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Ukraine-Affäre: Trump rastet bei Pressetermin aus
International 2 2 Min. 03.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Ukraine-Affäre: Trump rastet bei Pressetermin aus

Präsident Trump bei einem gemeinsamen Pressetermin mit dem finnischen Präsidenten Sauli Niinistö.

Ukraine-Affäre: Trump rastet bei Pressetermin aus

Präsident Trump bei einem gemeinsamen Pressetermin mit dem finnischen Präsidenten Sauli Niinistö.
Foto: Brendan Smialowski / AFP
International 2 2 Min. 03.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Ukraine-Affäre: Trump rastet bei Pressetermin aus

Sarah CAMES
Sarah CAMES
Für den US-Präsidenten wird es eng. Unter welchem Druck Trump steht, bekam der finnische Präsident Sauli Niinistö bei einem Besuch in Washington nun am eigenen Leib mit.

Der Stress der letzten Wochen scheint ihm zuzusetzen: Bei einem Pressetermin im Oval Office am Mittwoch redete sich Präsident Donald Trump, für den ein Amtsenthebungsverfahren mittlerweile fast unumgänglich scheint, in Rage. Trump fand vor laufenden Kameras klare Worte für Kritiker, "Spione" in den eigenen Reihen, die "korrupten Medien", und allen voran Demokraten wie Sprecherin des Hauses Nancy Pelosi und Adam Schiff, Vorsitz des Geheimdienstausschusses.

Mittendrin: Der finnische Präsident Sauli Niinistö, der zu Besuch in Washington war. Doch viel Aufmerksamkeit oder gar die Gelegenheit, Fragen zu beantworten, bekam Niiniströ kaum. In einem rund 15-Minütigen Monolog teilte Präsident Trump ordentlich aus und versuchte, seine Sicht der Dinge zu der Ukraine-Affäre zu erklären. Niinistö waren die Szenen, die sich nur wenige Zentimeter neben ihm abspielten, hingegen sichtlich unangenehm.

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Ein finnischer Journalist versuchte zwischendurch, die Aufmerksamkeit des US-Präsidenten wieder auf den eigentlichen Anlass des Pressetermins zurückzulenken: "Finnland ist das glücklichste Land der Welt. Was denken Sie, können Sie von Finnland lernen?" Doch der wohlgemeinte Versuch des ausländischen Reporters fruchtete nicht. Statt eine Antwort zu geben, fiel Trump sofort wieder in seine ausschweifende Tirade zurück und holt zu einem erneuten Schlag gegen Nancy Pelosi und "Shifty Schiff" aus. 

Auch später, bei einer etwa 40-minütigen gemeinsamen Pressekonferenz mit Finnlands Präsidenten Sauli Niinisto im East Room des Weißen Hauses, war Präsident Trump noch sichtlich aufgebracht. Als ein Journalist den Präsidenten fragte, was er sich von den Ukrainern erhofft hatte, wies er ihn an, stattdessen eine Frage an den finnischen Präsidenten zu richten. "Hast du mich gehört?", fragte er den Reuters-Journalisten anschließend zweimal im schärfer werdenden Ton. "Sei nicht unverschämt."

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Der Druck eines kaum mehr abwendbaren Amtsenthebungsverfahrens scheint dem Präsidenten zuzusetzen. Das spiegelt auch die Twitter-Seite des Präsidenten wider. Im September brach Trump einen eigenen Rekord: Er schrieb und retweetete fast 800 Nachrichten in nur einem Monat, rund 100 mehr als in sonst einem Monat seiner Präsidentschaft.

Grund zur Sorge hat Trump allemal. Seit vergangener Woche treiben US-Demokraten ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump unermüdlich nach vorne. Im Laufe der Woche sollen mehrere Zeugen angehört werden und auch mehrere Vertraute des Präsidenten, sowie hohe Regierungsmitglieder, geraten zunehmend in Erklärungsnot. 


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Auch die Öffentlichkeit scheint ein sogenanntes "Impeachment-Verfahren" zunehmend zu unterstützen. Laut einer CNN-Umfrage sind erstmals mehr US-Bürger für ein Verfahren und letztendlich eine Amtsenthebung des Präsidenten (47 Prozent), als dagegen (45 Prozent). Im Mai fielen die Zahlen noch positiver für Trump aus: Damals waren nur 41 Prozent dafür, 54 Prozent waren dagegen.

Trump wird vorgeworfen, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj unter Druck gesetzt zu haben, um dadurch Ermittlungen gegen seinen demokratischen Rivalen Joe Biden zu erwirken. Ein Whistleblower ließ dem Repräsentantenhaus einen entsprechenden Hinweis zukommen. Später veröffentliche das Weiße Haus ein grobes Transkript, das die Anschuldigungen noch weiter befeuerte.


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