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Türkei legt in Sachen Nato-Erweiterung kein Veto ein
International 3 Min. 28.06.2022
Madrid

Türkei legt in Sachen Nato-Erweiterung kein Veto ein

Die Delegationen trafen sich noch vor dem eigentlichen Nato-Gipfel.
Madrid

Türkei legt in Sachen Nato-Erweiterung kein Veto ein

Die Delegationen trafen sich noch vor dem eigentlichen Nato-Gipfel.
Foto: AFP
International 3 Min. 28.06.2022
Madrid

Türkei legt in Sachen Nato-Erweiterung kein Veto ein

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gibt seine wochenlange Blockadehaltung gegenüber Schweden und Finnland auf.

(dpa) – Die Türkei hat ihren Widerstand gegen die Aufnahme von Schweden und Finnland in die Nato aufgegeben. Die Türkei werde während des Nato-Gipfels in Madrid die Einladung an die beiden nordischen Länder, Bündnismitglied zu werden, unterstützen, teilte der finnische Präsident Sauli Niinistö am Dienstagabend mit. Ein entsprechendes Memorandum sei nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, Schwedens Ministerpräsidentin Magdalena Andersson und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan von den Außenministern der drei Länder unterschrieben worden.

Das gemeinsame Memorandum unterstreiche die Verpflichtung Finnlands, Schwedens und der Türkei, ihre volle Unterstützung gegen die Bedrohung der Sicherheit des jeweils anderen Landes zu gewährleisten, hieß es in der Mitteilung des finnischen Präsidenten. „Dass wir Nato-Bündnispartner werden, wird diese Verpflichtung noch verstärken.“


Turkey's President and leader of the Justice and Development (AK) Party Recep Tayyip Erdogan gestures as he delivers a speech during his party�s group meeting at the Turkish Grand National Assembly (TGNA) in Ankara, on May 18, 2022. - Recep Tayyip Erdogan, who has threatened to block Finland and Sweden from joining NATO, urged the alliance's members on May 18, 2022 to "respect" Ankara's concerns about the two countries, which Turkey accuses of harbouring terrorists. (Photo by Adem ALTAN / AFP)
Türkei stellt Forderungen an Schweden für Nato-Beitritt
Die Türkei, Schweden und Finnland bleiben im Dialog. Erdogan stellt Forderungen in Bezug auf die Kurden-Miliz YPG in Syrien auf.

Finnland und Schweden sind bislang keine Nato-Mitglieder, aber enge Partner des Verteidigungsbündnisses. Russlands Einmarsch in die Ukraine löste jedoch in den beiden militärisch bisher bündnisfreien Ländern intensive Debatten über eine solche Mitgliedschaft aus. Am 18. Mai beantragten sie jeweils die Aufnahme in die Nato – in der Hoffnung, das Prozedere bis zum letztlichen Beitritt möglichst schnell durchlaufen zu können.

Blockade

Die Türkei schob dem allerdings prompt einen Riegel vor, indem sie als einziges Nato-Mitglied den Beginn des Aufnahmeprozesses blockierte. 

Die schwedische Premierministerin Magdalena Andersson (L) begrüßt den türkischen Präasidenten  Recep Tayyip Erdogan.
Die schwedische Premierministerin Magdalena Andersson (L) begrüßt den türkischen Präasidenten Recep Tayyip Erdogan.
AFP

Da Entscheidungen in der Nato nach dem Konsensprinzip und damit nicht gegen den Widerstand von Verbündeten getroffen werden, stockte der Prozess seitdem. Für das Bündnis war das ein unerwarteter Rückschlag, schließlich bemüht es sich seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine darum, Einheit und Geschlossenheit zu zeigen.

Ankara begründete seine Blockadehaltung mit der angeblichen schwedischen und finnischen Unterstützung von „Terrororganisationen“ wie der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, der syrischen Kurdenmiliz YPG und der Gülen-Bewegung - in Stockholm und Helsinki wird das zurückgewiesen. Ankara forderte die Auslieferung mehrerer Menschen, die in der Türkei unter Terrorverdacht stehen.


NATO Secretary General Jens Stoltenberg holds a press conference along with the European Parliament president at the European Parliament in Brussels on April 28, 2022. (Photo by Kenzo TRIBOUILLARD / AFP)
Nato-Generalsekretär warnt vor Einsatz von Atomwaffen
„Nach einem Einsatz von Nuklearwaffen würde es auf allen Seiten nur Verlierer geben“, so Stoltenberg, der eine Verschärfung des Kriegs befürchtet.

Erdogan ging es darüber hinaus um die Aufhebung von Beschränkungen für Waffenexporte in die Türkei. Nato-Partner wie Deutschland, aber auch andere EU-Länder wie Schweden haben aus Protest gegen eine türkische Offensive gegen die YPG in Nordsyrien im Jahr 2019 Rüstungslieferungen in die Türkei teilweise gestoppt. Die Türkei betrachtet das als Affront, da sie den Einsatz in Syrien als notwendigen Schritt im Kampf gegen den Terrorismus ansieht.

Stoltenberg versuchte zuletzt, zwischen der Türkei und den beiden möglichen künftigen Mitgliedern zu vermitteln. Er betonte mehrmals, dass man die türkischen Einwände ernst nehmen müsse – offenbar wurde das nun getan.

Historischer Schritt

Für Finnland und Schweden geht es in der Nato-Frage um einen historischen Schritt, schließlich sind beide Länder traditionell in militärischer Hinsicht bislang bündnisfrei. Beide betrachten Russland schon seit Längerem als Bedrohung. Im finnischen Fall hängt das auch damit zusammen, dass das Land eine mehr als 1.300 Kilometer lange Grenze zu Russland hat. Kein anderes EU-Land grenzt auf solch einer Länge an das Riesenreich.


Außenminister Jean Asselborn befürwortet einen Nato-Beitritt der beiden nordeuropäischen Länder.
Luxemburg für Nato-Beitritt von Schweden und Finnland
Außenminister Jean Asselborn hat sich bei einem Treffen in Berlin für einen Beitritt der beiden Länder zum Militärbündnis ausgesprochen.

Ursprünglich gab es die Hoffnung, dass Finnland und Schweden noch in diesem Jahr offizielle Nato-Mitglieder werden können. Der Streit mit der Türkei hat Zweifel aufgeworfen, ob dieser lose Zeitplan hält. Nach dem Abschluss des Aufnahmeverfahrens innerhalb der Nato müssen die Beitrittsprotokolle von den Parlamenten in allen 30 Bündnisstaaten ratifiziert werden, was Schätzungen von Diplomaten zufolge innerhalb von sechs bis acht Monaten abgeschlossen sein dürfte.    

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