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Um gehört zu werden, muss die Kirche die Methode ändern
International 2 Min. 21.01.2022
Kardinal Jean-Claude Hollerich

Um gehört zu werden, muss die Kirche die Methode ändern

Für Kardinal Jean-Claude Hollerich brauche es „eine neue Sprache, die auf dem Evangelium fußt“.
Kardinal Jean-Claude Hollerich

Um gehört zu werden, muss die Kirche die Methode ändern

Für Kardinal Jean-Claude Hollerich brauche es „eine neue Sprache, die auf dem Evangelium fußt“.
Foto: Gerry Huberty/LW-Archiv
International 2 Min. 21.01.2022
Kardinal Jean-Claude Hollerich

Um gehört zu werden, muss die Kirche die Methode ändern

Kardinal Jean-Claude Hollerich sieht die katholische Kirche vor existenziellen Umbrüchen.

(KNA) - Kardinal Jean-Claude Hollerich sieht die katholische Kirche vor existenziellen Umbrüchen. „Wir haben eine Theologie, die in 20 oder 30 Jahren niemand mehr verstehen wird. Diese Zivilisation wird Vergangenheit sein“, sagte Hollerich im Interview der französischen Zeitung „La Croix“ (online Donnerstag) in Rom. 

Daher brauche es „eine neue Sprache, die auf dem Evangelium fußt“. An der Entwicklung dieser neuen Sprache müsse sich jedoch die ganze Kirche beteiligen. Das sei der Sinn der von Papst Franziskus einberufenen Weltsynode zur Synodalität der Kirche. Hollerich (63), wie Franziskus Mitglied des Jesuitenordens, wurde vom Papst zum Generalsekretär der Synode ernannt. Er ist derzeit Erzbischof von Luxemburg und Präsident der EU-Bischofskommission Comece.


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Europa sei seit langem wieder ein Missionsland geworden, sagte der Kardinal. "Das Luxemburg meiner Jugend war ein bisschen wie Irland: mit großen Prozessionen, viel Volksfrömmigkeit. Als ich klein war, waren alle Kinder in der Kirche." Doch heute sehe er, "dass diese Vergangenheit nicht so glorreich war". Schon damals habe es „viele Brüche und Heuchelei“ in der Gesellschaft gegeben. „Im Grunde haben die Menschen nicht mehr geglaubt als heute - auch wenn sie in die Kirche gegangen sind. Sie hatten eine Art kulturelle Sonntagspraxis, aber nicht inspiriert durch den Tod und die Auferstehung Jesu.“

Natürlich gebe es diese kulturelle Praxis des Katholizismus noch, sagte Hollerich; und zwar je nach Weltregion unterschiedlich stark. In Europa jedenfalls habe die Corona-Epidemie den Rückgang beschleunigt. In Luxemburg etwa gebe es ein Drittel weniger praktizierende Katholiken; und: "Ich bin sicher, sie werden nicht zurückkommen." Der Kardinal wörtlich: „Wir wissen jetzt, dass wir eine Minderheit sind und sein werden; und sollten uns darüber weder wundern noch es beklagen.“

Die Botschaft der Bibel ist noch aktuell

Die heutige Konsumkultur verspreche, menschliche Wünsche zu erfüllen, „tut es aber nicht“, betonte Hollerich. In Krisenmomenten erkennten Menschen dann, dass tief in ihnen eine Reihe von Fragen seien. Das Evangelium habe eine „außergewöhnlich frische Antwort auf diese Suche nach Sinn und Glück“. Die Botschaft sei noch immer aktuell; „aber die Boten erscheinen manchmal in Kostümen aus vergangenen Zeiten, was der Botschaft selbst nicht den besten Dienst erweist“, so der Kardinal. Daher müsse sich Kirche anpassen; „natürlich nicht, um die Botschaft selbst zu verändern, sondern damit sie verstanden werden kann“.


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Als Generalberichterstatter der Weltsynode wisse er noch nicht, was er in seinem Bericht schreiben werde, sagte Hollerich. „Ich muss derjenige sein, der zuhört. Wenn ich viele Vorschläge mache, schreckt das Leute ab, die anderer Meinung sind. Es sind also die Leute, die meinen Kopf und die Seiten füllen müssen.“ Das sei Synode; „sie muss offen sein.“ Man könne heute nicht mehr „Befehle von oben nach unten geben.“ In allen Gesellschaftsbereichen, in Politik und Wirtschaft kommt es heute auf Vernetzung an. Diesem Zivilisationswandel müsse sich die Kirche „anpassen, wie sie es in ihrer ganzen Geschichte immer getan habe.“


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