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Trumps Feldzug gegen Twitter und Co.
International 1 4 Min. 29.05.2020

Trumps Feldzug gegen Twitter und Co.

Präsident Trump mit US-Justizminister William Barr kurz vor der Unterzeichnung der Verfügung.

Trumps Feldzug gegen Twitter und Co.

Präsident Trump mit US-Justizminister William Barr kurz vor der Unterzeichnung der Verfügung.
Foto: AFP
International 1 4 Min. 29.05.2020

Trumps Feldzug gegen Twitter und Co.

Donald Trump ist einer der intensivsten Nutzer von Twitter. Nun geht er auf offene Konfrontation mit dem Online-Dienst und anderen sozialen Medien.

(dpa) - Donald Trump sagt Twitter und Co. den Kampf an: Der US-Präsident unterzeichnete am Donnerstag (Ortszeit) eine Verfügung, mit der er soziale Netzwerke stärker reglementieren will. Er wirft ihnen vor, unliebsame Ansichten zu zensieren und so die Meinungsfreiheit und Demokratie zu gefährden - nachdem Twitter erstmals einen Tweet des Präsidenten einem Faktencheck unterzogen hatte. Wie genau Trump Plattformen im Netz in die Schranken weisen will, ist bislang unklar. US-Justizminister William Barr ist beauftragt, genauere Gesetzgebung dazu auszuarbeiten. Trump sagte bereits, er rechne mit Klagen gegen seinen Vorstoß. Die Demokraten halten die Aktion für ein Manöver Trumps, um von dessen Versäumnissen in der Corona-Pandemie abzulenken.

Die Verfügung nimmt den umfassenden rechtlichen Schutz der Online-Dienste ins Visier - einen Grundpfeiler, der Facebook, Twitter und YouTube in ihrer heutigen Form erst möglich gemacht hat. Trump will eine als „Section 230“ bekannte Klausel überprüfen lassen. Gemäß dieser Regelung werden Online-Dienste nicht für von Nutzern veröffentlichte Inhalte haftbar gemacht. Zugleich wird Plattformen dadurch erlaubt, gegen bestimmte Inhalte oder Nutzer vorzugehen.

Barr betonte, die Klausel solle nicht abgeschafft, aber reguliert werden. Sie sei weit über ihren ursprünglichen Zweck hinaus strapaziert worden. Man schaue sich verschiedene gesetzgeberische Optionen dazu an. In der Verfügung werden außerdem Ministerien und Bundesbehörden aufgerufen, ihre Ausgaben für Werbung und Marketing auf Online-Plattformen zu überprüfen.


US President Donald Trump walks across the South Lawn upon his return to the White House in Washington, DC on May 27, 2020. - SpaceX's landmark launch to the International Space Station -- the first crewed mission to blast off from US soil in almost a decade -- was scrubbed today due to bad weather. (Photo by Olivier DOULIERY / AFP)
Nach Twitter-Faktencheck: Trump droht, soziale Medien zu schließen
US-Präsident Donald Trump warf Twitter nach einem Faktencheck zu einem seiner Tweets Zensur vor - und drohte damit, Social-Media-Plattformen zu schießen.

Trump sagte, es gehe um den Schutz von Meinungsfreiheit und Demokratie. Große Online-Plattformen hätten „unkontrollierte Macht“, Interaktion zu zensieren und einzuschränken. Sie seien keineswegs neutrale Plattformen, auf der jeder seine Meinung äußern könne, sondern sie versuchten, Ansichten, die ihrem politischen Standpunkt nicht entsprächen, zu unterdrücken. „Wir können das nicht zulassen“, mahnte er. „Diese Zensur und Voreingenommenheit ist eine Bedrohung für die Freiheit.“ Der Präsident sagte, er rechne mit Klagen gegen sein Vorgehen, sei jedoch entschlossen, dies durchzuziehen. „Wir haben es satt.“

Im Clinch mit Twitter

Auslöser für Trumps Vorstoß ist eine Auseinandersetzung mit Twitter. Der Kurznachrichtendienst hatte am Dienstag erstmals einen Tweet des Präsidenten einem Faktencheck unterzogen. Darin hatte Trump behauptet, dass Briefwahl Wahlbetrug Vorschub leiste. Dem Faktencheck zufolge ist dies irreführend. Trump warf Twitter daraufhin vor, sich in die US-Präsidentenwahl im November einzumischen. Bei der Unterzeichnung der Verfügung bezeichnete er den Faktencheck von Twitter als „unangemessen“ und „politischen Aktivismus“.

