Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Türkisch-kurdischer Konflikt: Eskalation der Gewaltspirale
International 3 Min. 08.09.2015 Aus unserem online-Archiv

Türkisch-kurdischer Konflikt: Eskalation der Gewaltspirale

Kämpfer der kurdischen PKK beim Einsatz in den Bergen des Nordiraks.

Türkisch-kurdischer Konflikt: Eskalation der Gewaltspirale

Kämpfer der kurdischen PKK beim Einsatz in den Bergen des Nordiraks.
Foto: AFP
International 3 Min. 08.09.2015 Aus unserem online-Archiv

Türkisch-kurdischer Konflikt: Eskalation der Gewaltspirale

Nach Medienberichten sind am Dienstag türkische Bodentruppen in den Nordirak einmarschiert, wo die in der Türkei verbotene Kurdenorganisation PKK militärische Stellungen unterhält.

(dpa) - Der Konflikt der Türkei mit der kurdischen Untergrundorganisation PKK weitet sich aus. Türkische Bodentruppen sind am Dienstag nach einem Bericht des Senders CNN Türk im Nordirak eingerückt. In den Kandil-Bergen unterhält die PKK militärische Stützpunkte, darunter auch ihr Hauptquartier.

Bei einem Bombenanschlag in der Osttürkei wurden am Dienstag 14 Polizisten getötet, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Zuvor waren bei einem Angriff der Untergrundorganisation Kurdische Arbeiterpartei (PKK) und Gefechten im südosttürkischen Daglica in der Provinz Hakkari am Sonntag 16 Soldaten getötet worden.

Als Reaktion auf die Kämpfe bombardierten mehr als 50 türkische Kampfflugzeuge am Montagabend Stellungen der PKK im Nordirak. Laut Anadolu sollen bei den Luftangriffen mindestens 35 Mitglieder der PKK ums Leben gekommen sein. Nach den Anschlägen auf die Provinz Hakkari hatte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu versprochen, er wolle die Region „von Terroristen säubern".

Ein seit 30 Jahren andauernder Konflikt

Der seit gut drei Jahrzehnten andauernde Konflikt der türkischen Regierung mit der Untergrundorganisation Kurdische Arbeiterpartei (PKK) hat schon 40 000 Menschen das Leben gekostet. Von 1984 an kämpft die PKK mit Waffengewalt für einen kurdischen Staat oder zumindest ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei.

Die Türkei, die Europäische Union und die USA stufen die PKK als Terrororganisation ein. PKK-Führer Abdullah Öcalan sitzt seit 1999 auf der türkischen Gefängnisinsel Imrali in Haft, war aber Ansprechpartner bei Bemühungen um eine Beilegung des Konfliktes.

Im März 2013 erklärte die PKK eine Waffenruhe. Bald darauf begann sie mit dem Abzug ihrer Kämpfer aus der Türkei. Im September setzte sie den Abzug allerdings mit dem Argument aus, die islamisch-konservative AKP-Regierung komme ihr nicht genug entgegen. Als im Syrienkrieg die von der PKK unterstützten syrischen Kurden sich Autonomiegebiete schufen, sah Ankara die Einheit der Türkei durch das mögliche Entstehen eines Kurdenstaates an seiner Grenze gefährdet.

Intensivierung seit Juli 2015

Ende Juli 2015 griff die türkische Luftwaffe erstmals die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien an und bombardierte zudem Lager der PKK im Irak. Seitdem ist der Konflikt wieder voll entbrannt. Bei einem Aufruf Öcalans zur Waffenruhe im Februar 2015 hatte die prokurdische Oppositionspartei HDP den Boten gespielt.

Bei der Wahl im Juni überwand die HDP erstmals die Zehn-Prozent-Hürde und zwang die AKP, einen Koalitionspartner zu suchen. Weil das scheiterte, soll es am 1. November Neuwahlen geben. Kritiker der Regierung sehen in der Eskalation des Konfliktes mit der PKK auch ein Kalkül Ankaras, die HDP aus dem neuen Parlament fernzuhalten.

Etwa 24 Millionen Kurden leben über die Länder Türkei, Irak, Iran und Syrien verteilt. Sie bezeichnen sich als größtes Volk ohne Staat. In der Türkei machen die Kurden 18 Prozent der Bevölkerung aus. Die AKP-Regierung hat den Kurden schrittweise mehr Rechte zugestanden. Allerdings wird weiterhin kein Unterricht auf Kurdisch in staatlichen Schulen angeboten.

Mehr zum Thema:

Türkei: Großrazia gegen regierungskritischen Medienkonzern

Autobombe detoniert: Vier Tote bei Anschlag in Istanbul

Bei türkischen Luftangriffen: Bislang 390 PKK-Kämpfer getötet

Kurden-Chef Barsani: PKK soll Irakisch-Kurdistan verlassen




Lesen Sie mehr zu diesem Thema