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Türkei: Gericht ebnet Weg zur Nutzung der Hagia Sophia als Moschee
International 4 3 Min. 10.07.2020

Türkei: Gericht ebnet Weg zur Nutzung der Hagia Sophia als Moschee

Die Hagia Sopia, aufgenommen kurz nach Sonnenaufgang. Das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei hat einem Bericht zufolge den Status des berühmten Gebäudes Hagia Sophia in Istanbul als Museum annulliert und damit den Weg zur Nutzung der einstigen Kirche als Moschee freigemacht. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag.

Türkei: Gericht ebnet Weg zur Nutzung der Hagia Sophia als Moschee

Die Hagia Sopia, aufgenommen kurz nach Sonnenaufgang. Das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei hat einem Bericht zufolge den Status des berühmten Gebäudes Hagia Sophia in Istanbul als Museum annulliert und damit den Weg zur Nutzung der einstigen Kirche als Moschee freigemacht. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag.
picture alliance / Marius Becker
International 4 3 Min. 10.07.2020

Türkei: Gericht ebnet Weg zur Nutzung der Hagia Sophia als Moschee

Die Hagia Sophia ist eines der beliebtesten Bauwerke Istanbuls. Immer wieder gab es Forderungen, sie wieder zur Moschee zu machen. Nun hat ein Gericht den Staus als Museum annulliert.

(dpa) - Das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei hat einem Bericht zufolge den Weg frei gemacht, damit das berühmte Gebäude Hagia Sopha in Istanbul künftig als Moschee genutzt werden kann. Das Gericht annullierte am Freitag den Status der einstigen Kirche als Museum. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag. Eine Begründung der Entscheidung lag zunächst nicht vor.

Wann das Gebäude zum ersten Mal als Moschee genutzt wird, ist noch unklar. In Medien wurde als Datum der 15. Juli - der Jahrestag des Putschversuchs in der Türkei - genannt. Nach Angaben der Zeitung „Hürriyet“ wird die Gerichtsentscheidung innerhalb der nächsten 30 Tage umgesetzt.

Vor der Hagia Sophia in der Istanbuler Altstadt sammelte sich spontan eine Gruppe Befürworter der Entscheidung. Sie riefen „Allahu Akbar!“ („Gott ist groß!“). Die Polizei sperrte den Platz vor der Hagia Sophia ab. Beamte der Einsatzpolizei brachten sich in Stellung, es blieb aber zunächst ruhig.

Der Status des Bauwerks ist ein Politikum. Anhänger der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP fordern seit langem, die Hagia Sophia wieder zur Moschee zu machen. Vor allem Griechenland und Russland sind wegen der Bedeutung der Hagia Sophia für die Orthodoxie gegen eine Änderung des Status. Die Entscheidung könnte die Spannungen zwischen der Türkei und dem Nachbarn Griechenland weiter verschärfen, die sich ohnehin schon um Erdgas im östlichen Mittelmeer streiten.

Die Hagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit) wurde im 6. Jahrhundert nach Christus erbaut und war Hauptkirche des Byzantinischen Reiches, in der die Kaiser gekrönt wurden. Nach der Eroberung des damaligen Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 wandelte Sultan Mehmet II. („Der Eroberer“) die Hagia Sophia in eine Moschee um. Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk ordnete der Ministerrat im Jahr 1934 die Umwandlung der Hagia Sophia in ein Museum an.


This aerial picture taken on June 28, 2020 in Istanbul shows Hagia Sophia museum in Istanbul. - Turkey's top court is due on July 2, 2020 to deliver a critical verdict on the status of Istanbul's emblematic landmark church-turned-mosque-turned museum Hagia Sophia, a ruling which could inflame tensions mainly with neighboring Greece.
The sixth-century edifice -- a magnet for tourists worldwide with its stunning architecture -- has been serving as a secular museum since the 1930s which makes it open to believers of all faiths. (Photo by Ozan KOSE / AFP)
Istanbul: Kulturkampf um die Hagia Sophia
Der türkische Staatschef Recep Tayip Erdogan will die einstige Kirche in eine Moschee umwandeln.Am Donnerstag entscheidet das Oberste Verwaltungsgericht.

Hinter dem Verein, der gegen diesen Beschluss geklagt hatte, steht nach Angaben von Anadolu ein pensionierter Lehrer, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee zu erwirken. Der Anwalt des klagenden Vereins, Selami Karaman, bestätigte die Entscheidung auf Anfrage der dpa zunächst nicht.

Auch als Moschee könnten Touristen die Hagia Sophia besichtigen, ähnlich wie die nahe gelegene Blaue Moschee in der Istanbuler Altstadt. Im vergangenen Jahr zog die Hagia Sophia nach offiziellen Angaben 3,7 Millionen Besucher an. Sie war damit das meistbesuchte Museum in der Türkei.

Berühmt ist sie vor allem wegen der rund 56 Meter hohen Kuppel, die nahezu schwerelos über dem Hauptraum zu schweben scheint. Im Inneren sind die Wände mit byzantinischen Mosaiken und Marmor verziert. Um dem Bilderverbot im Islam gerecht zu werden, müssten die Mosaiken während des islamischen Gebets abgedeckt werden.

Erdogan will schnelle Öffnung

 Nach dem Gerichtsentscheid über ihren Status soll die Hagia Sophia in Istanbul nach dem Willen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bereits in zwei Wochen als Moschee genutzt werden können. „Wir planen, die Vorbereitungen schleunigst zu beenden und am Freitag, den 24. Juli 2020, die Hagia Sophia gemeinsam mit dem Freitagsgebet für Gebete zu eröffnen“, sagte Erdogan am Freitagabend.   

Bedauern aus Washington

Die US-Regierung hat angesichts der Umwidmung ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht. „Wir sind enttäuscht von der Entscheidung der Regierung der Türkei, den Status der Hagia Sophia zu ändern“, hieß es am Freitag auf Anfrage in einer Erklärung der Sprecherin des Außenministeriums in Washington, Morgan Ortagus. Ortagus machte deutlich, dass die USA von der Türkei erwarten, dass die Weltkulturerbestätte weiterhin für alle Besucher zugänglich bleibt.   


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