Trumps Vorhaben entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Er nutzt soziale Medien wie Facebook und Twitter extensiv für seine Zwecke und hat im Wahlkampf viel Geld für Werbung in sozialen Medien ausgegeben. Als Präsident hat er Twitter zu seinem Hauptkommunikationskanal gemacht, um dort täglich und ausschweifend an den - ihm zumeist verhassten - traditionellen Medien vorbei Botschaften an die Öffentlichkeit auszusenden. Er hat dort inzwischen mehr als 80 Millionen Follower und gehört damit zu den - in Sachen Reichweite - erfolgreichsten Twitterern weltweit.


US President Donald Trump gestures as he leaves an event on protecting seniors with diabetes in the Rose Garden of the White House in Washington, DC, on May 26, 2020. - Trump announced new choices of Medicare Part D plans that will offer insulin at affordable and predictable prices of no more than $35 for a month�s supply. (Photo by Brendan Smialowski / AFP)
Trump wirft Fernsehmoderator Mord vor
Nachdem Trump auf Twitter behauptet hatte, Briefwahlen seien Wahlmanipulation, griff der Kurznachrichtendienst erstmals ein. Gegen Trumps Behauptung, ein US-Fernsehmoderator habe eine Frau ermordet, könne man allerdings nicht vorgehen.

2012 hatte Trump in einem Tweet geschrieben: „Ich liebe Twitter... Es ist, als würdest du deine eigene Zeitung besitzen - ohne die Verluste.“ Inzwischen scheint seine Zuneigung etwas getrübt. Trump sagte am Donnerstag erneut, wenn er könnte und dies rechtlich möglich wäre, würde er die Plattform am liebsten schließen. Doch so schnell dürfte Twitter den Präsidenten als einen seiner eifrigsten Nutzer nicht verlieren. Auf die Frage, warum er seinen Twitter-Account nicht einfach lösche, sagte Trump: „Wenn wir eine faire Presse in diesem Land hätten, würde ich das sofort tun.“ Nichts täte er lieber, schob Trump nach. Aber angesichts all der falschen Geschichten über ihn benutze er diesen Kanal - „so kann ich Fake News widerlegen“.

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Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany sagte, wenn überhaupt jemand einem Faktencheck unterzogen werden müsse, dann die Medien. Auf die Frage, ob sie Anspruch darauf erhebe, dass der Präsident nie Unwahrheiten verbreite, sagte sie: „Seine Absicht ist immer, der amerikanischen Bevölkerung wahrheitsgemäße Informationen zu geben.“ Wie erfolgreich er bei der Umsetzung dieser „Absicht“ ist, ließ sie offen.

Kritik an Twitter-Regulierung

Trumps Verfügung stieß bereits kurz vor der Unterzeichnung auf heftige Kritik. Die Bürgerrechtsorganisation ACLU schrieb auf Twitter: „So sehr er es sich vielleicht auch wünscht, Donald Trump ist nicht der Präsident von Twitter.“ Eine solche Verordnung sei eine unverhohlene und verfassungswidrige Drohung, um soziale Medien zu bestrafen, die dem Präsidenten missfielen.


(FILES) In this file photo taken on March 31, 2020 US President Donald Trump looks on during the daily briefing on the novel coronavirus, COVID-19, in the Brady Briefing Room at the White House in Washington, DC. - The United States has now recorded more than 100,000 coronavirus-related deaths, Johns Hopkins University reported Wednesday -- a somber milestone and by far the highest total in the world. The country reported its first death about three months ago. Since then, nearly 1.7 million infections have been tallied nationwide, according to the Baltimore-based school. The actual number of deaths and infections is believed to be higher, experts say. (Photo by MANDEL NGAN / AFP)
Trumps Krisenmanagement und die 100.000 Corona-Toten
"Unter Kontrolle" sei das Coronavirus, meinte US-Präsident Trump noch im März. Doch die jüngsten Opferzahlen zeigen das furchtbare Ausmaß der Katastrophe.

Die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, warf Trump vor, seine Verfügung sei eine „verzweifelte Ablenkung“ von dessen Versäumnissen in der Corona-Krise. Die USA hatten am Mittwochabend die düstere Marke von 100.000 Toten in Folge der Pandemie überschritten - eine Zahl, die für immer einen Schatten auf Trumps Amtszeit werfen dürfte, und das wenige Monate, bevor er sich im November um eine zweite Amtszeit bewirbt.

Kritik kam erwartungsgemäß auch aus den Reihen der betroffenen Online-Dienste. Facebook steht Faktenchecks von Politiker-Aussagen anders als Twitter zwar skeptisch gegenüber. Doch auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg äußerte Bedenken zu Trumps Plänen. Dem Sender Fox News sagte er: „Eine Regierung, die sich dafür entscheidet, eine Plattform zu zensieren, weil sie sich Sorgen über Zensur macht - das scheint mir nicht unbedingt der richtige Reflex zu sein.“


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