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Twitter-Streit verschärft sich: Khan will Trump ausladen
Sadiq Khan (hier mit Londons Polizeichefin Cresida Dick) will Donald Trump ausladen.

Twitter-Streit verschärft sich: Khan will Trump ausladen

REUTERS
Sadiq Khan (hier mit Londons Polizeichefin Cresida Dick) will Donald Trump ausladen.
International 3 Min. 06.06.2017

Twitter-Streit verschärft sich: Khan will Trump ausladen

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Nachdem Donald Trump den Londoner Bürgermeister auf Twitter persönlich angegangen war, schießt Sadiq Khan jetzt zurück: Großbritannien solle den Staatsbesuch Trumps im Herbst absagen. Außenminister Boris Johnson hält das nicht für angemessen.

(tom/dpa) Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan hat sich mit einem deutlichen Vorschlag an die britische Regierung gewandt: Diese solle den für den Herbst geplanten Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump absagen. Khan begründet seinen Wunsch im Interview mit dem britischen Nachrichtensender Channel 4:

"Wir sollten dem Präsidenten der USA nicht den roten Teppich ausrollen, wenn seine Politik gegen alles geht, wofür wir stehen. Wenn man eine besondere Beziehung zueinander hat, ist das wie mit guten Freunden: Man steht in schwierigen Zeiten zusammen, aber man sagt ihnen auch, wenn sie falsch liegen. Und an Donald Trump ist sehr vieles falsch.“

Die harschen Worte Khans sind eine direkte Reaktion auf Trumps Tweets direkt nach den Terroranschlägen von London am Wochenende. Trump hatte in einer Serie von Kurznachrichten über die Anschläge gesprochen und sie erkennbar für seine innenpolitische Agenda instrumentalisiert - er warb für seinen eigenen Anti-Terror-Kurs, insbesondere für die  von Gerichten blockierten  Einreiseverbote für viele Muslime.

Trump wandte sich zudem gegen "politische Korrektheit" und mokierte sich über die Befürworter schärferer Schusswaffengesetze in den USA - mit Blick darauf, dass die Terroristen in London einen Kleinlaster und Messer eingesetzt hatten.

Die Trump-Strategie: Zusammenhänge verfälschen

Im Zuge seiner Äußerungen riss Trump auch ein Zitat von Khan aus dem Zusammenhang. Khan hatte am Tag nach den Anschlägen darüber informiert, dass es in den nächsten Tagen in  London erhöhte Präsenz bewaffneter Polizisten geben würde - die Bürger sollten deswegen aber nicht zusätzlich besorgt sein. Trump machte daraus "Mindestens sieben tot und 48 verwundet bei einer Terrorattacke, und der Bürgermeister von London sagt, es gibt 'keinen Grund, alarmiert zu sein!'"

Khan sagte daraufhin, er habe besseres zu tun als auf Trump-Tweets zu reagieren, woraufhin der US-Präsident beleidigt zurückschoss: Khans "Kein Grund zur Sorge"-Statement sei eine armselige Ausrede gewesen.

Nach dem Terroranschlag auf der Westminster Bridge im März hatte Trumps Sohn Donald jr. Khan sehr ähnlich angegriffen: Er zitierte Khan mit einer Äußerung aus dem Jahr 2016, dass man auf Terrorangriffe vorbereitet sein müsse, da sie "zum Leben in einer Großstadt dazugehörten".

Das Zitat stand in keinem Zusammenhang zum Westminster-Attentat, bis Trump jr. diesen Zusammenhang auf Twitter herzustellen versuchte. Ähnlich wie nach den Äußerungen seines Vaters vom Wochenende hatte es auch damals für Trump jr. deutliche Kritik gegeben.

Kontroverse Besuchspläne

Der geplante Besuch von Donald Trump in Großbritannien hatte wiederum schon kurz nach Bekanntwerden für Aufsehen gesorgt. Premierministerin May hatte den US-Präsidenten bei ihrem Besuch in Washington Ende Januar zu einem Staatsbesuch mit voller zeremonieller Würdigung eingeladen. Dazu gehört eine Kutschfahrt auf Londons Prachtstraße „The Mall“ und ein Staatsbankett im Buckingham Palace.

Kritiker warfen May vor, die Einladung verfrüht ausgesprochen zu haben. Anderen US-Präsidenten wurde diese Ehre teils erst Jahre nach ihrem Amtsantritt zuteil. Mehr als 1,8 Millionen Briten hatten eine Petition auf der Webseite des Parlaments unterzeichnet, in der gefordert wird, den Trump-Besuch herabzustufen. Zehntausende hatten tagelang dagegen demonstriert.

Johnson: "Kein Grund, die Einladung zurückzuziehen"

Der britische Außenminister Boris Johnson, einst selbst Londoner Bürgermeister, sagte am Dienstag, er sehe "keinen Grund", die Einladung an Trump zurückzuziehen. Er wolle sich auch nicht in eine Streit zwischen "diesen beiden einmischen, die doch beide für sich selbst einstehen können." Er lobte aber, Khan habe sich in der Situation richtig verhalten. Seine Bemerkung über bewaffnete Polizeikräfte auf den Straßen sei korrekt gewesen. Das sagte Johnson in einem Interview auf BBC Radio 4.

Auch Premierministerin Theresa May lobte das Stadtoberhaupt, hielt sich mit Kritik an Trump jedoch zurück. Der US-Präsident wird voraussichtlich im Oktober ins Königreich reisen.

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