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„Unteilbar“: Tausende bei Demonstration gegen Antisemitismus erwartet
International 3 Min. 13.10.2019

„Unteilbar“: Tausende bei Demonstration gegen Antisemitismus erwartet

Unter dem Motto #unteilbar (hier bei einer Demonstration in Leipzig) wollen Tausende in Berlin gegen Antisemitismus demonstrieren.

„Unteilbar“: Tausende bei Demonstration gegen Antisemitismus erwartet

Unter dem Motto #unteilbar (hier bei einer Demonstration in Leipzig) wollen Tausende in Berlin gegen Antisemitismus demonstrieren.
Foto: Sebastian Willnow/zb/dpa
International 3 Min. 13.10.2019

„Unteilbar“: Tausende bei Demonstration gegen Antisemitismus erwartet

Die Botschaft ist eindeutig: „Wir stehen zusammen.“ Nach dem Anschlag von Halle gehen immer mehr Menschen auf die Straße, um gegen rechten Terror und Gewalt zu demonstrieren. Der Bürgermeister von Halle sagt: Die Solidarität ist überwältigend.

(dpa) - Solidarität mit den Opfern, Protest gegen Antisemitismus und Gewalt: Nach dem Terroranschlag von Halle setzen viele Menschen in Deutschland Zeichen gegen Rechts. Die Initiative „Unteilbar“ hat für diesen Sonntag gemeinsam mit anderen Gruppen zu einer großen Demonstration in Berlin aufgerufen. Die Veranstalter erwarten 10.000 Teilnehmer. Auf ihrer Facebook-Seite heißt es: „Wir stehen in dieser schweren Stunde solidarisch und unteilbar zusammen! Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen.“

Ein schwerbewaffneter Rechtsextremist hatte am Mittwoch versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen, in der rund 50 Gläubige den jüdischen Feiertag Jom Kippur begingen. Als der Plan scheiterte, erschoss der Täter eine Passantin und einen Mann in einem Döner-Imbiss. Der 27 Jahre alte Rechtsextremist sitzt in Untersuchungshaft. Er hat antisemitische und rechtsextremistische Motive bestätigt.

Mehrere Tausend bereits am Samstag

Bereits am Samstag hatten mehrere tausend Menschen in verschiedenen deutschen Städten gegen Rechts demonstriert. In der hessischen Universitätsstadt Marburg beteiligten sich laut Polizei rund 3000 Menschen an einem als Trauermarsch angelegten Demonstrationszug. „Unser Mitgefühl gilt den Opfern und allen, die bedroht sind oder sich bedroht fühlen“, erklärte Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD). „Sie sollen, Ihr sollt alle wissen: Wir stehen immer an Eurer Seite.“


Ein Polizeifahrzeug vor der Synagoge in Halle.
Das Manifest des Halle-Attentäters: Seitenweise purer Hass
Nach dem Attentat von Halle ist ein Manifest im Internet aufgetaucht, das Ermittler für authentisch halten und dem 27-jährigen Tatverdächtigen zuschreiben. Es ist ein extrem verstörendes Dokument.

In Hamburg gingen bis zu 1200 Demonstranten auf die Straße. Ihr Protestzug startete in der Nähe des Ortes, an dem die Jüdische Gemeinde ihren Sitz hat und an dem früher die Hamburger Synagoge stand, die 1939 von den Nazis abgerissen wurde. Auch in anderen Städten gab es kleinere Protestaktionen.

Der parteilose Oberbürgermeister von Halle, Bernd Wiegand, betonte den Zusammenhalt in seiner Stadt. Verhältnisse wie 2018 in Chemnitz werde es nicht geben, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Natürlich standen wir zuerst unter Schock. Aber die Stadtgesellschaft steht zusammen. Sie zeigt Gesicht und wehrt sich gegen Vereinnahmung.“ Die Solidarität mit den Opfern sei überwältigend. „Die Stadt zeigt, wie bunt und vielfältig sie ist.“ Wiegand stellt sich an diesem Sonntag zur Wiederwahl.

