Wählen Sie Ihre Nachrichten​

US-Polizisten töten Schwarzen: Ausschreitungen in Philadelphia
International 4 1 3 Min. 28.10.2020

US-Polizisten töten Schwarzen: Ausschreitungen in Philadelphia

Polizisten stellen in der Nähe des Ortes, an dem ein Afroamerikaner am Montag durch Polizeigewalt sein Leben verlor, eine Blockade auf.

US-Polizisten töten Schwarzen: Ausschreitungen in Philadelphia

Polizisten stellen in der Nähe des Ortes, an dem ein Afroamerikaner am Montag durch Polizeigewalt sein Leben verlor, eine Blockade auf.
Foto: AFP
International 4 1 3 Min. 28.10.2020

US-Polizisten töten Schwarzen: Ausschreitungen in Philadelphia

Erneut löst der Tod eines Afroamerikaners bei einem Polizeieinsatz in den USA Unmut und Proteste aus. Dass sich der Vorfall in einem der umkämpften Swing States so kurz vor der Präsidentenwahl ereignete, gibt dem Geschehen besondere Brisanz.

(dpa/SC) - Nach dem Tod eines Afroamerikaners durch Polizeischüsse hat es in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania die zweite Nacht in Folge Ausschreitungen gegeben. 

Zunächst hätten Hunderte Menschen friedlich gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert, berichteten örtliche Medien in der Nacht zum Mittwoch. Später seien Beamte mit Steinen und Flaschen attackiert worden, die Polizei habe Reizgas und Schlagstöcke eingesetzt. Auch Plünderungen wurden gemeldet. Der Fall rückt auch in den Fokus, weil Pennsylvania zu den „Swing States“ zählt, jenen umkämpften Bundesstaaten, die bei der Präsidentenwahl nächste Woche entscheidend sein könnten.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Auslöser der Proteste war der Tod des 27-jährigen Walter Wallace bei einem Polizeieinsatz am Montag. Der Mann sei mit einem Messer bewaffnet gewesen und habe dieses trotz mehrfacher Aufforderungen nicht fallen lassen, teilte die Polizei mit. Er habe sich auf die Polizisten zubewegt, woraufhin zwei Beamte mehrfach auf ihn gefeuert hätten. Passanten filmten den Vorfall mit ihren Smartphones. Bei den Protesten waren nach Polizeiangaben bereits am Montag 30 Beamte verletzt und 91 Menschen festgenommen worden.

Trump: „Unruhen müssen aufhören“

„Die Unruhen in Philadelphia müssen aufhören. Sie müssen sie beenden“, sagte US-Präsident Trump und gab der demokratischen Führung der Stadt und des Bundesstaates die Schuld. Das Weiße Haus erklärte, die Unruhen wären „die jüngste Folge des Krieges der liberalen Demokraten gegen die Polizei“. Trump forderte ein härteres Vorgehen und sagte, er sei bereit, auf Anfrage Bundeskräfte zu mobilisieren. „Wir beobachten das sehr genau und warten auf einen Anruf. Wenn sie Hilfe wollen, sind wir innerhalb einer Stunde da.“

Pennsylvanias Gouverneur Tom Wolf, der wie Philadelphias Bürgermeister Jim Kenney den Demokraten angehört, hat laut der Zeitung „The Philadelphia Inquirer“ selbst bereits mehrere Hundert Mitglieder der Nationalgarde aus dem Bundesstaat mobilisiert. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Alyssa Farah, nannte dies am Mittwoch bei Fox News eine „weise Entscheidung“. „Wir wollen, dass unsere Städte sicher sind, und sind - falls nötig - bereit, Kräfte des Bundes einzusetzen. Aber im Moment haben wir das Gefühl, dass die Entscheidungen des Gouverneurs mit der Nationalgarde dazu beitragen sollten, diese Unruhen zu unterdrücken.“

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hatte den Angehörigen des Toten sein Mitgefühl ausgesprochen, aber auch die Ausschreitungen verurteilt: „Gleichzeitig entschuldigt Wut über die sehr realen Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft keine Gewalt“. Angriffe auf Polizisten und die Zerstörung kleiner Unternehmen brächten keine Gerechtigkeit.

Bei der Wahl 2016 konnte sich Trump in Pennsylvania sehr knapp durchsetzen. Der Bundesstaat im Nordosten der USA lässt sich als Swing State weder den Republikanern noch den Demokraten klar zuordnen. Umfragen räumen derzeit Biden gute Chancen ein, sich die 20 Wahlleute dort zu sichern - es könnte aber eng werden.

