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Über 5000 Festnahmen nach Unruhen in Kasachstan
International 09.01.2022
Ausschreitungen

Über 5000 Festnahmen nach Unruhen in Kasachstan

Militärangehörige verteilen Trinkwasser und Lebensmittel an Zivilisten.
Ausschreitungen

Über 5000 Festnahmen nach Unruhen in Kasachstan

Militärangehörige verteilen Trinkwasser und Lebensmittel an Zivilisten.
Foto: dpa
International 09.01.2022
Ausschreitungen

Über 5000 Festnahmen nach Unruhen in Kasachstan

Die Behörden bemühten sich, im Land wieder etwas Normalität herzustellen.

 (dpa) - Nach den schweren Unruhen im zentralasiatischen Kasachstan sind landesweit bereits über 5.000 Menschen festgenommen worden. „In ganz Kasachstan wurden bisher 5.135 Menschen festgesetzt“, teilte das Innenministerium der autoritär geführten Ex-Sowjetrepublik in der Hauptstadt Nur-Sultan am Sonntagmorgen mit. Die Justizbehörden nahmen Ermittlungen gegen die Festgenommenen wegen diverser Vergehen auf.

Während der Unruhen seien 16 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet worden, teilte die Innenbehörde am Sonntagmorgen mit. Zudem seien rund 1300 Polizisten, Soldaten und weitere Angehörige der Sicherheitsbehörden bei den Zusammenstößen verletzt worden. Zuvor hatten die Behörden von insgesamt mehr als 40 Getöteten gesprochen - darunter auch Sicherheitskräfte.     

Almaty: Sicherheitskräfte sind bei einer sogenannten Antiterroroperation eingesetzt, um Massenunruhen zu beenden.
Almaty: Sicherheitskräfte sind bei einer sogenannten Antiterroroperation eingesetzt, um Massenunruhen zu beenden.
Foto: dpa

Weil die Behörden das Internet in Almaty abgeschaltet haben und die Mobilfunkverbindung ständig zusammenbricht, war es weiterhin kaum möglich, gesicherte Informationen von dort zu bekommen. Fotos zeigen, wie bewaffnete Sicherheitskräfte Demonstranten abführten. Auf Videos in sozialen Netzwerken, die angeblich aus Almaty stammen sollen, sind Schussgeräusche zu hören. Der sogenannte Anti-Terror-Einsatz dauere an, berichtete der Staatssender Khabar 24.

400 Fahrzeuge zerstört

 Den Festgenommenen werde unter anderem Zerstörung von mehr als 100 Einkaufszentren oder Bankgebäuden zur Last gelegt, sagte der amtierende Innenminister Erlan Turgumbajew dem TV-Sender „Chabar 24“. Während der Unruhen seien etwa 400 Fahrzeuge zerstört worden, die meisten davon Polizeiwagen.

Die Behörden bemühten sich unterdessen, im Land wieder etwas Normalität herzustellen. Dazu sei etwa die Versorgung auch entlegener Regionen mit Grundnahrungsmitteln gesichert worden, teilte das Handelsministerium am Sonntag nach Angaben der Agentur Tass mit. Auch die Versorgung mir Kraftstoff und Flüssiggas sei angelaufen, hieß es aus dem Energieministerium.    

Das Bild der russischen Staatsagentur Tass zeigt das brennende Bürgermeisteramt.
Das Bild der russischen Staatsagentur Tass zeigt das brennende Bürgermeisteramt.
Foto: dpa

Präsident Kassym-Schomart Tokajew hatte Polizei und Armee am Freitag angewiesen, „ohne Vorwarnung“ auf Demonstranten zu schießen, die er als „Terroristen“ und „Banditen“ bezeichnete. Befürchtet wurde, dass es viele zivile Todesopfer geben könnte - insbesondere in der von den Ausschreitungen schwer erschütterten Millionenstadt Almaty im Südosten Kasachstans.

Ausnahmezustand

Kasachstan, das an Russland und China grenzt, erlebt seit Tagen die schwersten Ausschreitungen seit Jahren. Unmut über gestiegene Treibstoffpreise an den Tankstellen schlug in vielerorts friedliche, aber teils auch gewaltsame Proteste gegen die Staatsführung um. Tokajew verhängte den Ausnahmezustand und bat ein von Russland geführtes Militärbündnis um Hilfe.     

Menschen stehen in der Hauptstadt Nur-Sultan inmitten von Unruhen vor einem funktionierenden Geldautomaten Schlange.
Menschen stehen in der Hauptstadt Nur-Sultan inmitten von Unruhen vor einem funktionierenden Geldautomaten Schlange.
Foto: dpa



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