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Unermüdlich im Einsatz für jedes Kind
International 7 Min. 11.12.2021
75 Jahre Unicef

Unermüdlich im Einsatz für jedes Kind

Das Kinderhilfswerk Unicef setzt sich seit seiner Gründung für das Wohl der Kinder ein.
75 Jahre Unicef

Unermüdlich im Einsatz für jedes Kind

Das Kinderhilfswerk Unicef setzt sich seit seiner Gründung für das Wohl der Kinder ein.
Foto: Unicef/Frank Dejongh
International 7 Min. 11.12.2021
75 Jahre Unicef

Unermüdlich im Einsatz für jedes Kind

Françoise HANFF
Françoise HANFF
Vor 75 Jahren gegründet, leistet das UN-Kinderhilfswerk Unicef weltweit Nothilfe in Krisengebieten und führt Entwicklungsprogramme durch.

Es ist keine schöne Nachricht, die das UN-Kinderhilfswerk Unicef in den Tagen ihres 75-jährigen Bestehens zu verkünden hat. Laut einer Studie hat die Corona-Pandemie weltweit zusätzlich 100 Millionen Kinder in Armut gestürzt. Das seien innerhalb von weniger als zwei Jahren zehn Prozent mehr, berichtete die Organisation am Donnerstag.

Schon vor der Pandemie hatten eine Milliarde Kinder weltweit nicht ausreichend Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, Unterkünften, Ernährung, sanitären Einrichtungen oder sauberem Wasser gehabt. Eine solche Krise habe es in den 75 Jahren seit der Gründung von Unicef am 11. Dezember 1946 in New York noch nicht gegeben. 

Von der Not- zur Entwicklungshilfe 

In seinen Anfängen versorgte der United Nations Children's Fund hungernde und frierende Kinder im kriegszerstörten Europa mit Milch, Lebertran und warmer Kleidung. Das Mandat von Unicef war damals auf sieben Jahre terminiert. Angesichts der weltweiten Missstände wurde es unbegrenzt verlängert. 

1945 erhalten Kinder im Campo Dei Cavalieri Di Colombo in der Via Aurelia in Rom Lebensmittel.
1945 erhalten Kinder im Campo Dei Cavalieri Di Colombo in der Via Aurelia in Rom Lebensmittel.
© Unicef/UNI43096/Unknown

So wird die Aufgabe von Unicef in den 1950er-Jahren um die Entwicklungshilfe erweitert: Nach der Überwindung der größten Not in Europa setzt die Organisation alles daran, das Elend der Kinder in der sogenannten „Dritten Welt“ zu lindern. 

In den 1960er-Jahren baut Unicef die Entwicklungsarbeit weiter aus. Für ihre auf die Bedürfnisse von Kindern und Frauen spezialisierten Entwicklungs- und Nothilfeprogramme wird das Kinderhilfswerk 1965 mit dem Friedensnobelpreis geehrt – als erste Organisation überhaupt. 

Meilenstein für Kinderrechte

In den 1970er-Jahren entwickelt Unicef die orale Rehydratationstherapie – eine Mischung aus Salzen und Glukose, die es ermöglicht, an schwerem Durchfall erkrankten Kindern rasch wieder Flüssigkeit zuzuführen. Die britische Zeitschrift „The Lancet“ spricht von der „vielleicht größten Erfindung des 20. Jahrhunderts“. 

Bildung ist eine der Hauptaufgaben von Unicef.
Bildung ist eine der Hauptaufgaben von Unicef.
Foto: Unicef/Frank Dejongh

Die 1980er-Jahre sind geprägt von einem Meilenstein für die Rechte von Kindern weltweit: Die Vereinten Nationen verabschieden 1989 die UN-Konvention über die Rechte des Kindes. Sie garantiert jedem Kind das Recht auf Überleben, Entwicklung, Schutz und Beteiligung. Dieses weltweite „Grundgesetz“ für Kinder ist bis heute die wichtigste Grundlage der Arbeit des Kinderhilfswerks. 