Natürlich standen wir zuerst unter Schock. Aber die Stadtgesellschaft steht zusammen. Sie zeigt Gesicht und wehrt sich gegen Vereinnahmung.

Bernd Wiegand, Oberbürgermeister von Halle

In der sächsischen Stadt Chemnitz hatte es im August 2018 tagelang Demonstrationen gegeben, nachdem ein 35-Jähriger Deutscher erstochen worden war. Bei den Kundgebungen marschierten auch Rechtsextremisten mit, einige zeigten den Hitlergruß oder griffen Menschen an, bei denen sie eine ausländische Herkunft vermuteten. Wegen der Bluttat wurde inzwischen ein Syrer zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt, nach einem zweiten Verdächtigen aus dem Irak wird weltweit gesucht.


A woman lays down flowers next to the entrance of the synagogue in Munich, during a protest against anti-Semitism on October 11, 2019 two days after a deadly shooting during an attack in Halle targeting a Turkish restaurant after an attempt at the synagogue. - Jews in Germany prepared to mark the Sabbath Friday with their confidence in the community's miraculous rebirth shaken by the deadly anti-Semitic rampage in Halle on Yom Kippur. (Photo by Christof STACHE / AFP)
Halle gedenkt Opfer des Terroranschlags - Demonstration gegen Rechts
Nach dem Anschlag von Halle ist die Stadt weit entfernt vom Alltag. Viele kommen noch immer zu den Tatorten und trauern. Die angegriffene jüdische Gemeinde lädt zum Sabbat.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) forderte als Konsequenz aus dem Anschlag von Halle ein hartes Vorgehen: „Wir müssen dem Rechtsterrorismus so begegnen, wie wir auf den RAF-Terrorismus in den 70er Jahren reagiert haben: Mit einem knallharten, wehrhaft-demokratischen Rechtsstaat, der sich nichts gefallen lässt“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Dazu müssten die Sicherheitsbehörden modernere Instrumente an die Hand und Zugriffsrechte auf die Kommunikation von Terroristen im Internet bekommen.

Die deutsche Justizministerin Christine Lambrecht forderte: „Antisemitische Straftaten müssen mit aller Konsequenz verfolgt werden.“ Die Strafgesetze seien vorhanden, sie müssten aber auch konsequent angewandt werden, sagte die SPD-Politikerin der „Welt am Sonntag“. Als Vorbild nannte Lambrecht die bayerische Staatsanwaltschaft. Sie habe sich „auf die Fahne geschrieben, dass es bei antisemitischen Straftaten grundsätzlich keine Verfahrenseinstellungen wegen Geringfügigkeit oder geringer Schuld gibt.“


Policemen climb over a wall of the Jewish cemetery close to the site of a shooting in Halle an der Saale, eastern Germany, on October 9, 2019. - At least two people were shot dead on October 9, 2019 on a street in Halle, police said, with witnesses saying that the synagogue was among the gunmen's targets as Jews marked the holy day of Yom Kippur. One suspect was captured but with a manhunt ongoing for other perpetrators, security has been tightened in synagogues in other eastern German cities while Halle itself was in lockdown. (Photo by Sebastian Willnow / dpa / AFP) / Germany OUT
Halle: Zwei Menschen vor Synagoge erschossen
Ausnahmezustand in Halle: Unbekannte erschießen mitten in der Stadt zwei Menschen und flüchten. Auch im benachbarten Landsberg fielen Schüsse.

Der österreichische Wahlsieger Sebastian Kurz verlangte mehr Kooperation. „Es braucht eine stärkere Zusammenarbeit der europäischen Innenminister und Geheimdienste, was die Bedrohung durch rechten Terror angeht“, sagte der Chef der konservativen ÖVP der „Bild am Sonntag“. „Wir sollten auf europäischer Ebene darüber sprechen, was machbar ist und verstärkt werden kann.“

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