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Tumult im Unterhaus: John Bercow und der fliegende Flamingo
International 2 2 Min. 10.09.2019

Tumult im Unterhaus: John Bercow und der fliegende Flamingo

Die britischen Abgeordneten sagen dem Mister Speaker Adieu.

Tumult im Unterhaus: John Bercow und der fliegende Flamingo

Die britischen Abgeordneten sagen dem Mister Speaker Adieu.
Foto: AFP/PRU
International 2 2 Min. 10.09.2019

Tumult im Unterhaus: John Bercow und der fliegende Flamingo

Unter wütenden Protesten von Abgeordneten geht das britische Parlament in eine fünfwöchige Zwangspause. Speaker John Bercow hält frühmorgens eine bitterböse Ansprache.

(dpa/jt) - Tumultartige Szenen vor der fünfwöchigen Zwangspause des britischen Parlaments: Abgeordnete der Opposition hielten am frühen Dienstagmorgen bei der Schließungs-Zeremonie Protestnoten mit der Aufschrift „zum Schweigen gebracht“ hoch und skandierten „Schande über euch“ in Richtung der Regierungsfraktion. Ein Abgeordneter der Labour-Partei stürzte sich sogar auf das Pult von Parlamentspräsident John Bercow, um ihn am Verlassen des Saals zu hindern. 

"Black Rod" Sarah Clarke, die Botin des Oberhauses, bekam während des Zeremoniells die Wut einiger Abgeordneten zu spüren.

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Parlamentspräsident John Bercow sprach von einem „Akt exekutiver Ermächtigung“. Die Zwangspause sei keine gewöhnliche und "eine der längsten seit Jahrzehnten", kritisierte Bercow. Einen konservativen Abgeordneten, der ihn während seiner Ausführungen unterbrach, blaffte der Unterhaussprecher an: "Ihre Meinung schert mich einen fliegenden Flamingo." ("I couldn't give a flying flamingo what your view is.")  

Nach Ende der turbulenten Sitzung in den frühen Morgenstunden am Dienstag ging das Parlament in seine unfreiwillige Pause. Der Antrag von Premierminister Boris Johnson auf eine vorgezogene Neuwahl hatte zuvor die nötige Zweidrittelmehrheit im Unterhaus mit 293 von 650 Stimmen deutlich verfehlt. Es war bereits der zweite Anlauf. 

Labour-Chef Jeremy Corbyn hatte Johnson zuvor vorgeworfen, er schließe das Parlament, um keine Rechenschaft mehr ablegen zu müssen. Die Abgeordneten sollen erst wieder am 14. Oktober zusammentreten. Damit gibt es keine Möglichkeit mehr für eine Neuwahl vor dem geplanten Brexit-Datum am 31. Oktober. Johnson beharrte darauf, den EU-Austritt seines Landes auch nach Inkrafttreten des Gesetzes gegen einen No-Deal-Brexit nicht noch einmal zu verschieben. 

Emotionale Rücktrittsrede von John Bercow

"Speaker" Bercow hatte angekündigt, am 31. Oktober von seinem Amt zurückzutreten. „Während meiner Zeit als Sprecher habe ich versucht, die relative Autorität dieses Parlaments zu erhöhen, wofür ich mich absolut bei niemandem, nirgendwo, zu keiner Zeit entschuldigen werde“, sagte Bercow in einer emotionalen Ansprache. 


(FILES) In this file photo taken on August 28, 2019 Britain's Prime Minister Boris Johnson speaks to the press ahead of a meeting at The Elysee Palace in Paris, with French President Emmanuel Macron. - Since coming to power in July, Boris Johnson has shed his image as a jovial, wisecracking mophead to reveal a ruthless streak that has marked him out since childhood. (Photo by GEOFFROY VAN DER HASSELT / AFP)
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Viele Abgeordneten würdigten ihn mit langem Applaus, in der Regierungsfraktion war der Zuspruch eher verhalten. Bercow hatte im Brexit-Machtkampf zwischen der Regierung und dem Parlament eine herausragende Rolle gespielt. Erst vergangene Woche ermöglichte er der Opposition und Rebellen aus der Tory-Fraktion, ein Gesetzgebungsverfahren gegen den Willen der Regierung einzuleiten. Bercow wurde immer wieder vorgeworfen, zugunsten der proeuropäischen Abgeordneten eingegriffen zu haben. Er bestreitet das. 

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Durch seinen Rücktritt vor einer Neuwahl ist es dem aktuellen Parlament überlassen, seine Nachfolge zu regeln. Da die Johnson-Regierung keine Mehrheit hat, dürfte sie wieder mit einem für sie unangenehmen Parlamentspräsidenten konfrontiert werden. 

Wie Johnson das Gesetz gegen den No-Deal-Brexit umgehen will, ohne doch noch ein Abkommen mit der EU zu treffen, ist unklar. Spekulationen zufolge will die Regierung versuchen, ein Schlupfloch zu finden. Denkbar wäre auch ein Rücktritt Johnsons.



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