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Truppen-Aufstockung in Afghanistan
International 3 Min. 21.08.2017 Aus unserem online-Archiv
Trumps Strategiewechsel

Truppen-Aufstockung in Afghanistan

Entgegen seiner Versprechungen im Wahlkampf plant Donald Trump wohl doch eine Truppenaufstockung in Afghanistan.
Trumps Strategiewechsel

Truppen-Aufstockung in Afghanistan

Entgegen seiner Versprechungen im Wahlkampf plant Donald Trump wohl doch eine Truppenaufstockung in Afghanistan.
Foto: AFP
International 3 Min. 21.08.2017 Aus unserem online-Archiv
Trumps Strategiewechsel

Truppen-Aufstockung in Afghanistan

Michel THIEL
Michel THIEL
Wie geht es weiter in Afghanistan? Es ist eine wichtige Weichenstellung für das Land, für die USA und für Trump selbst. Zuletzt deuteten die Zeichen auf Aufstockung in einem größeren Ansatz.

(dpa) - Rund 16 Jahre nach dem Beginn des Kriegs in Afghanistan stehen die USA vor einer Aufstockung ihrer Truppen im Rahmen einer größeren Südasienstrategie. US-Präsident Donald Trump wollte den Amerikanern seinen Ansatz in einer Ansprache am Montagabend (21.00 Uhr Ortszeit/3.00 MESZ) im Stützpunkt Fort Myers (Virginia) erklären.

Nach monatelangen Diskussionen war zuletzt eine Aufstockung der Truppen um 3900 Soldaten am wahrscheinlichsten. Damit würde Trump einen klaren Richtungswechsel vollziehen. Er hatte im Wahlkampf seinen Anhängern wiederholt einen Abzug der USA aus dem Land am Hindukusch versprochen. Der neue Kurs ist für den Präsidenten politisch riskant.

Nach Informationen der „New York Times“ und anderer US-Medien wollten die USA ihre neue Strategie mit Forderungen an die internationale Koalition und die Sicherheitskräfte der afghanischen Regierung verknüpfen. Auch soll der Druck auf das Nachbarland Pakistan erheblich verstärkt werden, das als Rückzugsraum und Operationsbasis für die Taliban gilt.

Verteidigungsminister James Mattis und andere Militärs hatten sich für eine Aufstockung ausgesprochen. Sie sehen sie als zwingende Voraussetzung, im Kampf gegen die radikalislamischen Taliban verlorenen Boden gut zu machen. Mattis hatte sich von letzten Abstimmungen in der US-Regierung sehr zufrieden gezeigt. Die USA haben derzeit 8400 Militärangehörige in Afghanistan stationiert.

Diskutiert wurden auch ein Totalabzug und der Einsatz privater Söldner statt regulärer Soldaten. Dafür hatte sich vor allem Stephen Bannon stark gemacht, der aber als Trumps politischer Chefstratege das Weiße Haus verlassen hat.

Kurswechsel gegenüber Obama

Trump will seinen Kurs von dem seiner Vorgänger abgrenzen, insbesondere von Barack Obama, dessen Afghanistanpolitik er oft und scharf kritisierte. Berichten zufolge will das Weiße Haus den Einsatz zwar nicht als „open end“ deklarieren, auf klare Abzugsziele aber künftig verzichten. Dies binde den USA die Hände und spiele ihren Gegnern in die Karten. Es solle stärker betont werden, dass der Einsatz im Rahmen des Kampfes der USA gegen den internationalen Terrorismus steht.

Die Nato und andere westliche Länder sollen auf einen stärkeren Einsatz verpflichtet werden. 15 Nato-Staaten haben bisher eher allgemein ein zusätzliches Engagement in Aussicht gestellt.

Deutschland ist nach den USA und Italien größter Truppensteller in Afghanistan. Vor dem Hintergrund der nahen Bundestagswahl ist eine Ausweitung des Kontingents derzeit kein Thema.

Die Strategie wird wohl auch Maßnahmen gegen Pakistan enthalten. Mattis und andere hatten zuletzt von einem „regionalen Ansatz“ gesprochen, andere von einer „Südasien-Strategie“.

Die USA und die afghanische Regierung werfen Pakistan mit zunehmender Schärfe vor, die Führung der afghanischen Taliban und des eng mit ihnen verbundenen brutalen Hakkani-Netzwerks zu beherbergen und zu unterstützen. Pakistan destabilisiere Afghanistan und den internationalen Einsatz dort.

Pakistanische Sicherheitsquellen waren vor der Ankündigung der neuen US-Strategie besorgt. Befürchtungen rangierten von der Kürzung von US-Hilfsgeldern bis hin zu einer Rückkehr des US-Drohnenkrieges in Pakistan oder dass die USA Erzfeind Indien eine größere Rolle in Afghanistan anbieten könnte.

Aus der US-Regierung hieß es zuletzt, als Voraussetzung für amerikanische Militär- und Wirtschaftshilfe solle die afghanische Regierung viel stärker als bisher auf das Einhalten von Standards verpflichtet werden. Sie gälten unter anderem für den Kampf gegen Korruption.

Die Sicherheitslage hat sich in Afghanistan seit Ende der Nato-Kampfmission im Dezember 2014 drastisch verschlechtert. Außerdem hat sich im Osten von Afghanistan ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eingenistet.

Laut afghanischen und US-Militärangaben „kontrollieren oder beeinflussen“ die Taliban heute wieder etwa elf Prozent des Landes, etwa 30 Prozent sind umkämpft. Vor den Gefechten sind allein in diesem Jahr knapp 200 000 Afghanen aus ihren Dörfern geflohen. 2016 waren es mehr als 660 000 Kriegsvertriebene.

Die USA, die Afghanistan weiter Luftunterstützung gewähren und mit einer eigenen Kampfmission gegen Taliban und IS vorgehen, mussten ihre Luftangriffe massiv ausweiten, um Taliban und IS in Schach zu halten. Die Nato-Mission Resolute Support wiederum, die die afghanische Polizei und Armee trainieren soll, gilt als zu klein.


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