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US-Kardinal tritt nach Missbrauchsvorwürfen ab
Der 88-jährige Theodore McCarrick muss laut Vatikan in einem Haus bleiben, wo er ein „Leben des Gebets und der Buße“ führen soll.

US-Kardinal tritt nach Missbrauchsvorwürfen ab

AFP
Der 88-jährige Theodore McCarrick muss laut Vatikan in einem Haus bleiben, wo er ein „Leben des Gebets und der Buße“ führen soll.
International 2 Min. 29.07.2018

US-Kardinal tritt nach Missbrauchsvorwürfen ab

Ein Kardinal, der wegen Missbrauchsvorwürfen abtritt: Das ist eine Sensation in der katholischen Kirche. Dem prominenten US-Geistlichen verordnet der Papst nun auch Hausarrest, Beten und Buße. Der Beschuldigte will sich an nichts erinnern.

(dpa) - So schnell geht es in der katholischen Kirche selten: Papst Franziskus hat den Rücktritt eines prominenten US-Kardinals angenommen, dem Missbrauch Minderjähriger vorgeworfen wird. Der emeritierte Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick, werde aus dem Kardinalskollegium austreten und dürfe auch keine öffentlichen Ämter mehr ausführen, teilte der Vatikan am Samstag mit. McCarrick habe sein Rücktrittsgesuch am Freitag eingereicht. Der 88-Jährige muss nun laut Vatikan in einem Haus bleiben, wo er ein „Leben des Gebets und der Buße“ führen soll, bis die Vorwürfe gegen ihn vor einem Kirchengericht geklärt seien.

Der amerikanische Kardinal Theodore Edgar McCarrick, hier in einer Aufnahme vom März 2013.
Der amerikanische Kardinal Theodore Edgar McCarrick, hier in einer Aufnahme vom März 2013.
Foto: AFP

McCarrick wird laut US-Medien seit einigen Wochen unter anderem vorgeworfen, in seiner Laufbahn als Geistlicher in den letzten Jahrzehnten in den USA Minderjährige und Priesteranwärter missbraucht oder sexuell belästigt zu haben. In einem Fall soll es laut „New York Times“ um einen elf Jahre alten Jungen gegangen sein, den McCarrick vor mehr als 40 Jahren missbraucht haben soll, als er Priester in New York war.

Die Erzdiözese in New York hatte im Juni mitgeteilt, dass Anschuldigungen gegen ihn als „glaubwürdig“ eingeschätzt würden. Er wurde schon damals von öffentlichen Ämtern entfernt. Der Geistliche erklärte daraufhin, er akzeptiere die Entscheidung - „obwohl ich absolut keine Erinnerung an diesen berichteten Missbrauch habe und an meine Unschuld glaube“. Die „New York Times“ beschrieb McCarrick - der von 2001 bis 2006 Erzbischof von Washington war - als „eine prominente römisch-katholische Stimme in internationaler und öffentlicher Politik“.

Im Vergleich zu anderen Missbrauchsfällen reagierte der Papst dieses Mal schnell und ohne auf einen Prozess gegen McCarrick zu warten. Zuletzt war 2015 der schottische Kardinal Keith O’Brien aus dem Kardinalskollegium zurückgetreten, nachdem er Missbrauch eingeräumt hatte. Damals dauerte es allerdings etwa zwei Jahre von den ersten Vorwürfen bis zum Abtritt. O'Brien ist mittlerweile tot.

Der Präsident der Katholischen Bischofskonferenz in den USA, Kardinal Daniel DiNardo, begrüßte die Entscheidung des Papstes. „Ich danke dem Heiligen Vater für seine Führung, indem er diesen wichtigen Schritt macht.“ Damit mache der Papst deutlich, dass er seinen Schwerpunkt auf den Schutz der Menschen und deren Fürsorge lege.

Die Kardinalswürde ist eine der höchsten in der katholischen Kirche. Das Kardinalskollegium beinhaltet das Konklave, das den Papst wählt. Allerdings sitzt McCarrick seit längerem nicht mehr im Konklave, da er über 80 Jahre alt ist.

Australien: Prozess gegen Pell beginnt Mitte August

Franziskus verfolgt beim Thema Missbrauch nach eigenen Worten eine Null-Toleranz-Politik. Jedoch kommen immer wieder Vorwürfe auf, dass der Vatikan nicht konsequent und hart genug gegen Geistliche vorgehe, die sich an Kindern vergehen. 

Für Aufsehen sorgt seit langem vor allem der Fall des australischen Kardinals George Pell, dem in seiner Heimat Missbrauch vorgeworfen wird. Pell ist zwar von seinem Amt als Finanzchef des Vatikans freigestellt, jedoch hält er weiter den bedeutenden Titel eines Kardinals. Der Prozess gegen Pell beginnt Mitte August in Australien.

Viel Kritik musste Franziskus auch einstecken, als er auf seiner Chile-Reise einen beschuldigten Bischof in einem Missbrauchsskandal in Schutz nahm. Anschließend entschuldigte er sich zwar, aber der Imageschaden war bereits angerichtet.



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