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„Überall tote Fische": Polen und Deutschland fürchten Umweltkatastrophe
International 2 Min. 14.08.2022
Grenzfluss Oder

„Überall tote Fische": Polen und Deutschland fürchten Umweltkatastrophe

Michael Tautenhahn vom Nationalpark Unteres Odertal fotografiert das Fischsterben in der Oder in Schwedt.
Grenzfluss Oder

„Überall tote Fische": Polen und Deutschland fürchten Umweltkatastrophe

Michael Tautenhahn vom Nationalpark Unteres Odertal fotografiert das Fischsterben in der Oder in Schwedt.
Foto: AFP
International 2 Min. 14.08.2022
Grenzfluss Oder

„Überall tote Fische": Polen und Deutschland fürchten Umweltkatastrophe

An den Ufern der Oder bergen Helfer viele tote Fische. Tonnen sollen es sein. Polen setzt zur Aufklärung nun auch eine hohe Belohnung.

(dpa) - Deutschland hat bei der Aufklärung des Fischsterbens in der Oder anfängliche Probleme bei der Zusammenarbeit mit dem Nachbarland Polen zugegeben. Sie habe nun eine bessere Koordinierung vereinbart, sagte  Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) am Samstagabend bei einem Besuch in Frankfurt (Oder) nahe der Grenze. 

Die polnische Regierung schließt erhöhte Quecksilberwerte als Grund für den Tod Tausender Fische aus. Die Ursachen sind weiter unbekannt. Spekuliert wird, dass Chemie-Abfälle in den Fluss gekippt wurden. Polens Polizei setzte für Hinweise auf Täter 210.000 Euro Belohnung aus.

Im Oder-Grenzgebiet begannen Hunderte Helfer damit, tote Tiere einzusammeln. In der Kleinstadt Lebus nahe Frankfurt breitete sich durch die Verwesung unangenehmer Geruch aus, wie ein dpa-Reporter feststellte. Zu sehen war auch, wie Vögel tote Fische wegbrachten. Einsatzkräfte trugen Gummistiefel und Handschuhe, um sich vor direktem Kontakt mit dem Wasser und den Fischen zu schützen. „Ich rechne mit mehreren Tonnen Fisch, die wir rausholen“, sagte Thomas Rubin für die Kreisverwaltung. Auf rund 80 Kilometern Länge seien etwa 300 Helfer vor allem am Ufer unterwegs.

Lemke sprach mit Einsatzkräften von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk. Sie kritisierte, dass aus Polen Informationen gefehlt hätten. „Die Frage der deutsch-polnischen Zusammenarbeit hat an dieser Stelle ganz offensichtlich nicht funktioniert“, sagte die Ministerin. „Sonst hätten wir früher Informationen erhalten, zumindest das Land Brandenburg oder auch die Anrainerkommunen.“

Mit der polnischen Umweltministerin Anna Moskwa habe sie am Freitag in einem ersten Gespräch vereinbart, dass es eine gemeinsame Bewertung durch Experten sowie einen Austausch der Analyseergebnisse geben solle. Lemke dankte Helfern und Anglern, die schnell auf die toten Fische aufmerksam gemacht hätten.

Die Behörden der Stadt Frankfurt an der Oder warnen eindringlich davor, mit dem Wasser des Flusses in Kontakt zu kommen.
Die Behörden der Stadt Frankfurt an der Oder warnen eindringlich davor, mit dem Wasser des Flusses in Kontakt zu kommen.
Foto: AFP

„Ich rechne mit mehreren Tonnen Fisch, die wir rausholen“, sagte Thomas Rubin für die Kreisverwaltung Märkisch-Oderland. Dort seien auf rund 80 Kilometern Länge etwa 300 Helfer vor allem am Ufer unterwegs. Die Bürgermeisterin der Stadt Schwedt an der Oder, Annekathrin Hoppe (SPD), sagte im rbb-Inforadio am Samstag, die Helfer seien beim Einsammeln mit Schutzanzügen ausgerüstet. Es sei davon auszugehen, dass dort gesundheitsgefährdende Stoffe für den Menschen vorhanden seien.

Nach Angaben von Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) weist die Oder „sehr stark erhöhte Salzfrachten“ auf. Das sind im Wasser gelöste Salze. Dem Landesministerium zufolge könnte dies in Zusammenhang mit dem Fischsterben stehen. „Nach jetzigen Erkenntnissen wird es jedoch nicht ein einziger Faktor sein, der das Fischsterben in der Oder verursacht hat.“

Erste Hinweise bereits Ende Juli

Polens Regierung vermutet, dass eine riesige Menge an chemischen Abfällen in den Fluss gekippt wurde. Nach Laboruntersuchungen von toten Fische schloss sie nun erhöhte Quecksilberwerte aus. „Das staatliche Veterinärinstitut hat sieben Arten getestet. Es hat Quecksilber als Ursache für das Fischsterben ausgeschlossen“, schrieb Umweltministerin Moskwa auf Twitter. Man warte nun auf die Ergebnisse von Untersuchungen auf andere Schadstoffe.

Polnische Behörden hatten nach Regierungsangaben bereits Ende Juli Hinweise, dass in dem Fluss massenweise verendete Fische treiben. Nun stehen Regierung und Behörden in der Kritik, gezögert zu haben. Am Freitagabend entließ Regierungschef Mateusz Morawiecki deshalb die Leiter der Wasserbehörde und der Umweltbehörde. Er selbst habe erst am Mittwoch von dem massiven Fischsterben erfahren. „Ich wurde auf jeden Fall zu spät informiert.“


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