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UN-Sicherheitsrat verabschiedet Resolution zu Waffenruhe in Syrien
International 9 25.02.2018 Aus unserem online-Archiv

UN-Sicherheitsrat verabschiedet Resolution zu Waffenruhe in Syrien

Rund 400 000 Menschen sind in dem Rebellengebiet Ost-Ghuta fast vollständig von der Außenwelt abgeschlossen.

UN-Sicherheitsrat verabschiedet Resolution zu Waffenruhe in Syrien

Rund 400 000 Menschen sind in dem Rebellengebiet Ost-Ghuta fast vollständig von der Außenwelt abgeschlossen.
Foto: AFP
International 9 25.02.2018 Aus unserem online-Archiv

UN-Sicherheitsrat verabschiedet Resolution zu Waffenruhe in Syrien

Nach tagelangem Ringen hat es nun doch noch geklappt: Per Resolution fordert der UN-Sicherheitsrat eine 30-tägige Waffenruhe in Syrien. Wirkliche Druckmittel enthält das Papier allerdings nicht - werden sich die Kriegsparteien also daran halten?

(dpa) - Der UN-Sicherheitsrat hat per Resolution eine mindestens 30 Tage dauernde Feuerpause für das Bürgerkriegsland Syrien gefordert. Nach anfänglichem Widerstand Russlands und tagelangen Verhandlungen stimmten die 15 Mitgliedsländer am Samstag in New York geschlossen dafür. Die Resolution enthält allerdings keine völkerrechtlich bindenden Druckmittel zur Durchsetzung der Waffenruhe. 


Eine Protestaktion vor dem UN-Gebäude in New York.
UN-Sicherheitsratssitzung zu Syrien endet ohne Ergebnis
Täglich bombardieren Syriens Regierungstruppen das Rebellengebiet Ost-Ghuta, wo 400 000 Menschen eingeschlossen sind. Die humanitäre Lage ist dramatisch, ein Ende nicht abzusehen. Eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats bleibt ohne Ergebnis. Hoffen auf Freitag.

Der Rat „fordert, dass alle Parteien ohne Verzögerung die Kampfhandlungen einstellen für einen Zeitraum von mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen in ganz Syrien für eine anhaltende humanitäre Pause“, heißt es in dem Papier. Die Resolution soll humanitären Helfern Zugang zu belagerten Gebieten verschaffen und UN-Helfern sowie deren Partnern ermöglichen, Kriegsopfer in Sicherheit zu bringen.

Inwiefern sich die Konfliktparteien daran halten bleibt offen

Militäreinsätze gegen die Terrorgruppen Islamischer Staat (IS), Al-Kaida und Al-Nusra wären von der Waffenruhe allerdings ausgeschlossen. Inwieweit sich die Konfliktparteien an so eine Waffenruhe halten, ist offen.

Die syrischen Regierungstruppen setzten auch am Samstag ihre heftigen Angriffe auf das belagerte Rebellengebiet Ost-Ghuta fort. Die überwiegend von islamistischen Milizen kontrollierte Region nahe der Hauptstadt Damaskus erlebt die schlimmste Angriffswelle seit dem Beginn des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren. Rund 400 000 Menschen sind dort fast vollständig von der Außenwelt abgeschlossen.

Gewalt in Ost-Ghuta geht weiter

Nach der Verabschiedung der UN-Resolution setzt die syrische Regierung ihre Angriffe auf die heftig umkämpfte Region Ost-Ghuta in vermindertem Umfang fort. Insgesamt sei die Gewalt in dem belagerten Gebiet in den ersten Stunden nach der Abstimmung in New York zwar zurückgegangen.


Ein Mädchen vor den Ruinen eines Krankenhauses nahe Damaskus, das bei einem Luftwaffenangriff durch das syrische Regime zerstört wurde.
Arzt aus Syrien berichtet: „Schwierigste Zeit meines Lebens“
Opfer der heftigen Angriffe auf das syrische Rebellengebiet Ost-Ghuta sind vor allem Zivilisten. Ein Arzt berichtet, wie die Menschen versuchen, in den wenigen Schutzräumen unter der Erde zu überleben.

Trotzdem aber gebe es weiterhin Luftangriffe und Artilleriebeschuss, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Eine Frau sei durch ein Artilleriegeschoss in der Stadt Hammurijeh getötet worden. Es sei das erste Todesopfer in Ost-Ghuta seit Verabschiedung der UN-Resolution in New York am Vortag. Zudem seien sieben weitere Zivilisten verletzt worden.



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Der Feldzug zur Rückeroberung Ost-Ghutas läuft. Syrische Truppen und ihre Verbündeten dringen immer tiefer in das Rebellengebiet östlich von Damaskus vor. Die UN-Resolution zur Waffenruhe hindert sie nicht.
A Syrian girl receives treatment as victims of reported regime air strikes on Hamouria, Saqba and Kafr Batna are brought to a make-shift hospital in the rebel-held enclave of Eastern Ghouta on March 7, 2018.  / AFP PHOTO / AMER ALMOHIBANY
46 Lastwagen mit medizinischer Hilfe und Nahrungsmitteln für 27 500 Menschen sind auf dem Weg in die Region, die seit Mitte Februar die heftigsten Luftangriffe der Regierung seit Beginn des Syrien-Konfliktes 2011 erlebt.
Die humanitäre Situation in der Region ist Hilfsorganisationen zufolge desaströs. In dem seit 2013 belagerten Ost-Ghuta sollen etwa 400 000 Menschen eingeschlossen sein.
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