Hilfe für Kinder in Not
Zum Internationalen Tag gegen Kinderarbeit am Samstag: Ein Blick auf die französisch-luxemburgische Organisation „Padem“.

1990 versammelt Unicef 70 Staats- und Regierungschefs auf dem ersten Weltkindergipfel in New York. Angesichts der humanitären Katastrophen in Ruanda und Jugoslawien hilft Unicef mit Impfstoffen und anderen Hilfsgütern. Im Jahr 2000 verabschieden die Vereinten Nationen die Millenniumsziele: unter anderem die Überwindung von Armut, mehr Bildung und Frieden. 

Gewalt gegen Kinder nimmt zu

Die 2000er-Jahre werden auch geprägt von dem verheerenden Tsunami im Dezember 2004 in Asien, dem über 200.000 Menschen zum Opfer fallen. Unicef leistet umfassende Not- und Wiederaufbauhilfe in einer der größten Hilfsaktionen seiner Geschichte. 


Pupils wearing protective facemasks sit in a classroom of a school in Ankara on March 2, 2021, after the country lifted restrictions measures against the Covid-19 pandemic in regions with lower infection rates. - Turkey on March 1, re-opened most restaurants for indoor dining and allowed more students to return to school as it rolled back tough coronavirus restrictions. (Photo by Adem ALTAN / AFP)
Unicef: "Katastrophale Bildungskrise"
Seit fast einem Jahr sind nach Angaben von Unicef mehr als 168 Millionen Kinder weltweit wegen der Corona-Pandemie vom Schulunterricht ausgeschlossen.

Im September 2015 verabschiedet die Weltgemeinschaft neue nachhaltige Entwicklungsziele. Erstmals verpflichten sich damit Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer gemeinsam auf konkrete Ziele für wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung. 2016 sieht sich Unicef mit einem seit der Gründung nicht mehr dagewesenen Ausmaß humanitärer Krisen und Gewalt gegen Kinder konfrontiert. Die Zahl der Flüchtlinge erreicht ihren Höhepunkt seit dem Zweiten Weltkrieg. 

Rekordbudget für 2022 


ARCHIV - 01.12.2014, Berlin: Viele rote Schleifen, das weltweit anerkannte Symbol für die Solidarität mit HIV-Infizierten, liegen am Welt-Aids-Tag auf einem Tisch. Am 01.12.2021 ist der Welt-Aids-Tag.    (zu dpa «Zahl der HIV-Infektion 2020 gesunken - Nun wieder steigende Tendenz») Foto: Lukas Schulze/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Corona bremst Kampf gegen Aids
In Luxemburg wurde im Jahr 2020 ein Fünftel weniger HIV-Neuinfektionen festgestellt als im Jahr 2019. Die Zahl der Tests sank ebenfalls.

Aktuell halten mehrere Krisen die Welt in Atem: die Corona-Pandemie, der Klimawandel, umfassende sozioökonomische Probleme, eine Zunahme der Armut und der damit verbundenen Ungleich-heiten ... Das Ziel von Unicef bleibt dabei dasselbe: Jedem Kind in den über 190 Ländern helfen, in denen das Kinderhilfswerk mit seinen rund 15.000 Mitarbeitern und zahllosen ehrenamtlichen Helfern aktiv ist. 

Auf Samoa wird ein siebenjähriges Mädchen gegen Masern geimpft.
Auf Samoa wird ein siebenjähriges Mädchen gegen Masern geimpft.
Foto: Unicef/Allan Stephen

Im Jahr 2020 sammelt Unicef weltweit sieben Milliarden US-Dollar Spendengelder. In Luxemburg werden im vergangenen Jahr 5,8 Millionen Euro gesammelt – trotz der Corona-Pandemie eine Rekordsumme. 2021 werden voraussichtlich noch mehr Mittel hierzulande eingehen. 

Für 2022 hat Unicef ein Rekordbudget aufgestellt. Die Organisation bittet um Spenden im Umfang von 9,4 Milliarden US-Dollar (8,35 Milliarden Euro). Das sind 31 Prozent mehr, als sie für 2021 vorgesehen hatte. Denn ein Ende der Krisen ist nicht in Sicht.


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