Die Angehörigen des getöteten 27-Jährigen werfen der Polizei unverhältnismäßige Gewalt vor. Es sei bekannt gewesen, dass Wallace psychische Probleme gehabt habe, sagte der Anwalt der Familie, Shaka Johnson, Medienberichten zufolge. Wallace habe an einer bipolaren Störung gelitten. Demnach hatte die Familie den Notruf gewählt, um einen Krankenwagen zu bestellen. Stattdessen sei die Polizei gekommen. „Warum haben sie nicht einen Taser (Elektroschockwaffe) benutzt? Warum mussten sie ihn niederschießen?“, fragte Wallaces Vater in der Zeitung „The Philadelphia Inquirer“.


INDIA - SEPTEMBER 20:  One of a series of 20 photographs depicting the planting and manufacturing of indigo in India by French photographer Oscar Mallitte (c 1829-1905). Mallitte arrived in Calcutta in 1857 and later that year was part of Dr Mouat's official expedition to the Andaman Islands. He made an invaluable photographic record of the life and customs of the native islanders, a collection which sadly has since been lost. Mallitte taught photography at the School of Industrial Arts in Calcutta, and in 1859 he accompanied the Vice-Roy, Lord Canning, as photographer on a tour of the North-West provinces. A series of his views of indigo planting and manufacturing was sold at Sotheby�s in 1980.  (Photo by SSPL/Getty Images)
Rassismus: Das ewige Gift
Die Proteste in den USA nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd haben weite Kreise gezogen, doch die Problematik wurzelt tief. Eine Geschichte des Rassismus: Von der Kolonialzeit bis „Black Lives Matter“.

Nicht alle Beamte seien mit Tasern ausgerüstet, sagte Polizeichefin Danielle Outlaw laut dem Sender ABC. Zusätzliche Mittel dafür seien beantragt worden. Sie versprach eine lückenlose Aufklärung des Falls. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt. Beide Beamte hätten Körperkameras (body cameras) getragen. Die Bilder wurden jedoch zunächst nicht publik gemacht. Laut Medienberichten sollen die zwei Polizisten je sieben Schüsse abgefeuert haben. Die beiden seien während der Ermittlungen in den Innendienst versetzt worden.

In den USA war es seit Ende Mai landesweit zu Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt gekommen. Der Auslöser war die brutale Tötung des unbewaffneten Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in der Stadt Minneapolis gewesen. Bei der Festnahme hatte ein Polizist rund acht Minuten lang sein Knie auf Floyds Nacken gedrückt.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

US-Wahl: So wichtig sind die "Swing States"
Am 3. November werden 150 Millionen Amerikaner den nächsten Präsidenten der USA wählen. Die Entscheidung zwischen Donald Trump und Joe Biden könnte an ein paar tausend Stimmen liegen.
A campaign sign supporting either or neither candidate for the 2020 US Presidential elections is seen in a Pasadena neighborhood on September 27, 2020 in Pasadena, California. - US President Donald Trump and former US Vice President Joe Biden will face off in the first presidential debate for the 2020 elections. (Photo by Frederic J. BROWN / AFP)
Die falschen Sündenböcke
Zum Auftakt des republikanischen Parteitags fehlt es nicht an drastischen Worten: Hauptsache diffamieren und Angst schüren. Was anderes gibt es nicht.
CHARLOTTE, NORTH CAROLINA - AUGUST 24: President Donald J. Trump points to a delegate after addressing delegates on the first day of the Republican National Convention at the Charlotte Convention Center on August 24, 2020 in Charlotte, North Carolina. The four-day event is themed "Honoring the Great American Story." (Photo by David T. Foster III-Pool/Getty Images)
Joe Biden, der Tröster der Nation
Die US-Demokraten nominieren Joe Biden zum Präsidentschaftskandidaten ihrer Partei. Die Corona-Pandemie macht den leidgeprüften 77-Jährigen zum idealen Anwärter für das Weiße Haus.
Democratic presidential nominee and former US Vice President Joe Biden participates in a virtual grassroots fundraiser along his vice presidential running mate, US California Senator Kamala Harris, at the Hotel du Pont in Wilmington, Delaware on August 12, 2020. (Photo by Olivier DOULIERY / AFP)
Rassismus: Das ewige Gift
Die Proteste in den USA nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd haben weite Kreise gezogen, doch die Problematik wurzelt tief. Eine Geschichte des Rassismus: Von der Kolonialzeit bis „Black Lives Matter“.
INDIA - SEPTEMBER 20:  One of a series of 20 photographs depicting the planting and manufacturing of indigo in India by French photographer Oscar Mallitte (c 1829-1905). Mallitte arrived in Calcutta in 1857 and later that year was part of Dr Mouat's official expedition to the Andaman Islands. He made an invaluable photographic record of the life and customs of the native islanders, a collection which sadly has since been lost. Mallitte taught photography at the School of Industrial Arts in Calcutta, and in 1859 he accompanied the Vice-Roy, Lord Canning, as photographer on a tour of the North-West provinces. A series of his views of indigo planting and manufacturing was sold at Sotheby�s in 1980.  (Photo by SSPL/Getty Images)