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UN-Klimagipfel endet ohne wesentlichen Fortschritt
International 3 Min. 15.12.2019 Aus unserem online-Archiv

UN-Klimagipfel endet ohne wesentlichen Fortschritt

UN-Klimagipfel endet ohne wesentlichen Fortschritt

Foto: Clara Margais/dpa
International 3 Min. 15.12.2019 Aus unserem online-Archiv

UN-Klimagipfel endet ohne wesentlichen Fortschritt

Zwei Wochen lang haben fast 200 Länder beim UN-Klimagipfel verhandelt - am Ende stand es Spitz auf Knopf, nie zuvor wurde länger überzogen. Luxemburg zeigt sich mit dem Resultat nicht ganz zufrieden.

(dpa) - Die Weltklimakonferenz in Madrid hat sich am Sonntag nach einer 40-stündigen Verlängerung auf eine gemeinsame Abschlusserklärung geeinigt

Die Verhandlungen zum Klimaschutz stellten sich als besonders kompliziert heraus. Am Ende konnten sich die Klimadiplomaten aus rund 200 Staaten in einigen Bereichen einigen, in anderen nicht. 

Neue Klimaschutz-Pläne im kommenden Jahr

Erst im kommenden Jahr sollen die Mitgliedsstaaten des Pariser Klimaabkommens neue nationale Klimaschutz-Pläne für 2030 vorlegen. Das haben sie 2015 zugesagt - daran werden sie im Gipfelbeschluss nun nochmal ausdrücklich erinnert. Und zwar unter Verweis auf die „wachsende Dringlichkeit“ und der „bedeutenden Lücke“, die bisher zwischen den Zusagen und dem eigentlich Notwendigen beim CO2-Sparen besteht, wenn die Erderwärmung auf deutlich unter 2 oder sogar 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzt werden soll. Dabei gibt es ausdrücklich einen Bezug zur Klimawissenschaft. Thematisiert werden außerdem die Themen Ozeane, biologische Vielfalt und Geschlechter-Gerechtigkeit - all das war umkämpft.


Empty chairs of the delegations are pictured on the last day of the UN Climate Change Conference COP25 at the 'IFEMA - Feria de Madrid' exhibition centre, in Madrid, on December 13, 2019. - The preservation of Earth's pristine wildernesses and oceans, long treated as a separate issue to curbing climate change, is taking on more importance as scientists say they really need to go hand in hand. While the focus at COP25 in Madrid these past two weeks has been on climate change and the growing urgency to cut greenhouse gas emissions, organisers have made an effort to put the natural environment into the mix. (Photo by CRISTINA QUICLER / AFP)
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Vergangenheit der Industriestaaten

Bevor es das Pariser Abkommen gab, hatten die Industriestaaten auch schon Ziele für den Klimaschutz und die finanzielle Unterstützung von Entwicklungs- und Schwellenländern. Nicht alle haben diese Ziele eingehalten. Es soll jetzt in einem „Arbeitsprogramm“ nochmal darüber gesprochen werden, ob sie gute Vorbilder waren für die Staaten, die ihre Wirtschaft erst entwickeln. Vor allem die Industriestaaten finden, man solle besser nach vorn schauen und sich auf das Pariser Abkommen konzentrieren.

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Geld für ärmere Länder

Ein Dauerthema ist der Umgang mit Schäden und Verlusten in ärmeren Ländern durch die Folgen des Klimawandels - also etwa durch Stürme, Dürren, Starkregen oder steigende Meeresspiegel. Es wurde darüber gesprochen, wie es bisher damit läuft, und wie weiter daran gearbeitet wird. Künftig könnte es die Möglichkeit geben, dass die betroffenen Staaten dafür auch Geld aus dem Green Climate Fund (GCF) bekommen, auch darüber soll jetzt gesprochen werden.

Dieser Geldtopf ist bisher grundsätzlich dafür da, Treibhausgas-Minderung und die Anpassung an den Klimawandel zu finanzieren, nicht aber Schadenersatz zu leisten. Außerdem gibt es noch einen kleineren, für die ärmeren Staaten unkomplizierteren Anpassungsfonds. Das Thema Schäden und Verluste kam aus Sicht vieler bisher zu kurz. Ab 2020 sollen insgesamt 100 Milliarden Dollar pro Jahr für „Klimafinanzierung“ bereitstehen, dazu gehört neben öffentlichem auch privates Geld und Kredite. Beim Thema Finanzen zeigten sich viele Länder, etwa die afrikanische Gruppe, zum Gipfel-Abschluss unzufrieden.


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Handel mit Gutschriften nicht geklärt

Die sogenannten Marktmechanismen sollen dafür sorgen, dass Staaten einen Teil ihrer CO2-Einsparung auch im Ausland erledigen können. Man könnte auch sagen, sie kaufen sich Klimaschutz anderswo. Umgekehrt können Länder, die ihre eigenen Ziele übererfüllen, Gutschriften verkaufen. Damit das auch wirklich global gesehen zu weniger Emissionen führt, braucht es strenge Regeln dazu, wer sich was anrechnen und womit man handeln darf. Da fanden die Staaten keinen Kompromiss - vor allem, aber nicht nur Brasilien wurde dafür kritisiert. Darüber soll nun kommendes Jahr weiterverhandelt werden. Schon vor einem Jahr beim Gipfel in Polen wurde das Thema vertagt. Kooperieren können Staaten aber trotzdem schon.  

Die Luxemburger Sicht

Die Luxemburger Delegation nahm unter der Leitung von Umweltministerin Carole Dieschbourg an der Klima-Konferenz teil. Wie das Ministerium am Sonntagnachmittag mitteilte, bedauert Luxemburg es, dass keine Einigung zum Artikel 6 des Pariser Abkommen, der den CO2-Markt regeln sollte, gefunden werden konnte. Die Positionen der einzelnen Länder seien zu verschieden gewesen. 

Das Ministerium betont, dass Luxemburg eines der ersten Länder ist, das die Grundsätze der San-José-Gruppe im Oktober unterzeichnet hatte und dass sich die Delegation bis zuletzt für das Erreichen einer ambitiösen Abschlusserklärung eingesetzt hatte. 

Carole Dieschbourg in Madrid.
Carole Dieschbourg in Madrid.
Foto: SIP



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