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Trump will tausende US-Soldaten aus Deutschland abziehen
International 1 2 Min. 15.06.2020

Trump will tausende US-Soldaten aus Deutschland abziehen

Donald Trump bei einem Besuch der US-Militärbasis in Ramstein (Rheinland-Pfalz) im Dezember 2018.

Trump will tausende US-Soldaten aus Deutschland abziehen

Donald Trump bei einem Besuch der US-Militärbasis in Ramstein (Rheinland-Pfalz) im Dezember 2018.
Foto: dpa/White House
International 1 2 Min. 15.06.2020

Trump will tausende US-Soldaten aus Deutschland abziehen

Schon seit Tagen berichten US-Medien von einem geplanten Abzug eines Teils der US-Soldaten aus Deutschland. Nun bestätigt US-Präsident Trump entsprechende Pläne - und greift Deutschland scharf an.

(dpa/jt) - US-Präsident Donald Trump hat bestätigt, dass er die Zahl der US-Soldaten in Deutschland auf 25.000 reduzieren möchte. Trump sagte am Montag bei einer Veranstaltung im Weißen Haus zur Begründung, Deutschland weigere sich, die Verteidigungsausgaben so zu erhöhen, dass das selbstgesteckte Nato-Ziel erreicht werde. Derzeit sind rund 34.500 US-Soldaten in Deutschland stationiert. Trump sprach von 52.000 Soldaten. In dieser Zahl dürften rund 17.000 amerikanische Zivilisten im Dienst der US-Streitkräfte enthalten sein.

Der Präsident kritisierte außerdem: „Warum zahlt Deutschland Russland Milliarden Dollar für Energie, und dann sollen wir Deutschland vor Russland schützen? Wie soll das funktionieren? Es funktioniert nicht.“ Trump spielte unter anderem auf die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 an, die Gas von Russland nach Deutschland bringen soll - unter der Umgehung der Ukraine und Polens. Die USA wollen Nord Stream 2 verhindern und haben Ende vergangenen Jahres Sanktionen verhängt.

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"Deutschland ist seit Jahren säumig"

Trump warf Deutschland am Montag außerdem vor, die USA beim Handel zu benachteiligen. Die Verhandlungen mit der EU über ein Handelsabkommen verliefen bislang nicht zu seiner Zufriedenheit. Mit Blick auf die Nato fügte Trump hinzu, Deutschland sei einer der wenigen Mitgliedsstaaten, die sich nicht dazu bereiterklärt habe, das selbstgesteckte Nato-Ziel bei Verteidigungsausgaben zu erfüllen. „Deutschland ist seit Jahren säumig und schuldet der Nato Milliarden Dollar, und das müssen sie bezahlen.“


ARCHIV - 15.11.2018, Mecklenburg-Vorpommern, Laage: Das Verlegeschiff "Audacia" des Offshore-Dienstleisters Allseas verlegt in der Ostsee vor der Insel Rügen Rohre für die Gaspipeline Nord Stream 2 (Luftaufnahme mit einer Drohne). Die USA wollen die Gaspipeline Nord Stream 2 kurz vor der Fertigstellung stoppen und haben trotz des Widerstands Deutschlands Sanktionen gegen beteiligte Firmen erlassen. Foto: Bernd Wüstneck/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Die Schweizer Firma Allseas, die im Auftrag des Konsortiums Nord Stream 2 mit Spezialschiffen die Röhren in der Ostsee verlegte, hatte die Arbeiten nach US-Sanktionen eingestellt.

Das Zwei-Prozent-Ziel der Nato sieht vor, dass sich alle Alliierten bis 2024 dem Ziel annähern, mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Deutschland hat die Ausgaben in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert, lag aber 2019 dennoch erst bei einem BIP-Anteil von 1,38 Prozent. Vor allem Trump übt deswegen kontinuierlich Kritik an der Bundesregierung und wirft ihr zu geringes Engagement vor. Trump sagte am Montag, auch zwei Prozent seien eigentlich noch zu wenig.

Trump verwies auch auf die wirtschaftlichen Schäden, die ein Teilabzug der Soldaten aus Deutschland für die Umgebung der betroffenen Standorte hätte. „Das sind gut bezahlte Soldaten. Sie leben in Deutschland. Sie geben viel von ihrem Geld in Deutschland aus.“ Der Präsident fügte hinzu: „Bis sie (die Deutschen) bezahlen, ziehen wir unsere Soldaten ab, einen Teil unserer Soldaten.“

Große Sorge in Rheinland-Pfalz

Ein Teilabzug von US-Truppen hätte gravierende Auswirkungen für Rheinland-Pfalz: Im Bundesland östlich von Luxemburg sind rund 18.500 US-Soldaten stationiert. Hinzu kommen 12.000 US-Zivilisten und 25.000 Angehörige. Und allein in Rheinland-Pfalz sind etwa 7.200 deutsche Ortskräfte an US-Standorten beschäftigt.


ARCHIV - 09.03.2017, Bayern, Illesheim: US-Soldaten stehen während einer militärischen Zeremonie in den Storck-Barracks vor einer Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika. US-Präsident Donald Trump hat bestätigt, dass er die Zahl der US-Soldaten in Deutschland auf 25 000 reduzieren möchte. Trump sagte am Montag bei einer Veranstaltung im Weißen Haus zur Begründung, dass Deutschland nicht das Nato-Ziel für Verteidigungsausgaben erreiche Foto: Nicolas Armer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Als wichtigstes US-Drehkreuz in Europa gilt der Stützpunkt Ramstein in der Nähe von Kaiserslautern. In Spangdahlem bei Bitburg ist eine F-16-Kampfjet-Staffel mit mehr als 20 Flugzeugen stationiert. In Landstuhl betreiben die USA das größte Militärhospital außerhalb der Vereinigten Staaten mit rund 3.300 Mitarbeitern. Derzeit entsteht ein Neubau für eine Milliarde Euro. Verantwortliche in den betroffenen Kommunen hatten sich zuletzt besorgt über die US-Pläne gezeigt. Befürchtet werden negative wirtschaftspolitische Konsequenzen für die Region sowie eine Verschlechterung der Beziehungen mit den USA.


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