81 Millionen Dosen überschritten. Biden kündigte an, sein Ziel werde nach 60 Tagen im Amt erreicht sein - das wäre Ende nächster Woche. Inzwischen gebe es mehr als zwei Millionen Impfungen am Tag, sagte er.

In den USA leben rund 330 Millionen Menschen. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC hat inzwischen fast jeder vierte Erwachsene mindestens eine Impfstoff-Dosis verabreicht bekommen. Vollständig geimpft sind knapp 13 Prozent der Erwachsenen und mehr als 30 Prozent derjenigen, die 65 Jahre oder älter sind. Erst kürzlich kündigte die Biden-Regierung an, dass die USA beim Hersteller Johnson & Johnson zusätzliche 100 Millionen Impfdosen bestellen würden.

Ambitiöse Finanzspritze

Kurz vor seiner Ansprache setzte Biden mit der Unterschrift unter seinen „amerikanischen Rettungsplan“ ein gigantisches Konjunkturpaket gegen die Coronakrise in Kraft. Nur 50 Tage nach Amtsantritt konnte der Demokrat damit sein erstes großes Gesetzesvorhaben verwirklichen. Der Umfang des Konjunkturpakets in Höhe von rund 1,9 Billionen US-Dollar (rund 1,6 Billionen Euro) entspricht fast zehn Prozent der jährlichen US-Wirtschaftsleistung. Es soll die hart von der Pandemie getroffene Wirtschaft ankurbeln und Millionen neuer Jobs schaffen.

Die ersten Amerikaner sollen bereits an diesem Wochenende einmalige Direktzahlungen in Höhe von 1.400 Dollar auf ihrem Konto vorfinden, wie das Weiße Haus versprach. Für Familien mit Kindern sind außerdem größere Steuererleichterungen und weitere Direktzahlungen geplant. Zudem soll es Finanzierungshilfen für Coronavirus-Tests, die Impfkampagne, Schulöffnungen sowie zusätzliche Unterstützung für Arbeitslose geben.


US President Joe Biden, First Lady Jill Biden, US Vice President Kamala Harris and her husband, Doug Emhoff, hold a moment of silence and candelight ceremony in honor of those who lost their lives to Coronavirus on the South Lawn of the White House in Washington, DC, February 22, 2021. - President Joe Biden called the milestone of more than 500,000 US deaths from Covid-19 "heartbreaking" on Monday and urged the country to unite against the pandemic.
"I know what it's like," an emotional Biden said in a national television address, referring to his own long history of family tragedies. (Photo by SAUL LOEB / AFP)
Eine halbe Million Tote: USA gedenken der Opfer der Pandemie
Präsident Biden markiert den jüngsten traurigen Meilenstein mit einer würdevollen Gedenkveranstaltung.

Bidens Fernsehansprache war von Empathie geprägt - eine Eigenschaft, die seinem Vorgänger Donald Trump eher nicht zugeschrieben wurde. „Wir sind verbunden durch den Verlust und den Schmerz vergangener Tage“, sagte Biden, der den Angehörigen der Pandemie-Opfer sein tiefes Mitgefühl aussprach. Der Demokrat erwähnte Trump nicht namentlich, folgende Worte dürften aber auf den Republikaner gemünzt gewesen sein: „Vor einem Jahr wurden wir von einem Virus heimgesucht, dem mit Schweigen begegnet wurde und das sich unkontrolliert ausbreitete“, sagte Biden. „Leugnen über Tage, Wochen, dann Monate führte zu mehr Todesfällen, mehr Infektionen, mehr Stress und mehr Einsamkeit.“

Exakt ein Jahr vor Biden hatte sich Trump in einer Ansprache zur Coronakrise an die Nation gewandt. Er verkündete damals einen Einreisestopp für Ausländer aus Europa, der bis heute in Kraft ist. Trump - der die Gefahr durch das Coronavirus immer wieder kleinredete - behauptete vor einem Jahr auch: „Keine Nation ist besser vorbereitet und widerstandsfähiger als die Vereinigten Staaten.“ Damals hatte die Statistik der Johns-Hopkins-Universität 1.100 Coronavirus-Infektionen und 37 Tote in den USA verzeichnet. Inzwischen sind es fast 30 Millionen bestätigte Infektionen und rund 530.000 Tote.


Vier Jahre Donald Trump: Ein Rückblick
Die Präsidentschaft von Donald Trump hat die Vereinigten Staaten geprägt, wie kaum eine vor ihr. Die wichtigsten Ereignisse der vergangenen vier Jahre im Überblick.

Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Senders CNN glauben inzwischen 77 Prozent der Amerikaner, dass die schlimmste Phase der Coronakrise hinter ihnen liegt. Gute Werte gab es auch für Biden: Mehr als zwei Drittel (67 Prozent) der Befragten vertrauen darauf, dass er das Land aus der Krise führt. Biden sagte am Donnerstag: „Es gibt Hoffnung und Licht.“ Vor den Amerikanern lägen „nach einem der schwierigsten und dunkelsten Zeitabschnitte in der Geschichte dieser Nation“ nun bessere Tage.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Der neue US-Präsident hat erste politische Erfolge erzielt. Doch die große Auseinandersetzung mit der Republikanischen Opposition steht noch bevor.
Die Präsidentschaft von Donald Trump hat die Vereinigten Staaten geprägt, wie kaum eine vor ihr. Die wichtigsten Ereignisse der vergangenen vier Jahre im Überblick.